Gut umsorgtes „Älterwerden in Moosburg“

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Alexander Speiser

Man wird in Moosburg am Federsee zwar nicht unbedingt älter als in anderen Gemeinden der Region – gleichwohl geht auch hier der Altersdurchschnitt der Bevölkerung unaufhörlich nach oben. Die Veranstaltung mit dem Thema „Älterwerden in Moosburg“ griff nun dieses Thema erstmals auf. Eingeladen in den Gemeindesaal im Rathaus hatte Bürgermeister Klaus Gaiser und von den derzeit 209 Einwohnern der Gemeinde waren mit knapp 60 Besuchern fast ein Drittel gekommen. Damit zeigt sich, dass das Thema aktuell ist, die Menschen beschäftigt und auch nach Lösungen gesucht wird.

Bürgermeister Gaiser bedankte sich bei der Freiwilligen Feuerwehr für die Bewirtung und wies auf den hohen sozialen Stellenwert der Wehr für die Gemeinde. Sie organisiert in Ermangelung anderer Vereinigungen praktisch sämtliche Veranstaltungen im Ort. Gaiser nannte es einen glücklichen Umstand, dass in Kürze das Rathaus umgebaut wird und damit auch die räumlichen Voraussetzungen geschaffen werden, um unter anderem eine Tagesbetreuung einzurichten. Derzeit sei es noch gut möglich, spezielle Bedürfnisse beim Ausbau und der Einrichtung zu berücksichtigen, wie behindertengerechte Toilettenanlagen, die Küche und rollstuhlgeeignete Zugänge.

Von den 209 Einwohnern Moosburgs sind 72 Personen älter als 60 Jahre, was 34 Prozent und damit mehr als einem Drittel der Bevölkerung entspricht, rechnete Gertraud Koch von der Altenhilfe-Fachberatung des Landratsamts Biberach vor. 20 Moosburger seien sogar über 80 Jahre alt – und ihr Anteil an der Bevölkerung wird in den nächsten Jahren ebenfalls steigen. Alle wünschten sich, älter zu werden, gesund zu bleiben, das Leben selbstständig zu meistern und solange wie möglich im gewohnten Umfeld leben zu können. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem nicht mehr alles selbstständig bewältigt werden könne. Spätestens wenn die eigenen Kinder berufstätig sind, eigene Familien haben oder weit weg wohnen, sind dann Unterstützungen und Hilfen im Alltag nötig.

Unter dem Begriff „Sorgende Gemeinschaft“ lud Koch die Anwesenden ein, ihre Gedanken und Ideen einzubringen und Vorschläge zu machen, wie das Miteinander in der Gemeinde in Zukunft auf eine sichere und solide Basis gestellt werden könne. Hier nannten die Besucher Begriffe wie Fahrdienst, Nachbarschaftshilfe, Behördengänge, Vertrauen, Wertschätzung, Vernetzung, Kommunikation, Austausch, Mittagstisch und viele andere. Aber auch, dass die Jungen nicht unbedingt mit den Alten zusammenkommen wollen, wurde angemerkt und dass je nach Interessenlage und Vitalität unterschiedliche Angebote gemacht werden sollten. Vor allem müssten Barrieren überwunden werden, die Beteiligten müssten sich öffnen, es müsse eine vertrauliche Basis geschaffen werden, ohne die ein Miteinander nicht gehe.

Aktivitäten gleich welcher Art, so Koch, müssen auf freiwilliger Basis laufen, es darf kein Zwang herrschen und es muss ein „Gewinn“ für den Einzelnen sein, um auf Dauer zu funktionieren. Eine Pflege, so die Altenhilfefachberaterin, dürfe nicht mit Betreuung verwechselt werden. Pflege setze qualifizierte Fachkräfte voraus, wie sie etwa in der Tagespflege in Bad Buchau im Einsatz sind und wo auch demenzkranke Patienten aufgenommen und fachlich richtig betreut werden können. Dies könne sicher in Moosburg so nicht geleistet werden, aber eine Tagesbetreuung als sogenanntes niederschwelliges Angebot sei durchaus denkbar. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Betreuer nach dem „Biberacher Weg“ qualifizierten. Mit der Tagespflege in Bad Buchau sei auch schon besprochen worden, dass das Angebot gemeinsam organisiert werden kann und bei Fragen dort jederzeit eine Pflegefachkraft begleitend zur Seite steht.

Fragebogen soll Bedarf erfassen

Was ist nun zu tun, war die Frage. die in den Raum gestellt wurde und auch hierzu gaben die Moosburger reichlich Antworten. Vor allem müsse man im Ort die jeweiligen Wünsche und Bedürfnisse abfragen, um die passenden Angebote schaffen zu können, so der Tenor. Und es müsse eine Anlaufstelle geben, bei der alle Informationen zusammenlaufen. Im Moment könne nur der Bürgermeister diese Aufgabe übernehmen, so die Anwesenden. Gaiser ließ sich denn auch nicht lange bitten und sagte zu, die Koordination zu übernehmen, wenngleich er sich die Unterstützung engagierter Bürger wünsche.

Zunächst soll in der Gemeinde mit Hilfe eines Fragebogens eine Bedarfsanalyse erstellt werden. Um auch datenschutzrechtlichen Anforderungen zu genügen, soll die Auswertung ausschließlich durch die Gemeindeverwaltung erfolgen. Das Ausfüllen des Fragebogens sei freiwillig und diene nur dazu, die Aktivitäten im Sinne einer „Sorgenden Gemeinschaft“ zu koordinieren und auszubauen. Der Fragebogen soll in Kürze mit dem Gemeindemitteilungsblatt an alle Haushalte in Moosburg verteilt werden.

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