Fasnetsspektakel in „Bad“ Buchau

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Schwäbische Zeitung
Laetitia Barnick

Ein prallgefülltes Programm mit dem Motto „Die 80er“ hatte die Narrenzunft „Moorochsen“ in der Festhalle der Federseeschule organisiert und damit am Samstagabend ein zahlreiches und phantasievoll verkleidetes Publikum angelockt. Mit Brauchtumsgruppen, Gardemädchen, LED-Show, Tanz-Performance und Top-Band ließ das Repertoire des Abends nichts zu wünschen übrig.

Mit Witz und oberschwäbischem Charme moderierte „Technik-Tacker“ Jens Polm den ereignisreichen Abend. Dies schaffte er sogar – zunächst als angeblicher Patient der Kurklinik –, obwohl er nach einem Moped-Unfall sein Kurzzeitgedächtnis verloren hatte. Und dieses Malheur hatte nur den einen Grund, dass er die teure Flasche Whisky, die er zum Geburtstag geschenkt bekam, sicherheitshalber gleich leer getrunken hatte, damit sie unterwegs beim Mopedfahren nicht kaputt gehe.

Viel Schwung in den Saal brachte der Schalmeienzug „Riedspatza“ Bad Wurzach im Western-Style mit Cowboyhüten und rotkarierten Hölzfällerhemden, indem bei ihren Gassenhauern das Publikum sofort begeistert im Takt mitklatschte.

Darauffolgend reichte das Kurzzeitgedächtnis des Moderators allerdings sehr gut aus, um „eine Horde wilder Mädels, deren Waffen ihre Beine sind“, nämlich die Garde der Narrenzunft Moorochs anzusagen. Damit hatte er allerdings nicht zu viel versprochen, denn die in leuchtendem Blau-Weiß gekleideten Mädels wirbelten über die Bühne, dass einem Sehen und Hören verging.

Besonders als „Madonna“ lief dann der Moderator zu Hochform auf, indem er in amerikanischem Akzent Witze und Bonmots erzählte: „In den 80ern hat man den Kindern gesagt, iss den Teller auf, sonst scheint morgen keine Sonne – heute sind die Kinder dick und wir haben den Klimawandel!“

Auch die „Riedmeckeler“ brachten als einer der Höhepunkte des Programms mit Mundart-Comedy so manche Wahrheit aus dem Stadtgeschehen ans närrische Tageslicht, die man sich vielleicht sonst nicht zu sagen getraut hätte. Auch der jüngst stattgefundene Bandscheibenball wurde dabei kräftig unter die Lupe genommen. Doch nicht jeder der dort engagierten „Stars“ sei wohl auch seine Gage wert gewesen: „Die Tante Andante hat man nicht mal nüchtern vertragen. Sie ist dann einfach spurlos verschwunden und man findet auch keine Homepage!“ Wer aber sein Geld wohl wert war, war Geri der Klostertaler: „Der hat ja auch mal auf dem Marktplatz über drei Stunden lang im Regen Stimmung gemacht!“

Viel Interessantes gab es noch über das Stadtgeschehen von den beiden urwüchsigen Gestalten zu berichten, so auch die Erinnerung daran, dass Bad Buchau einmal auf der ersten Seite der Bild-Zeitung stand. Nein, es war niemand umgebracht worden, man hatte nur im Hochsommer das Fußballfeld immer auf derselben Stelle gesprengt, so dass auf dem sonst trockenen Rasen lediglich ein runder grüner Kreis gediehen war.

Ein großes Extra-Lob gebührt der Band „The Wondeers & Sandy“, die mit professionellem Klasse-Format und einem anspruchsvollen Repertoire von den 50er Jahren bis zu aktuellen Hits den Abend bereicherte. Mit Songs wie „I'm a woman“, und „Every breath you take“ zauberten die Musiker einen satten Disco-Sound auf die Bühne und gaben damit der Veranstaltung den letzten Schliff.

„Good“ und „Bad“ Buchau

Akrobatischen Streetdance der Spitzenklasse zeigten die Jungs und Mädels vom Aqua Team & Friends auf der Moorochsenbühne. Die 80er zu Zeiten des kalten Krieges, als eine von Grenzposten streng bewachte Mauer „Good“ Buchau – also Kappel im Westen – von „Bad“ Buchau – also dem Teil am Federsee gelegen im Osten – trennte. Die schwierige heimliche Liebesgeschichte eines Moorochsen mit seiner Seerose wurde von der Brauchtumsgruppe mit allen Masken der Zunft imposant in Szene gesetzt. Zum Schluss wie könnte es anders sein, verhalf der Vater Federsee den beiden Liebenden doch noch zu ihrem Glück und die Mauer wurde eingerissen.

Als coole Hippies verkleidet und mit Wasserpfeife in ihrer Mitte gaben die Familien Zell und Keppeler singend und in gelockerter Atmosphäre weitere Anekdoten aus Bad Buchau und Kappel zum Besten. Frauen-Power vom Allerfeinsten zur Fitnesswelle der 80er mit Jane Fonda zeigten die Damen des Kinderballteams zur passenden Musik von Dirty Dancing und Footloose.

Mit einer einzigartigen, und beeindruckenden Show mit modernster LED-Technik zauberte der Feuerfuchs Symbole der Moorochsenzunft und der Gabel in die kreisenden Bewegungen seiner schwingenden LED-Stäbe. Auf der Netzhaut der Zuschauer im total abgedunkelten Saal waren die Masken der Gabelzünfte oder die Gesichter der Zunfträte zu erkennen.

Zum Finale heizte die Schalmeienkapelle „Riedspatza“ aus Bad Wurzach nochmals mächtig ein und zusammen mit allen Akteuren wurde zum Schluss gemeinsam die Moorochsenhymne angestimmt.

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