Exotische Wintergäste als aparte Fotoobjekte

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Kerstin Wernicke

Eines der auffälligsten Tiere am winterlichen Federsee ist der Gänsesäger. Dieser exotisch anmutende Wasservogel brütet vor allem in Skandinavien und überwintert an fischreichen Seen in Mitteleuropa. Am Federsee kann man ihn derzeit vom Steg aus gut beobachten.

„Die übliche Vorstellung über Zugvögel ist ja, dass sie unsere Breiten im Winter verlassen und angenehmere Ziele im Süden ansteuern – auch der Gänsesäger macht es so, aber er brütet vor allem in Nordeuropa und kommt hierher zum Überwintern“, erklärt Jost Einstein, Leiter des Nabu-Naturschutzzentrums Federsee. Gerade der relativ ungestörte Federsee sei ein wichtiges Winterquartier für Gäste aus Nordeuropa, unterstreicht der Vogelexperte. Mit teilweise über 200 Exemplaren sei der Federsee für diese skandinavische Art ein bedeutendes Winterurlaubsziel im Ländle.

Der Gänsesäger ist leicht zu erkennen und gut zu beobachten – oft mischt sich der gesellige Vogel unter die auf dem Federsee ruhenden Enten. Die Männchen sind auffallend hübsch und wirken beinahe exotisch: der Körper ist überwiegend weiß gefärbt mit einem zarten rötlichen Anflug auf der Unterseite, Kopf und Hals dagegen leuchten schwarzgrün, die Schultern schwarz. Die Weibchen sind schlichter gefärbt: sie tragen Aschgrau mit rotbraunem Hals- und Kopfgefieder. Von Enten unterscheiden sie sich durch ihre schlankere Gestalt und den dünnen geraden Schnabel. „Der Schnabel ist vorne zu einem Haken gebogen und an den Seiten mit kleinen Sägezähnchen besetzt, eine raffinierte Anpassung an die Fischjagd“, beschreibt Einstein. „Die sägeartigen Schnabelränder dienen dazu, die schlüpfrigen Fische besser festzuhalten.“

Gänsesäger sind Jäger, ihre bevorzugte Beute sind kleine Fische, meist fischereilich wenig interessante Weißfische einer Größe von unter zehn Zentimetern. Durch ihre flache, spindelförmige Gestalt sind sie hervorragend ans Fischefangen angepasst. Ihre Schwimmhäute treiben sie unter Wasser blitzschnell voran. Auf der Suche nach Nahrung tauchen sie manchmal mehr als 30 Sekunden lang, und können dabei Tiefen bis über zehn Meter erreichen. „Die Jagdtechnik der Gänsesäger ist faszinierend: Gelegentlich kann man mehrere Tiere mit eingetauchtem Kopf beobachten, die das Wasser unter sich absuchen. Haben sie einen Fischschwarm entdeckt, schwimmen sie gemeinsam hinterher, tauchen und halten eine Unterwasser-Treibjagd ab“, berichtet Einstein. Im fischreichen Federsee ist der Tisch reich gedeckt.

Die Küken springen aus der Bruthöhle

Gänsesäger brüten in Baumhöhlen in bis zu 20 Metern Höhe. Relativ lang, etwa 32 Tage, sitzt das Weibchen über ihren bis zu zwölf rahmfarbenen Eiern. Einen Tag nach dem Schlupf lockt die Mutter sie aus der Baumhöhle hinaus und ein Junges nach dem anderen klettert zum Eingang der Bruthöhle und stürzt sich in die Tiefe. Diesen Sprung ohne Fallschirm überstehen die Küken erstaunlich gut. Sie sind noch leicht und durch eine dicke Schicht aus Daunen gut gepolstert. Zusätzlich spreizen sie die Füße und die winzigen Flügel ab, was den Fall etwas abbremst. Unten angekommen, wackelt die Schar eilig zum Wasser. Die Männchen sind bei der Brut und Aufzucht nicht beteiligt, sie verlassen das Brutgebiet schon ab Ende Mai. Abseits der Hauptvorkommen im hohen Norden gibt es auch eine kleine Population des Gänsesägers rund um die Alpen. Hier brütet er spärlich an klaren Flüssen wie der Iller oder im Donauraum. Gute Beobachtungsmöglichkeiten bieten sich vom Aussichtsturm und von der Besucherplattform am Ende des Federseestegs.

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