Musikverein Aßmannshardt bietet nuancenreiche Klangkultur

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Der Musikverein überzeugte mit technischem Können und Spielfreude.
Der Musikverein überzeugte mit technischem Können und Spielfreude. (Foto: Philipp Zell)
Schwäbische Zeitung

Ein gelungenes, facettenreiches Frühjahrskonzert haben die zahlreichen Besucher beim Musikverein Aßmannshardt erlebt. Sowohl die Jugendkapelle als auch der Musikverein überzeugten mit engagiertem Musizieren und nuancenreicher Klangkultur.

Die Jugendkapelle begrüßte das Publikum mit „Eire“ von Maike Biffar, einem kleinen Tongemälde über Irland, in dem sowohl die Schönheit des Landes als auch die folkloristischen Klänge zu hören waren. Im folgenden Werk „Air for Band“ von Frank Erickson überzeugten besonders die Klarinetten mit ihrer lyrischen Melodieführung, die erstaunlich reif ausgeführt wurde. Mit diesen beiden Werken erspielten sich die jungen Musiker im März ein „Hervorragend“ beim Wertungsspiel in Baltringen. Mit einem schwungvollen Marsch, „Blond and Swedish“ von Luigi di Ghisallo, und einer Zugabe verabschiedete sich die Jugendkapelle und machte Platz für den Musikverein.

„Finlandia“, die heimliche finnische Nationalhymne, war der monumentale Auftakt zu einem hochkarätigen Programm. Mit dem Wechsel zwischen Pathos und lyrischen Passagen konnte der Musikverein bereits beim ersten Stück seine sensible Interpretationsfähigkeit unter Beweis stellen. Mit der „First Suite in Es“, einem Klassiker für Blasorchester, nahm der Musikverein das Publikum mit in die Klangwelt des englischen Komponisten Gustav Holst. In den drei Sätzen können die Bläser von lyrischen Linien bis zum raffiniert gesetzten Marsch ihr Können zeigen, was der Musikverein souverän meisterte.

Das „Symphonic Requiem“ von Thomas Trachsel gehört sicherlich weniger in die Kategorie der unterhaltenden Blasmusik. Trachsel, ein Bewunderer des renommierten Blasorchesterkomponisten Paul Huber, schrieb diesem ein Requiem, ein beeindruckendes Werk, in dem er den Komponisten und dessen Schaffen würdigte. Ein Werk, das in seiner Interpretation des Musikvereins unter die Haut ging: Nach dem letzten Ton herrschte ergriffene Stille im Publikum.

Nach der Pause ging es weiter in die Welt der griechischen Götter mit einer gar nicht göttlichen Geschichte: „Dionysos“ (von Thomas Doss) verlässt den Olymp, spricht dem Wein zu, verliebt sich in eine Maid, gerät in Streit mit deren Verlobtem und kehrt reumütig an den Olymp zurück. Alle diese Stationen wurden sehr bildhaft komponiert und spielfreudig interpretiert und so hörte man den betrunkenen Dionysos besonders durch die Posaunen torkeln. John Williams schrieb die Musik zu dem Kinohit „Jurassic Park“. In Teilen unheimlich, aber auch mit melodiösen Passagen, verhalf er der vergessenen Welt der Dinosaurier zu neuem Leben. Mit technischem Können und Spielfreude überzeugte der Musikverein auch bei der dreisätzigen „Suite On Russian Dances“ von Terry Kenny. Sowohl in den hohen als auch in den tiefen Registern war Fingerfertigkeit gefragt und die Energie des Stücks mit seinen Accelerandi sprang auf die Zuhörer über. Auch in Philip Sparks „Jubiloso“, einem modernen Konzertmarsch, war dem Orchester die Spielfreude anzumerken.

Mit Schwung beendeten die Musiker ein beeindruckendes Konzert, das von einem begeisterten Publikum mit anhaltendem Applaus belohnt wurde. Nach zwei Zugaben, der „Polka Italienne“ von Sergej Rachmaninov und dem „Mars der Medici“ von Johan Wichers, endete ein gelungener Konzertabend.

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