Geschichten, die Hoffnung spenden

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 Rabbiner Ruven Bar Ephraim, Annemieke Cantor und Nuno Miranda (von links) gestalteten den Tag der jüdischen Kultur in Attenweil
Rabbiner Ruven Bar Ephraim, Annemieke Cantor und Nuno Miranda (von links) gestalteten den Tag der jüdischen Kultur in Attenweiler mit. (Foto: Judith Ezerex)
Judith Ezerex

Die Ausstellung mit Zeichnungen, Malerei und Skulpturen von Samuel Fischer-Glaser aus München und Marlis und Joshua Glaser aus Attenweiler ist vom 2. bis 23. September von Donnerstag bis Sonntag von 15 bis 19 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 07357/2438 oder

www.marlis-glaser.de zu

besichtigen. Eine Einzelausstellung mit „Neuen Arbeiten von 2013- 2018“ bereitet die Künstlerin in Schloss Mochental vor. Ausstellungseröffnung ist am 16. September um elf Uhr.

Der Andrang war groß in der Ausstellungshalle in Attenweiler. Von Attenweiler selbst waren Interessierte zum Europäischen Tag der Jüdischen Kultur (ETJK) gekommen, doch die meisten hatten einen längeren Weg auf sich genommen, um die neuen Werke von Marlis Glaser und ihren Söhnen Samuel Fischer-Glaser und Joshua Glaser zu sehen. Aber auch um sich mitnehmen zu lassen in die jüdische Kultur, die dieses Jahr unter dem Thema „Storytelling“ steht.

Das Geschichtenerzählen, so Brunhilde Raiser vom Evangelischen Bildungswerk Oberschwaben habe zwar eine lange Tradition, aber manchmal auch einen Beigeschmack: „Ach, erzähl mir doch keine Geschichte.“ Damit werde „Geschichten“ ein Hauch von Fantasie und Unwahrheit unterstellt. So sei Storytelling in der Werbung Mittel zum Zweck und diene vor allem der Vermarktung der Produkte. Andererseits seien Geschichten als mündliche Überlieferung uralten Kulturgutes eine anerkannte Tradition mit bildungserzieherischem Wert und bei den jüngeren Generationen ein positiv besetztes Ritual. Raiser empfahl: „Erzählen Sie sich selbst mal ihre Geschichte“, denn im Erzählen und Zuhören lerne man das eigene Leben besser zu verstehen.

Ein Punkt, den auch Rabbiner Ruven bar Ephraim aus Zürich aufgriff. Zum Verständnis der Thora gebe es viele Bücher, so der Rabbiner. Das bunteste und vielfältigste Buch sei das Midrasch-Buch, das ethische und moralische Werte erkläre. Die Legenden dieses Buches zeigten, dass die Geschichte oft wichtiger sei, als das Ritual: „Unsere Thora beginnt mit Geschichten. Wären da nicht die Geschichten, hätten wir keine Grundlage für die daraus folgenden Gesetze“, sagte der Rabbiner und ergänzte: „Solange Geschichten erzählt werden, bleibt Hoffnung in dieser Welt.“

Storytelling funktioniert auch mit Musik. Die Sängerin Annemieke Kantor und Nuno Miranda an der Laute erzählten Romanzen, erfundene Geschichten mit existierenden Personen aus Spanien, Portugal und Italien aus vergangenen Jahrhunderten. Marlis Glaser erzählte Geschichten anhand der ausgestellten Werke, die miteinander in Beziehung stehen. So ende ein Stein, der geworfen wurde, um zu töten, nicht mit dem Wurf und dem Ergebnis. Es geschehe etwas mit dem Werfenden, über die reine Handlung hinaus, das dieser nie wieder los werde. Jeder Stein erinnere ihn an die Tat, sei für den Werfenden unauslöschbar mit dem Ereignis, der Geschichte verbunden.

Eine Biene für den Umweltschutz

Charlie Chaplins Geschichte hingegen beruht auf dem Gerücht, er sei ein Jude gewesen. Eine Geschichte, die Samuel Fischer-Glaser zu einem Prosatext und zwei Zeichnungen inspirierte.

Die Biene, Leitthema der Ausstellung in Attenweiler, zeigte sich als hölzerne Skulptur von Joshua Glaser, als Gemälde des Kunstschülers Sedan, in Texten aus der Midrasch oder in Tusche gemalt. Sie stehe für einen Respekt vor Tieren, politisch, ethisch, sozial und für einen Umweltschutz, der Wildbienen ihre Lebensmöglichkeit erhalte.

Die Ausstellung mit Zeichnungen, Malerei und Skulpturen von Samuel Fischer-Glaser aus München und Marlis und Joshua Glaser aus Attenweiler ist vom 2. bis 23. September von Donnerstag bis Sonntag von 15 bis 19 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 07357/2438 oder

www.marlis-glaser.de zu

besichtigen. Eine Einzelausstellung mit „Neuen Arbeiten von 2013- 2018“ bereitet die Künstlerin in Schloss Mochental vor. Ausstellungseröffnung ist am 16. September um elf Uhr.

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