Pater Alfred Tönnis leistet seit Jahren Hilfe – Was er dieses Mal mit den Spenden finanzieren möchte

Zahlreiche Waisenkind aus Homs sind im Januar zusammengekommen und freuten sich über ihre neuen Jacken.
Zahlreiche Waisenkind aus Homs sind im Januar zusammengekommen und freuten sich über ihre neuen Jacken. (Foto: Fotos: Privat)
Redakteur

Seit vielen Jahren schon engagiert sich Pater Alfred Tönnis von der Stiftung „Heimat Geben“ in Syrien und im Libanon. Noch im Januar dieses Jahres war er dort zu Besuch. Die Corona-Pandemie hat vieles verändert, doch die Sorgen und Probleme der Menschen bleiben. Pater Alfred aber hat große Pläne, für die er Unterstützung benötigt.

Wie dringend die Menschen in Syrien Hilfe benötigen, hat Pater Alfred schon oft gesehen. Besonders eindrücklich aber bei seiner vergangenen Reise im Januar. Damals verteilte er Spendengelder und überprüfte, ob die Hilfe wirklich ankommt. „Wir sehen das vor Ort mit eigenen Augen“, betont er. Alle Spenden würden vollständig an die Bedürftigen fließen. „Davon werden keine Fahrt- oder Verwaltungskosten bezahlt.“

Jacken für Waisenkinder

Das Geld kommt den Ärmsten zugute. So kaufte der Oggelsbeurer Pater zum Beispiel in der syrischen Stadt Hama 200 warme Jacken in einer Näherei, in der überwiegend Frauen mit und ohne Behinderung arbeiten. Das besondere an dem inklusiven Projekt ist, dass Christen und Muslime zusammenarbeiten. Die Jacken schenkte er dann den Waisenkindern in Homs. Bei einem Treffen kamen mehr als 180 Waisenkinder zusammen. „Da waren Kinder mit und ohne Behinderung und Christen und Muslime aus verschiedenen Waisenhäusern“, erzählt Pater Alfred. Diese Zahl der Waisen in der vom Krieg zerstörten Stadt sei extrem groß.

Der Pater besuchte auf seiner Reise aber auch mehrere Patienten, denen er mit Spenden lebensrettende Operationen oder eine Dialyse finanzieren konnte. Viele der Behandlungen sollen in Zukunft in einem Krankenhaus stattfinden, so der Plan des Paters. Dafür soll ein ehemaliges Gebäude saniert werden. Geplant ist, dass bereits im März des kommenden Jahres wieder eine Reise nach Syrien stattfindet, bei der ein Bauingenieur den Pater begleitet.

Fördergelder und Spenden

„Wir wollen uns gemeinsam vor Ort die Substanz des Gebäudes anschauen und hoffen dann, dass der Wiederaufbau langsam in Gang kommt“, erklärt Pater Alfred. Für das Projekt werbe er auch um Fördergelder vom Bund in Berlin. Die Spenden seien aber weiterhin wichtig.

Mit den Spendengeldern, die in diesem Jahr zusammenkommen, sollen aber zunächst Projekte unterstützt werden, die bereits laufen. Pater Alfred betont, dass er die Spenden nicht anlegen, sondern direkt für die Hilfe einsetzen möchte. Daher soll das Geld zunächst an das Frauenprojekt in Hama fließen. „Die sind in großen finanziellen Schwierigkeiten“, erklärt er. Seit 2018 gibt es keine Unterstützung von den Vereinten Nationen mehr. Wegen der Wechselkursschwankungen sei es zudem sehr schwer, wirtschaftlich zu arbeiten. Dennoch sei es wichtig, den Frauen auch in Zukunft diese Arbeit zu ermöglichen und die Kleidung dann vor Ort zu verteilen.

Fluchtursachen bekämpfen

Pater Alfred hat auch in der Flüchtlingsunterkunft in Oggelsbeuren zahlreiche Geflüchtete untergebracht. Doch er glaubt, dass es mindestens genauso wichtig sei, bereits die Fluchtursachen zu bekämpfen, um den Menschen vor Ort ein angenehmeres Leben zu ermöglichen.

Erschwerend zu der weiterhin instabilen Lage ist nun die Pandemie dazugekommen. „Corona ist leider sehr verbreitet in Syrien. Aber es gibt keine verlässlichen Zahlen, wie viele Menschen tatsächlich erkrankt sind“, sagt er. „Viele Menschen sterben zu Hause, es wird nur sehr wenig getestet.“

Reise nach Syrien

Doch bei aller Hoffnungslosigkeit habe er in Syrien doch auch freudige Momente erlebt, erzählt Pater Alfred. Besonders seien ihm die Reaktionen der Menschen in Erinnerung geblieben, denen er mit den Spendengeldern helfen konnte. „Das war schön, diese glücklichen Gesichter zu sehen und zu spüren, wie sich die Menschen freuen.“

Ob er im März tatsächlich schon wieder nach Syrien reisen kann oder sich noch gedulden muss, weiß Pater Alfred noch nicht. Doch auch dieses Mal sei klar für ihn, dass er die Spenden persönlich verteilen wolle. Um den Menschen und vor allem den Kindern wieder etwas Hoffnung zu schenken.

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