Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat Charlotte Mayenberger das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat Charlotte Mayenberger das Bundesverdienstkreuz verliehen. (Foto: Staatsministerium Baden-Württemberg)
Schwäbische Zeitung

Das Bundesverdienstkreuz ist die höchste allgemeine Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland und eine „Anerkennung der um Volk und Staat erworbenen besonderen Verdienste“: So ist auch auf der von Bundespräsident Joachim Gauck unterzeichneten Urkunde zu lesen, die Charlotte Mayenberger nun im Stuttgarter Staatsministerium entgegennehmen durfte. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat die engagierte Buchauerin dort mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

„Ehrenamtlich Engagierte sind Vorbilder, Sinnstifter und Brückenbauer. Durch ihren öffentlichen Einsatz stärken sie den Zusammenhalt in unserem Gemeinwesen und sorgen mit ihrem Engagement dafür, dass aus dem Miteinander in unserer Gesellschaft kein Gegeneinander wird“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann während der Feierstunde im Neuen Schloss in Stuttgart. Zum Internationalen Tag des Ehrenamts hatte der Ministerpräsident am Samstag insgesamt 20 engagierte Bürger aus ganz Baden-Württemberg ausgezeichnet. Eine dieser Sinnstifter und Brückenbauer: Charlotte Mayenberger aus Bad-Buchau.

Mayenberger hatte schon vor vier Wochen von der Verleihung erfahren. Ihre Ratskollegen, weiß die Buchauerin, hätten sie für diese hohe Auszeichnung vorgeschlagen. Dass sie nun tatsächlich das Bundesverdienstkreuz von Ministerpräsident Kretschmann entgegennehmen konnte, sei aber keine Selbstverständlichkeit. Der Vergabe gehe eine genaue Überprüfung der möglichen Ordensträger voraus.

Für ihre Aufarbeitung der jüdischen Geschichte Buchaus und ihre Kontaktpflege zu den Nachkommen der Buchauer Juden ist die engagierte Heimathistorikerin schon vor drei Jahren mit dem Preis für Heimatgeschichte der Gesellschaft Oberschwaben ausgezeichnet worden. 2008 erhielt Mayenberger den Obermayer German Jewish History Award, eine Auszeichnung der Obermayer-Stiftung aus Massachusetts/USA. Mit dem Bundesverdienstkreuz soll aber auch Mayenbergers ehrenamtliches Engagement im Gesamten, auch ihre Tätigkeit im Gemeinderat gewürdigt werden, wie in der Laudatio zu hören war (siehe Kasten).

Mayenberger nahm zusammen mit ihrer Familie am Festakt in Stuttgart teil. Bürgermeister Peter Diesch hatte es sich trotz Hexenschuss nicht nehmen lassen, die engagierte Stadträtin zu begleiten. Und auch Landtagsabgeordneter Thomas Dörflinger verfolgte im Publikum die hohe Auszeichnung seiner Kreistagskollegin. „Das fand ich sehr nett“, freut sich Mayenberger. Ihr Eindruck vom Festakt: „sehr schön, sehr aufregend“.

Kretschmann selbst suchte mit allen Ordensträgern das Gespräch. „Sehr locker, nett, sympathisch“ nahm Mayenberger den Ministerpräsidenten bei diesem Anlass wahr, dem sie gleich die Grüße zweier Schulkameraden überbrachte. So habe sich „ein lockeres Schwätzle“ mit dem Landesvater aus Laiz ergeben.

Bereichernd empfand Mayenberger aber auch den Austausch mit den anderen Verdienstkreuzträgern. „Ein interessantes Spektrum“ an Ehrenamtlichen sei hier ausgezeichnet worden. Menschen, die „über eine lange Zeit hinweg auf ganz persönliche Weise und in ganz unterschiedlichen Bereichen Bürgersinn, Engagement und Empathie gezeigt“ haben, wie Kretschmann hervorhob.

Auch für Mayenberger sind Auszeichnungen wie das Bundesverdienstkreuz „immer auch ein Ansporn. Zum einen für einen selber, auch dann weiterzumachen, wenn man wieder mal vor einem riesen Hindernis steht. Zum anderen aber auch für andere, sich ehrenamtlich zu engagieren.“ Ehrenamtliche würden heute immer wichtiger, findet die Stadträtin, gerade weil Kommunen zunehmend von ihren Pflichtaufgaben ausgefüllt werden. „Klar, wegen einer Auszeichnung schafft niemand ehrenamtlich – aber sie ist ein Dankeschön.“

Die Laudatio:

Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Charlotte Mayenberger begründet das Staatsministerium Baden-Württemberg so: „Charlotte Mayenberger hat in nahezu 30 Jahren akribischer Recherche die Geschichte der Juden in Bad Buchau erforscht und den Schleier des Vergessens gelüftet. Charlotte Mayenberger ist es zu verdanken, dass der alte jüdische Friedhof heute wieder ein Ort des Erinnerns und Gedenkens ist. Der Friedhof war seit Ende des Zweiten Weltkrieges sich selbst überlassen und für die Öffentlichkeit gesperrt. Sofort nach der Wiedereröffnung 1990 begann Charlotte Mayenberger, die über 800 erhaltenen Gräber in Wort und Bild zu dokumentieren. Dank ihrer Nachforschungen entstanden Kontakte zu Angehörigen in aller Welt. Der von ihr erstellte ,Bad Buchauer Stammbaum’, der mehr als 8000 Namen miteinander verknüpft, ist eine enorme Hilfe für Nachfahren, die mehr über ihre Familie und ihre Herkunft wissen wollen. Bewegend sind Charlotte Mayenbergers Bücher über Moritz Vierfelder, der 1940 in die USA fliehen musste, oder über den Holocaust-Überlebenden Oskar Moos. Charlotte Mayenberger hat erreicht, dass der Gedenkraum ,Juden in Buchau’ eingerichtet wurde. Sie organisiert Ausstellungen, hält Vorträge, veröffentlicht CDs und bietet Führungen an. Auch versteht sie es besonders gut, junge Menschen in ihre Arbeit einzubinden. Charlotte Mayenberger findet daneben immer noch Zeit, sich in der Fraktion der Freien Wähler im Gemeinderat zu engagieren.“

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