Gut aufgestellt und selbstbewusst

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Schwäbische Zeitung

Die diesjährige Arbeitstagung der von der DRV Baden-Württemberg regelmäßig belegten Rehaeinrichtungen fand dieses Jahr im Gesundheitszentrum Federsee in Bad Buchau statt. Hochrangige Verantwortliche des Reha-Sektors, darunter Vertreter der Deutschen Rentenversicherung, Kliniken und Wissenschaft trafen sich, um über die Struktur und Trends der Branche zu sprechen.

Die Grußworte waren davon geprägt, dass die Tagung die letzte unter der Leitung von Juan Victor Coseriu-Pisani sei. Er ist bei der DRV Baden-Württemberg für die Reha-Abteilung verantwortlich. Wohlwollende und wertschätzende Worte kamen von den Referenten, die von einer positiven Zusammenarbeit mit dem in den Ruhestand ausscheidenden Coseriu-Pisani berichteten.

Walter Hummler, Geschäftsführer des Gesundheitszentrums Federsee, eröffnete in seinem Blickwinkel einen kritischen Blick auf die Strukturlandschaft der Reha. Gerade Rehakliniken in ländlich geprägten Gegenden – so auch in Bad Buchau – kämpften heute nicht mehr nur gegen einen Fachkräftemangel, sondern schon gegen einen Arbeitskräftemangel. Großen Beifall erhielt Hummler, als er den Übernachtungspreis in einem durchschnittlichen Stadthotel mit dem Vollpflegesatz verglich. Dass für das Leistungsangebot eines Stadthotels ein höherer Übernachtungspreis verlangt werden kann als für einen Rehaaufenthalt mit kostenintensiven Leistungen wie der ärztlichen und medizinischen Versorgung zeige eine „strukturelle Diskrepanz im Gesundheitssektor gegenüber anderen Wirtschaftszweigen. Dass die Rehabilitation einen großen volkswirtschaftlichen Nutzen erbringen kann, sei längst bewiesen.

Coseriu-Pisani verwies auf eine Studie des Instituts für rehabilitationsmedizinische Forschung der Universität Ulm, die belege, dass volkswirtschaftlich Millionenbeträge durch die Investition in Rehaleistungen eingespart, und Arbeitsunfähigkeitstage verhindert werden könnten.

Darauf, dass die Rehalandschaft mittelfristig von einer Änderung gesetzlicher Rahmenbedingungen geprägt sein werde, wies Andreas Schmöller von der AOK Baden-Württemberg hin und thematisierte das Rehabilitations- und Intensivpflegestärkungsgesetz. Änderungen gibt es auch bei Anwendungsformen, die ebenfalls in der Rehabilitation immer digitaler werden. Telemedizin, digitale Anwendungen und die Automatisierung von Kliniksteuerungssystemen seien laut Andreas Schwarz, Erster Direktor der DRV Baden-Württemberg, Möglichkeiten, deren Potenziale zukünftig noch mehr genutzt werden müssten.

Die Entgrenzung von Raum und Zeit sei ein Vorteil für Patient und Kostenträger zugleich, der eine qualitative Steigerung des Rehaangebots nach sich ziehen müsse. Reha-Beratung per Videochat und neue digitale Wege der Antragsstellung seien Projekte, die Patienten den Zugang zur Reha erleichtern sollen.

Abschließend aufgeführte Zahlen und Daten rund um die Reha in Baden-Württemberg erlauben einerseits einen positiven Blick in die Zukunft. Die Anzahl der Reha-Anträge übersteigt die prognostizierten Antragssteigerungen. Rund 74 Prozent für eine allgemeine Reha würden auch bewilligt. Demgegenüber stünden eine wachsende Wartezeit für einen Rehaplatz und laut Coseriu-Pisani „die fehlende Bekanntheit, dass die Rentenversicherung auch Kostenträger für Rehaleistungen ist“. Insgesamt sieht er einen „stark aufgestellten und selbstbewussten Reha-Sektor in Baden-Württemberg“, der sich stetig weiterentwickele. Er forderte aber ein stärkeres Engagement der Leistungsträger in der Politik.

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