Auf Schwarz-Rot machen sich selbst die Narren keinen Reim

Lesedauer: 5 Min
Am 11.11. um punkt 11 Uhr 11 ging's los: Das Krautnudelessen war für die Buchauer Moorochsen Auftakt der kommenden Fasnet und Au (Foto: Klaus Weiss)
Schwäbische Zeitung
Klaus Weiss

Mit dem Krautnudelnessen hat auch in Bad Buchau am 11. 11. exakt um 11 Uhr 11 die fünfte Jahreszeit begonnen. Die Narrenzunft Moorochs hatte zum Fasnetsauftakt ins Kurzentrum geladen und vielen Gästen, darunter auch einige „Promis“, aber auch Freunden und Gönnern der Zunft einige närrische Stunden geboten.

Mit Büttel und Zunfträten eröffnete Zunftmeister Uwe Vogelgesang pünktlich um 11 Uhr 11 die Fasnet in Bad Buchau. Zwar beginnt die Fasnet genau genommen erst an Dreikönig, aber die Gäste aus Nah und Fern waren der Meinung, dass man die Feste feiern müsse wie sie fallen. Und das Krautnudelessen verkürzt so immerhin die Wartezeit bis Dreikönig.

Michael Wissussek stimmte dazu gleich den von ihm komponierten Jubiläumsmarsch an, denn der 11.11. sollte zugleich der Abschluss der 50-Jahrfeier der Narrenzunft Moorochs sein. In bunten Reimen hielt Zunftbüttel Jürgen Rist Rückschau auf das Jubiläum der Zunft.

Bürgermeister Peter Diesch eröffnete den Reigen der „Büttenreden“ und stellte in schwäbischen Reimen den typischen Narren vor: Sobald der die Maske aufsetze, seien die Alltagssorgen vergessen – und er nicht mehr derselbe Simpel, der er vorher war. Er sei dann Moorochs, Schelm oder Dreiviertelnarr. Dazu bedürfe es keiner Bürokratie. Eine klare Absage erteilte er den Plänen, die Fasnet unter Unesco-Schutz zu stellen.

„Heiko der Große" – gemeint war da Landrat Heiko Schmid – griff gleichfalls das Thema Unesco auf. Allerdings nicht in Bezug auf die Fasnet, sondern auf die prähistorischen Pfahlbauten. Doch eigentlich schlummerten die Funde in der Erde. Und wenn nach der Wiedervernässung des Federseerieds die Karpfen über dem Unesco-Welterbe schwimme, sehe man auch nichts mehr davon. Schmids Ratschlag: schnell alles kopieren und nachbauen – und dann als echte Fundstücke präsentieren.

Mit den beiden Bundestagsabgeordneten Josef Rief (CDU) und Martin Gerster (SPD) wurde das Krautnudelnessen hochpolitisch. Mit heiserer Stimme stellte Rief unter anderem fest, dass die Koalition wie eine Hochzeit sei – allerdings werde man dabei mit jemandem vermählt, den man eigentlich gar nicht wolle. Bei Riefs schwarz-roten Regenschirm waren zumindest die schwarzen Felder in der Überzahl. Gerster dagegen reimte, dass er sich auf Schwarz-Rot gar keinen Reim machen könne.

Nach so viel Politik waren die trockenen Witze von Gerhard Fetscher, Vize der Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte, eine kurzweilige Abwechslung, bevor der Hausherr des Gesundheitsbads Buchau einige markante Sprüche über das Gesundheitswesen zum Besten gab. Wasser, mäßig genossen, sei unschädlich und ein bisschen krank sein könne manchmal durchaus gesund sein – zumindest für das Haus selbst, stellte Walter Hummler spitzfindig fest. Und die gesündeste Turnübung sei ohnehin das rechtzeitige Aufstehen vom Esstisch.

Wohl zum letzten Mal war eine Abordnung der Bundeswehr aus Mengen dabei. Die Oberstabsfeldwebel Ulrich Röschner und Marhoffer, beide im "Wohlfühlanzug", also dem Kampfanzug ohne Krawatte, überbrachten zum Abschied ein Wappen. Wenn demnächst der Standort Mengen geschlossen wird, werden beide in Ruhestand gehen. Der Heudorfer Röschner werde dann wohl als „Schelm“ wieder zum Krautnudelnessen kommen.

Fasnetsurgestein Klaus Günther hatte als Sprecher des Altertumsvereins noch einige Tipps für die Archäologen in Bad Buchau zur Hand. Mindestens zwei Jahrhunderte Buchauer Geschichte könnten im Fußballstadion ausfindig gemacht werden: Unter dem grünen Rasen befindet sich die frühere Müllhalde der Stadt, eine reiche Fundgrube. Rechtzeitig zu den begehrten Krautnudeln, stimmten die Gäste das Moorochsenlied an, zu dem alles schunkelte und mit klatschte. Die Narren bedankten sich zudem bei Ulrich Blöß und seiner Ehefrau die für die Bewirtung im Kurzentrum, bei denen die Zunft sich der Unterstützung sicher sein kann.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen