„Dorfladen des Jahres“ kommt aus Aßmannshardt

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Im Dorfladen von Aßmannshardt ist immer viel los. (Foto: Privat)
Schwäbische Zeitung

Die Tafel mit dem Titel hängt bereits vor der Tür: Der Aßmannshardter Dorfladen darf sich nun „Dorfladen des Jahres“ nennen. Das bürgerschaftlich getragene kleine Nahversorgungsgeschäft hat die Auszeichnung in der Kategorie „Kleine Dorfläden“ auf der Messe „Grüne Woche“ in Berlin erhalten.

Den Preis „Dorfladen des Jahres“ vergibt die Bundesvereinigung multifunktionaler Dorfläden, ein Zusammenschluss von 70 Dorfläden aus acht Bundesländern, auf der „Grünen Woche“. Seit 2013 wird die Auszeichnung verliehen, die Aßmannshardter hatten sich bereits zweimal ohne Erfolg beworben. „Gegen die großen Geschäfte mit 250 Quadratmetern Verkaufsfläche in größeren Dörfern hatten wir mit unseren 60 Quadratmetern keine Chance“, berichtet der ehrenamtliche Geschäftsführer des Aßmannshardter Ladens, Frank Sauter. „Mit denen konnten wir nicht konkurrieren.“

Dass man große mit kleinen Läden nicht vergleichen kann, sah auch die Jury und bildete in diesem Jahr zwei Kategorien. Und prompt holten die Aßmannshardter den Titel bei den „Kleinen Dorfläden/kleinen Dörfern“. Frank Sauter war zur Preisverleihung auf der „Grünen Woche“ in Berlin. Auf der Bühne beantwortete er Fragen von NDR-Moderatorin Heike Götz zum Aßmannshardter Dorfladen. „Ich finde es wichtig, unseren Ort durch eine Einkaufsmöglichkeit für alle Mitbürger lebenswert zu erhalten und sehe den bürgerschaftlich organisierten Laden als letzte Möglichkeit, hier eine Einkaufsmöglichkeit aufrecht zu erhalten”, erläuterte Sauter dem Publikum.

Kinder erzählen vom Dorfladen

Zur Preisübergabe mit den Vorstandsmitgliedern der Bundesvereinigung wurden auch Sauters Ehefrau Jennifer, die als Verkäuferin im Laden arbeitet, und die drei Kinder mit auf die Bühne gebeten. Die Kinder erzählten, was sie selbst im Laden einkaufen und zeigten so, was Nahversorgungsgeschäfte für die kleinen Dorfbewohner bedeuten.

Die Auszeichnung „Dorfladen des Jahres“ ist nicht mit Geld oder Sachpreisen dotiert, sondern ein Ehrentitel. Der Preis bedeute zum einen eine Anerkennung der teils ehrenamtlichen Arbeit, sagt Sauter. Zum anderen zeige die Auszeichnung, dass man in Aßmannshardt mit dem Konzept der Nahversorgung auf dem richtigen Weg sei. Der Preis mache deutlich, dass es gut und notwendig sei, solche Dorfläden zu betreiben. Sauter hofft, dass die öffentliche Verleihung auf der Messebühne in Berlin auch Bürger in anderen unterversorgten Orten ermutigt, Dorfläden zu gründen. „Die Publicity drumherum kann dazu beitragen, diese bürgergetragene Idee der Nahversorgung und den sozialen Aspekt solcher Orte als Treffpunkt im ländlichen Raum weiter bekannt zu machen.“

Die Tafel mit der Auszeichnung hat Sauter bereits in der Weihergasse 2 angebracht. Er hofft, dass der Laden weiterhin erfolgreich bleibt, denn die Rahmenbedingungen sind nicht einfach. „Für die Zukunft wünschen wir uns, dass wir den Dorfladen so aufrechterhalten und weiterentwickeln können. Speziell unter dem Aspekt des Preis- und Kostendrucks sowie rarer Arbeitskräfte.“

Ein echtes Bürgerprojekt

Der Aßmannshardter Dorfladen ist ein echtes Bürgerprojekt. Vor rund sechs Jahren wurde er auf eine Initiative aus dem Ortschaftsrat heraus gegründet – in Form einer Unternehmergesellschaft. Für das Stammkapital sorgten Aßmannshardter Bürger, die Anteile erwarben. Back-, Wurstwaren und Molkereiprodukte sowie Artikel für den kleinen täglichen Bedarf sind im Laden gegenüber dem Kindergarten erhältlich. „Wir verzeichnen 55000 Einkäufe im Jahr“, berichtet Frank Sauter.

Der ehrenamtliche Geschäftsführer ist stolz auf den Erfolg. „Wir schreiben schwarze Zahlen“, sagt er. „Das Geschäft wuchs von Anfang an, in den vergangenen Jahren hatten wir vier bis fünf Prozent Umsatzwachstum, das ist aber auch nötig, denn unsere Einkaufspreise steigen auch.“ Sechs Mitarbeiter beschäftigt der Laden. Die Kunden kommen aus allen Altersschichten und schätzen nicht nur die Möglichkeit, vor Ort einzukaufen. Der Laden mit dem kleinen Café sei auch ein Treffpunkt, sagt Sauter.

Tante Emma 2.0

Sie sind klein - bieten aber alles was der Kunde braucht: Der Tante-Emma-Laden. Diese Läden sind in den letzten Jahren immer weniger geworden. Schnell was einkaufen um’s Eck ist nicht mehr. Doch jetzt dreht sich das ganze langsam wieder, dank der Bürger. Denn die gründen in Baden-Württemberg immer mehr genossenschaftliche Dorfläden.

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