Wie Pater Tönnis seinen zweiten Lebensabschnitt feiert

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Immer wieder ist Pater Alfred Tönnis im Libanon und in Syrien unterwegs um den Geflüchteten auch vor Ort zu helfen.
Immer wieder ist Pater Alfred Tönnis im Libanon und in Syrien unterwegs um den Geflüchteten auch vor Ort zu helfen. (Foto: Privat)

Alfred Tönnis sagt, er feiere nicht seinen Geburtstag, sondern seinen zweiten Lebensabschnitt. Seine schwere Krebserkrankung hat er besiegt – an diesem Donnerstag wird der frühere Pfarrer von Mittelbiberach und Schemmerhofen 60 Jahre alt. Konkrete Pläne für seine nächsten Lebensabschnitte hat der bekannte Pater aus Oggelsbeuren bereits. Die könnten ihn schon bald in eine Krisenregion führen.

Eine Zeitlang zweifelte Tönnis an seinem Glauben. Als seine tief fromme Adoptivmutter an Krebs starb, war Alfred 18 Jahre alt. „An einen barmherzigen Gott zu glauben und zu sehen, wie die Mutter so grausam stirbt, war eine Diskrepanz, die ich kaum verkraften konnte“, erzählt Tönnis. Doch er schöpfte neue Kraft und besann sich wieder auf seinen Glauben. „Ich habe zum Beispiel in einer Predigt gehört, dass man auch mal an seinem Glauben zweifeln darf.“

Eine Schnupperwoche in einen Kloster in Neuss weckte sein Interesse am Ordensleben und Tönnis wurde Priester. Für Aufsehen in der Region sorgte er, als er drei Jahre lang mit einem „Kloster auf Rädern“ durch Deutschland fuhr und dabei auch in Biberach Halt machte. 1995 wurde ihm die Stelle als Pfarrer für Mittelbiberach und Stafflangen angeboten und Tönnis sagte zu. Zehn Jahre lang blieb er in Mittelbiberach, danach weitere elf Jahre in Schemmerhofen, bis er vor fünf Jahren selbst an Krebs erkrankte. „Die Ärzte hatten mich bereits aufgeben“, sagt Tönnis heute. Damals habe er sich gefragt: „Soll das jetzt alles zu Ende sein?“ Nach einer geglückten Operation aber fasste er Lebensmut und wollte fortan ausschließlich als Seelsorger tätig sein.

2014 wurde die „Stiftung Heimat geben“ in Oggelsbeuren ins Leben gerufen und als Initiator verschaffte sich Tönnis schon bald ein Ansehen, das ihn deutschlandweit bekannt machte. In Oggelsbeuren brachte der Pater das scheinbare Kunststück fertig, zeitweise bis zu 75 Asylsuchende aufzunehmen, ohne dass es zu Spannungen im Ort kam. Im Gegenteil: Die Unterkunft wurde mit breiter Unterstützung zu einer Anschlussunterbringung, auch für die umliegenden Gemeinden.

Für seine teils unkonventionellen Pläne hat Tönnis nicht immer Zustimmung erhalten. Als Querdenker wollte er ein Traumazentrum einrichten, doch fand dafür keine politische Unterstützung. Tönnis sagt von sich selbst, er sei „kein Gutmensch“, sondern ein „ganz nüchterner Typ“. In der aktuellen Flüchtlingspolitik spricht er sich für schnellere Abschiebungen für Menschen aus, die kriminell geworden sind. „Sonst fördern wir nur das Misstrauen gegenüber Flüchtlingen.“ Gleichzeitig aber müssten integrationswillige Menschen auch eine echte Chance erhalten. „Wenn die Menschen bereits einige Jahre in Deutschland arbeiten, aber nicht wissen, ob sie bleiben dürfen, dann ist das einfach grausam.“

Seinen heutigen Geburtstag will Pater Alfred mit den Menschen verbringen, die ihm wichtig sind. Nach der Moderation einer Radiosendung, macht er sich mittags auf zu einer psychisch kranken Patientin nach Bad Schussenried, will später einen Flüchtling im Untersuchungsgefängnis in Ravensburg besuchen und dann abends mit den Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft in Oggelsbeuren feiern. Am Samstag, 16. März, steht dann ein Festgottesdienst mit geladenen Gästen in der Pfarrkirche in Oggelsbeuren auf dem Programm.

Zukunft in Syrien geplant

Wenn die Festlichkeiten abgeschlossen sind, blickt Tönnis weiter nach vorne. Ende 2020 laufen die Verträge mit den Gemeinden im Kreis Biberach aus, die Flüchtlinge in Oggelsbeuren untergebracht haben. Tönnis träumt bereits von einem neuen Projekt. Er will für längere Zeit nach Syrien gehen und ein Krankenhaus mit einer Schule und einem Kloster mit aufbauen. Bis Ende des Jahres soll das genaue Konzept dafür stehen. Wenn Pater Alfred Tönnis davon erzählt, strahlt die Lebensfreude aus ihm. Er habe schwere Zeiten im Leben durchgestanden, meint er dann und fügt hinzu: „Aber ich denke, Gott will mich noch nicht im Himmel haben, weil ich dort wohl zu viel Unruhe stiften würde.“

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