Broschüre als Einstieg in die Archäologie

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Bei der Übergabe des neuen Museumsführers im Freigelände des Federseemuseums Ministerialrat Dr. Karl Burgmaier, der dessen 20-j
Bei der Übergabe des neuen Museumsführers im Freigelände des Federseemuseums Ministerialrat Dr. Karl Burgmaier, der dessen 20-jähriges Bestehen würdigte, Museumsleiter und Autor Dr. Ralf Baumeister und als Mitfinanziers Bürgermeister Peter Diesch für die Stadt Buchau und Landrat Dr. Heiko Schmid für den Landkreis Biberach. (Foto: Waltraud Wolf)
Waltraud Wolf

Der Führer zur neuen Dauerausstellung 2018 des Federseemuseums in Bad Buchau unter dem Titel „Von der Eis- zur Eisenzeit – Archäologie am oberschwäbischen Federsee“ von Ralf Baumeister hat 132 Seiten. Er ist reich bebildert und kostet 16,80 Euro. Bestellnummer: ISBN 978-3-00-059932-3.

„Von der Eis- zur Eisenzeit“ hat Ralf Baumeister den Museumsführer überschrieben, der Einblick gibt in die Archäologie am oberschwäbischen Federsee und die aktuelle Dauerausstellung im Federseemuseum Bad Buchau. Er führt den Besucher und Leser zu einer der bedeutendsten Fundlandschaften Oberschwabens. „Hier spiegelt sich eine lange Forschungsgeschichte wieder, die das Federseeried inzwischen zu einem Hotspot siedlungsarchäologischer Forschung in Europa gemacht hat“, betont er.

Die Broschüre ist ein reich und sehr hochwertig bebildertes Werk, wobei – auch von den ersten Grabungen - Fotos ergänzt werden um sehr ansprechende Grafiken, die Siedlungen und das Leben und Arbeiten der Vorfahren darstellen und Appetit auf einen Museumsbesuch machen. Ralf Baumeister, promovierter Archäologe der Ur- und Frühgeschichte und Leiter des Federseemuseums, wollte keine wissenschaftliche Abhandlung schreiben, sondern ein allgemein verständliches Werk als „Einstieg in die Archäologie“. Dies ist ihm gelungen.

Der Buchauer Altertumsverein als Keimzelle des Federseemuseums wird gewürdigt. 15 000 Jahre Leben am Federsee von der Eiszeit zur Eisenzeit werden in acht Kapiteln dargestellt, festgehalten auch in Fotos und Beschreibungen von Fundstellen. Ausführlich dokumentiert ist das Freigelände, das in den letzten 20 Jahren immer wieder erweitert wurde: „Prähistorie mit allem Drum und Dran“ vom Rentierlager an der Schussenquelle in der Altsteinzeit 15 000 Jahre vor Christus, bis zur Fischfanganlage vor rund 2700 Jahren. Berücksichtigung findet der archäologische Moorlehrpfad. Die Beschreibung des Museumsgebäudes lässt erkennen, dass es vor genau 50 Jahren gebaut wurde. Es steht unter Denkmalschutz.

Von 1875 bis heute

Der Museumsführer schildert die spannende Geschichte der Grabungen am Federsee von den Anfängen 1875 bis zu aktuellen Ergebnissen der archäologischen Forschungen des Landesamtes für Denkmalpflege und informiert darüber hinaus über den Gebrauch der Fundstücke in ihrer Zeit, seien es Feuersteingeräte von der Schussenquelle, Waffen aus Rentier-Geweih, Steinäxte aus der Jungsteinzeit, Tongefäße bis hin zum Fragment einer menschlichen Maske, Schmuck und Textilien, schließlich die ersten Räder. Aus der Bronzezeit sind als „wertvoller Besitz“ Lanzenspitzen, Dolch, Beilklingen und Schmucknadeln abgebildet, Opfergaben. Einbäume datiert Baumeister bis in die Jungsteinzeit zurück, wobei die Mehrzahl der Boote aus der Bronzezeit stammt.

Dank Grafiken wird die Besiedelung des Federseegebietes in den verschiedenen Epochen sehr anschaulich. In „Exkursen“ gibt es Hintergrundinformationen zu klimatischen Bedingungen, Werkzeugen, dem Alltag in den Pfahlbausiedlungen, landwirtschaflichtem Anbau, zum Textilhandwerk der Altvorderen, Transportmitteln, auch noch vor der Erfindung des Rades, zum Kupferabbau in den Alpen, Religion. Der „Wasserburg Buchau“ als „schwäbisches Troja“ ist ein Kapitel gewidmet, in dem Baumeister festhält, dass die in den 1920er Jahren flächig ausgegrabene Moorsiedlung bis heute eine der bedeutendsten spätbronzezeitlichen Fundstätten nördlich der Alpen ist. Dank ausgezeichneter Erhaltungsbedingungen und einer Vielzahl von Funden in einzigartiger Qualität suche die Wasserburg europaweit Ihresgleichen. Dennoch gebe sie bis heute immer noch Rätsel auf, so sei bis heute ihre Funktion nicht abschließend geklärt.

Eine Zeittafel schenkt im Kleinen den großen Überblick über die Ausgrabungen am Federsee und hilft bei der Einordnung der jeweiligen Siedlungen in der entsprechenden Kultur mit ihren Innovationen und Ereignissen. Dank der bedeutenden Forschungsergebnisse über die Moorsiedlungen am Federsee wurden 2011 vier Fundstätten nahe des Federsees von der Unesco zum Welterbe der „Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen“ ausgezeichnet. Auch das findet selbstverständlich Würdigung in der Broschüre des Federseemuseums, zumal sich das Zweigmuseum des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg als „ein exklusiv bestücktes Schaufenster ins Welterbe“ sieht.

Hingewiesen wird von Ralf Baumeister auf die „lebendige Geschichtsvermittlung im Federseemuseum“, die Teil hat, das Leben der Menschen in den früheren Jahrtausenden noch besser nachvollziehen zu können.

Herausgegeben vom Verein für Altertumskunde und Heimatpflege mit Federseemuseum e.V., wurde die Broschüre mitfinanziert vom Landkreis Biberach und der Stadt Bad Buchau.

Der Führer zur neuen Dauerausstellung 2018 des Federseemuseums in Bad Buchau unter dem Titel „Von der Eis- zur Eisenzeit – Archäologie am oberschwäbischen Federsee“ von Ralf Baumeister hat 132 Seiten. Er ist reich bebildert und kostet 16,80 Euro. Bestellnummer: ISBN 978-3-00-059932-3.

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