Glockenturm der St. Michael-Kirche in Aßmannshardt wird saniert

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Der Kirchturm in Aßmannshardt wurde 1888 erbaut und ist etwa 50 Meter hoch. Jetzt muss ein Großteil davon saniert werden.
Der Kirchturm in Aßmannshardt wurde 1888 erbaut und ist etwa 50 Meter hoch. Jetzt muss ein Großteil davon saniert werden. (Foto: Fotos: Andreas Spengler)

Wenn in Aßmannshardt Gottesdienst gefeiert wird, die Gläubigen andächtig in den Kirchenbänken sitzen, schwingen über ihnen manchmal Glocken mit dem Gewicht von sechs Elefanten. Und jeder Schwung, jeder Laut überträgt sich auf den backsteinernen Kirchturm, der in Bewegung gerät wie bei einem Erdbeben. Die knarzigen Holzstufen vibrieren und manchmal brechen gar Ziegelteile aus der Wand. „Der Turm darf sich bewegen“, sagt Pius Locher zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderats. „Aber an manchen Stellen ist das Mauerwerk sehr massiv ausgebrochen. Da müssen wir jetzt was tun.“

Gefahr bestehe keine, nicht im Turm der Kirche St. Michael und schon gar nicht im Kirchenschiff. Doch die letzte Sanierung im Innenbereich liegt 30 Jahre zurück. Ein Glockensachverständiger war nun bei einer Bauschau vor Ort und hat der Kirchengemeinde einen Maßnahmenkatalog für die kommende Zeit vorgelegt.

Pius Locher steigt die schmale Treppe nach oben, knapp bis unter die Glocken. Dort hebt er einen Ziegelstein auf, der hier eigentlich nicht liegen sollte. „Wir haben ein Problem mit der Feuchtigkeit“, sagt er. Auf Dauer weiche die Feuchtigkeit die Ziegel auf, das kann in Glockenstuben „zu erheblichen Schäden führen“, heißt es im Untersuchungsbericht der Diözese. Ein weiterer Grund für die ausgebrochenen Ziegel könnten die Schwingungen des Turms sein, die offenbar größer sind als bei vergleichbaren Türmen. Um rund 20 Zentimeter bewegt sich die Kirchturmspitze beim Läuten der vier Glocken.

Was tun? Der Maßnahmenkatalog ist lang. Zunächst soll die Statik des Turms überprüft, die Schwingungen gemessen und das Mauerwerk untersucht werden.

Regelmäßig kriechen zudem Nässe, Regen und Schnee durch die Fenster. Dagegen soll ein feinmaschiges Drahtnetz helfen. Würde man die Fenster zumauern, wäre das gefährlich: Der Schall könnte gar den ganzen Turm zum Einsturz bringen, glaubt Locher. Ein Netz aber würde den Schall hinauslassen, die Nässe aber abblocken. Später könnten dann auch noch Kippläden angebracht werden.

Der Glockensachverständiger Roman Schmidt empfiehlt zudem, die Joche auszutauschen, an denen die Glocken befestigt sind. Bislang sind diese aus Stahl, hölzerne Joche würden nicht nur den Klang verbessern, sondern auch den Turm schonen. Auch die bestehenden Maschinen für den Antrieb der Glocken seien nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Technik.

Bürger spendeten vor 70 Jahren

Trotz aller technischen Details – vieles in dem Bericht des Sachverständigen ist noch wage. Die genauen Kosten, sowie die einzelnen Maßnahmen stehen noch nicht fest, solange die Untersuchungen nicht abgeschlossen sind. Der Kirchengemeinderat will danach auch die übrigen Schritte angehen. „Wir entscheiden über die Maßnahmen“, sagt Locher. Die Finanzierung könnte dann auch über Kredite der Diözese Rottenburg-Stuttgart erfolgen, die für solche Fälle einen „Hilfsfonds“ eingerichtet hat. Weitere Zuschüsse und Spenden sind möglich.

Noch heute weiß Locher aus Schriften, wie groß die Spendenbereitschaft der Aßmannshardter vor knapp 70 Jahren war. Weil die alten Glocken im zweiten Weltkrieg für Kriegsgeräte geschmolzen worden waren, mussten neue besorgt werden. Der Pfarrer habe damals Spendenzettel an die Gemeinden verteilt und nach kurzer Zeit hatte er die Summe beisammen. „Manche Großbauern haben bis zu 1000 Euro gespendet“, erzählt Locher. Die letzte Sanierung der St. Michaels-Kirche fand dann 2013 statt. Damals wurde die Kirche von außen renoviert für rund 900 000 Euro.

Diesmal soll es deutlich günstiger werden, ist Locher überzeugt. Bis September sollen die Details zu den Untersuchungen vorliegen. Pius Locher und der Kirchengemeinderat hoffen, dass die Arbeiten noch in diesem Jahr beginnen. In einer Mitteilung hat der Rat die Bürger bereits vorgewarnt: „Seien Sie bitte nicht überrascht, wenn in nächster Zukunft immer mal wieder die Glocken zu ungewöhnlichen Zeiten läuten.“ Dann können die Bürger ganz beruhigt sein, der Kirchturm wird bis zu 20 Zentimeter schwanken – aber alles unter den Augen der Statiker und Architekten. Und manch ein Bürger erinnert sich noch, was auf den Glocken steht:: „Gespendet von den Bürgern der Gemeinde Aßmannshardt.“

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