Herzhaftes Lachen war angesagt im „Wohnzimmertheater“ des Melchinger Theaters Lindenhof, als Franz Xaver Ott zu Gast in Heiligk
Herzhaftes Lachen war angesagt im „Wohnzimmertheater“ des Melchinger Theaters Lindenhof, als Franz Xaver Ott zu Gast in Heiligkreuztal war. (Foto: Waltraud Wolf)
Waltraud Wolf

Im Herbst startet die zweite Version mit der Schauspielerin Linda Schlepps. Nähere Informationen gibt es bei Julia Hausch im künstlerischen Betriebsbüro des Lindenhof-Theaters unter Telefon 07126/92 93 10.

Nein, kein Vorhang geht auf, wenn Franz Xaver Ott sein Ein-Mann-Theater „Lachen“ aufführt. Die Tür zur guten Stube von Ulrich Hirsch in Heiligkreuztal ist es. Hier brandet Beifall auf, im richtigen Theater gibt’s den erst viel später. 42 Augen schauen gebannt auf den Schauspieler des Lindenhof-Theaters Melchingen, der mit dem „Wohnzimmertheater“ tourt. Das Riedlinger Sommertheater und die „Kulturbeutel“-Initiative knüpften die Fäden.

Eine Lampe, ein Läufer und eine etwas ramponierte kleine Truhe sind alles, was der Schauspieler braucht, denn letztere birgt so manches an Utensilien, Erinnerungen, Emotionen inklusive. Pardon, da wäre noch der Notenständer mit dem Übungsblatt zum Aufwärmen. „Nicht, dass ihr denkt, ich hätte schon angefangen“, macht er Atem- und Sprachübungen: Ha-ha-ha-ho-hä-hä-hä-hö. Die ersten Lacher im Publikum brausen auf. „Ihr macht das besser als ich“. Als Autor, Schauspieler, Theatermacher, stellt sich Ott vor, fasst zusammen: „Unterhaltungskünstler“.

Und Unterhaltung bietet er einiges an diesem Abend und weiß sich einem Publikum gegenüber, das gerne mitgeht und sich seinen Aufforderungen nicht verweigert – beim Lachen vor allem. „Es steckt an, aus spontanen und individuellen Lachern wird es auf Kommando ein kollektives Lachen, immer lauter, länger, erhält Rhythmus, das Wohnzimmer bebt. „Sie müssen nicht lachen, Sie dürfen lachen“, ermuntert der Schauspieler, und das zunächst über „Szenen eines schwäbischen Künstlerlebens – vom Theaternovizen zum Großmeister der Region“.

Ob Gott Vater in der „Schwäbischen Schöpfung“, den Hauptmann aus Schillers „Räuber“, Erinnerungen werden wach, vor allem an den ersten Auftritt als Drittklässler als „Christophorus“ mit Stab und der angebeteten Raphaela im Nacken. „Ich habe alles und überall gespielt“, sagt der gebürtige Hayinger, der auch Unterschiede beim Klatschen erkennt: symmetrisch, intellektuell, flach, hohl, breit, bis hin zum „Krampfklatschen“. Dass mancher Lacher an unpassender Stelle auch sehr peinlich sein kann, Franz Xaver Ott weiß es, sagt es und hat die Lacher auf seiner Seite.

Ein guter Schauspieler schließt einen Pakt mit dem Publikum, was bei der unmittelbaren Nähe zwischen beiden in „Käfers“ Wohnstube kein Problem ist, dann das Geständnis: „Ich wollte am Theater etwas bewirken, aber Theater ist eine Ware und ich bin der Lieferant“.

Allein, es sind nicht nur die Nummern zum Lachen, die er in seinem Lieferservice hat. Auch Nachdenkliches klingt in seinem „Wohnzimmertheater“ an. Er schlägt gesellschaftskritische Töne an, lamentiert über die Wohlstandsgesellschaft, die Bio und Fairtrade kauft, „um das Gewissen zu beruhigen“, fragt: „Kämpfen wir noch für die Demokratie?“, klagt Egoismus und die „Konsum-Diktatur“ an, die Macht des Geldes und lässt mit Karl-Krause-Gedichten aufhorchen: „Wie wird in diesem Weltenlauf mir bange! Es ist die Stunde vor dem Untergange.“

Untergangsstimmung herrschte freilich nicht in Heiligkreuztal, sondern Freude über dieses neue Format am Lindenhof-Theater, um das sich Sommertheater-Akteure bemühten. Fünf Mal wird es Franz Xaver Ott im Raum Riedlingen spielen, mit anschließendem Gespräch inklusive, schließlich besteht auch der Wunsch, in Kontakt mit den Zuschauern zu kommen. Silvie Marks und Johannes Schleker, die auch im Naturtheater Hayingen in diesem Jahr zugange sind, haben das Stück zusammen mit Franz Xaver Ott erarbeitet. „Zehn Tage haben wir improvisiert“, berichtet er, danach erfolgte die Ausarbeitung und drei Wochen intensiven Probens für das Wohnzimmertheater mit der Suche nach dem wahrhaftigen Lachen.

Rund 100 Kilometer um Melchingen herum kann das Wohnzimmertheater gebucht werden. Ermöglicht wird dieses kostenlose Angebot für die Veranstalter dank des Programms „Stadt. Land. Im Fluss“, einem Sonderprojekt der Kulturstiftung des Bundes.

Im Herbst startet die zweite Version mit der Schauspielerin Linda Schlepps. Nähere Informationen gibt es bei Julia Hausch im künstlerischen Betriebsbüro des Lindenhof-Theaters unter Telefon 07126/92 93 10.

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