Galerie in Attenweiler zeigt Kunstwerke innovativer Juden

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Die Attenweilerin Marlis Glaser präsentierte in ihrer Ausstellungshalle wieder zahlreiche Kunstwerke zum ETJK.
Die Attenweilerin Marlis Glaser präsentierte in ihrer Ausstellungshalle wieder zahlreiche Kunstwerke zum ETJK. (Foto: Judith Ezerex)
Judith Ezerex

Zum 20. Mal wurde der Europäische Tag der Jüdischen Kultur (ETJK) in ganz Europa gefeiert, in Attenweiler immerhin schon zum elften Mal. Der Tag will dazu beitragen, das europäische Judentum, seine Geschichte, seine Traditionen und Bräuche besser bekannt zu machen und stand dieses Jahr unter dem Motto Innovation. Dazu waren Ausstellungsstücke in der Galerie von Marlis Glaser zu sehen.

Die sich ständig erneuernde Landschaft, in der die Gemeinde Attenweiler gelegen ist, spiegele das Motto wieder, erklärt Attenweilers Bürgermeister Monika Brobeil. Für Innovation schlechthin stehe für sie jedoch der weltweit berühmteste Wissenschaftler Albert Einstein, der die Gäste gleich am Eingang der Ausstellungshalle in einer Porträtzeichnung begrüßt. Schließlich war er stets auf der Suche nach neuen Ideen und Entdeckungen.

Nicht nur in der Vergangenheit auch heute noch leisteten Menschen jüdischen Glaubens einen enormen Beitrag für Innovationen in unserer Gesellschaft, stellte Eva Militz, stellvertretende Vorsitzende des Evangelischen Bildungswerks Oberschwaben in ihrem Grußwort dar. So wies auch Steffen Lutz von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft auf Erfindungen wie den USB-Stick oder das Bewässerungssystem in Israel hin. Neben der eher wirtschaftlichen Perspektive, die auf Erfolg und Marktdurchdringung ausgerichtet sei, empfahl Militz, den Blick zu weiten auf Neuerungen aus Vergangenheit und Gegenwart in der jüdischen Kultur.

Feier statt Friedhöfe

Beim Blick in das Programm zum ETJK in Baden Württemberg falle auf, so die Veranstalterin Marlis Glaser, dass fast die Hälfte aller Veranstaltungsorte Friedhöfe, Gedenkstätten oder Stolpersteine seien. Zeugnis der jüdischen Gemeinde, die hier vor dem Holocaust existiert habe. In Attenweiler seien sie immer schon einen anderen Weg der Erinnerungskultur gegangen: Keine historische Stätte, sondern eine Feier in der Ausstellungshalle mit Vorträgen, Musik und den Werken von Marlis Glaser, ihren Söhnen und befreundeter bildender Künstler passend zum jeweiligen Motto. Der Einladung sind in diesem Jahr neben Rabbiner Tom Kuera und dem Kantor Nikola David auch die international bekannte Industriedesignerin und freischaffende Künstlerin Marlies Poss gefolgt.

Ihre Interpretation des Mottos Innovation basiert auf einem Zeitungsartikel, der beschrieb, dass japanische Wissenschaftler Mischwesen kreieren wollen, sogenannte Schimären, um Organe für Transplantationen zu gewinnen. Sie stellt sich die Frage, inwieweit dies religiös und ethisch vertretbar sei und wo uns das hinführe. Ihr Werk „Schimären“ zeigt diese Auswüchse der modernen Wissenschaft. „Auf den Hund gekommen“ ist aus Masken hergestellt, die bei der Krebstherapie verwendet wurden. Die einzelnen Masken hat die Industriedesignerin zu einer Skulptur zusammengefügt.

Eine sich ändernde, sich entwickelnde Zivilisation sei das Judentum, habe Rabbiner Mordechai Kaplan im vergangenen Jahrhundert festgestellt. Somit stehe es für ständige Innovation und dafür, so Rabbiner Tom Kuera, im Talmud die Tora so auszulegen, dass der Mensch damit emotional und rational leben könne. Innovationen gebe es nicht nur in der Auslegung der Tora, sondern auch durch die Menschen jüdischen Glaubens, die wie die beiden Nobelpreisträger Hans Adolf Krebs und Gerty Theresa Cori Kreisläufe in der Natur und im menschlichen Körper entdeckt haben. Und die das Verständnis in Medizin und Naturwissenschaften nachhaltig verändert haben und so bis heute wirken. Zudem war Gerty Cori die erste amerikanische Nobelpreisträgerin. Ein Porträt von der schon in jungen Jahren verstorbenen Frau in zarten empfindsamen Farben vervollständigt die Galerie der innovativen Menschen von Marlis Glaser.

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