Ein Werkstoff, der die Welt veränderte

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Eine große Palette an Anschauungsmaterial haben Stephan Holdermann (l.) und Frank Trommer an den Federsee mitgebracht.
Eine große Palette an Anschauungsmaterial haben Stephan Holdermann (l.) und Frank Trommer an den Federsee mitgebracht. (Foto: sz- Klaus Weiss)
Schwäbische Zeitung
Klaus Weiss

Interessante Einblicke in die Zeit der Bronzegießer haben die Besucher des Bad Buchauer Federseemuseums an den Osterfeiertagen nehmen können. Bronzegießer Frank Trommer und Stephan Holdermann hatten allerhand Exponate mit an den Federsee gebracht.

Vor rund 4000 Jahren brodelte in den Schmelztiegeln erstmals jener glänzende Werkstoff, nach dem eine ganze Epoche benannt werden sollte: Bronze. Wie dieser neue Werkstoff die damalige Welt – und auch den Federseeraum – veränderte, zeigten Archäotechniker Frank Trommer und sein Kollege, der Archäologe Stephan Holdermann, in beeindruckenden und lehrreichen Vorführungen.

Der große Publikumsansturm blieb wohl witterungsbedingt aus, aber zahlreiche Besucher fanden doch noch den Weg ins Federseemuseum. Vor einem der Häuser im Steinzeitdorf hatten die beiden Bronzegießer eine Schmiede-Werkstatt aufgebaut. Mittendrin das Wichtigste: der Schmelzofen aus Lehm und die beiden Blasebalge, natürlich von Hand bedient, um das Feuer auf die benötigte Schmelztemperatur von etwas über 1050 Grad zu halten.

Im Feuer steht der kleine Schmelztiegel, in dem einige Bronzewürfel langsam vor sich hinschmelzen. Währenddessen richtet Holdermann eine der zweiteiligen Gussformen her, die in der Regel aus Speck- oder Sandstein gefertigt sind, um den Besuchern zu zeigen, wie eine Messerklinge entsteht. Mit der Zange nimmt Holdermann den fast weißglühenden Schmelztiegel aus dem Feuer und füllt die flüssige Bronze in die Gussform ein. Im Wasser wird die Messerklinge kurz abgekühlt und macht dann in den Händen der Besucher die Runde.

Zwischenfragen werden von den beiden Spezialisten gerne und auch ausführlich beantwortet und anhand der ausgelegten Gerätschaften erklärt. Im Halbkreis um die Feuerstelle sind die nach Originalfunden gefertigten Bronze-Gebrauchsgegenstände ausgelegt: Messer und andere Waffen zur Jagd und wohl auch zur Abwehr, verschiedene Streitäxte mit Holzstielen, die auch sicher für die Landwirtschaft tauglich waren. Schwerter und Speerspitzen zeigen den Vorteil des neuen Werkstoffs auf.

Aber auch Schmuckstücke waren damals gefragt. War vor der Bronzezeit noch Holz, Stein und Geweih das überwiegend verarbeitete Material, bedeutete der Übergang in die Bronzezeit ein großer Schritt für die Menschen. Die beiden Bronzegießer legen großen Wert auf die Feststellung, dass alle Exponate die zu sehen sind, originalgetreue Nachbildungen von Ausgrabungsfunden überwiegend aus dem süddeutschen Raum seien. Gefragt sind die Experten wohl nicht nur am Federsee. Die interessanten Vorführungen würden fast in ganz Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz gern in Anspruch genommen.

Während Frank Trommler Rede und Antwort steht, hat Holdermann den zuvor gegossenen Messerrohling bearbeitet. Die Gussgräte müssen entfernt werden, dann wird nachgeschliffen und poliert. Aber das braucht schon eine Menge Zeit und Holdermann zeigt stattdessen den Besuchern ein bereits fertiges Messer.

Der Karfreitag stand im Federseemuseum dagegen ganz im Zeichen des Fischs. Die Vorführung diverser Fangmethoden wurde durch eine Räucherkammer, ein kleines mit Leder bespanntes Zelt, ergänzt. Im Buchenholzrauch wurden frische Fische geräuchert, die auch von den Besuchern probiert werden durften.

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