Elisabeth Buck zeigt eine ihrer Lieblingsfiguren im Stöberstüble. Die Marienfigur hatte Pfarrer Peter Schmid hier untergebracht
Elisabeth Buck zeigt eine ihrer Lieblingsfiguren im Stöberstüble. Die Marienfigur hatte Pfarrer Peter Schmid hier untergebracht. (Foto: Leo Suchan)
Leo Suchan

Leicht zu finden ist es keineswegs, das „Stöberstüble“ im Heiligkreuztaler Kornhaus. Der vorbeiradelnde Besucher muss nicht nur das Kornhaus selber, versteckt durch hohe Gebäude und ein aufragendes Tor, erst einmal entdecken, sondern auch den Mut haben, die Stiegen vor und in dem hochaufragenden Fachwerkhaus zu erklimmen. An den herrlichen Ausstellungen beispielsweise des peruanischen Künstlers Raul Castro vorbei (die SZ berichtete) führt der Weg hinauf ins Dachgeschoss, wo das „Stöberstüble“, sein knorriges Gebälk ausladend, den neugierigen Besucher einladend ermuntert, sich umzusehen.

Ob Kruzifixe, Rosenkränze, religiöse Literatur, verschiedene Bilder oder sogar einige große Holzfiguren: Das Stöberstüble hat sie alle und macht seinem Namen vom Ambiente bis zu den Ausstellungsstücken alle Ehre. Die meisten Gegenstände kämen aus Nachlässen von Privatleuten oder Priestern, erzählt Elisabeth Buck, die ehrenamtlich das Stöberstüble hegt und pflegt. Ins Kornhaus würden zumeist Dinge gebracht, die „zu schade zum Rausschmeißen“ sind, meint Buck. Besucher könnten diese dann gegen eine Spende erwerben. Am wichtigsten sei jedoch etwas anderes: „Die Leute, die die Sachen mitnehmen, sollen Freude daran haben“, betont Buck.

Die Sammlung die in mittlerweile zwölf Jahren stetig gewachsen ist, kann sich sehen lassen. Neben allerhand religiöser Literatur beispielsweise über den heiligen Franz von Assisi stehen auch weltliche Klassiker in den Regalen des Stöberstübles. Einen besonderen Platz haben die Bücher über den heiligen Josef, dessen Gedenken sich die Josefsvereinigung verschrieben hat. Echte Schätze kann man selbstverständlich auch entdecken. Ein Reliquienkreuz-Rosenkranz zeigt seine inneren Werte beim Öffnen des Kreuzes: 15 winzige Reliquien befinden sich perlenartig aufgereiht im Hohlraum des Kreuzes. Pilger, so erklärt Elisabeth Buck, würden ein solches Kreuz häufig auf Wallfahrten um den Hals tragen.

Die Sammlung aufgebaut hatte Pfarrer Peter Schmid, welcher auch Gründer der Frommen Josefsvereinigung war, deren Mitglieder die Ausstellungen in den unteren Stockwerken und das Stöberstüble im Dachgeschoss ehrenamtlich betreuen. Bestehend zunächst aus Gegenständen von Pfarrer Schmid, wuchs die Sammlung immer weiter zum Beispiel durch Hausräumungen von Priestern, deren Angehörige einen Teil der Hinterlassenschaft der Josefsvereinigung übergaben. Viele Menschen täten sich schwer, „Kreuze einfach in den Mülleimer zu werfen“, meint Elisabeth Buck verständnisvoll. Hier im Kornhaus hingegen würden sie hingegen wieder einem neuen Zweck zugeführt werden.

Einige Gegenstände sind jedoch unverkäuflich, wie beispielsweise eines der schönsten Stücke der Sammlung: eine von Pfarrer Peter Schmid gespendete Marienfigur, die es Elisabeth Buck besonders angetan hat. Schmid habe, so erzählt Buck, viele Figuren weggegeben, zwei zum Beispiel an eine Jugendgruppe, welche damit ihren Fronleichnamsteppich gestaltet habe. Gerade deshalb verbleibe die Marienfigur, genau wie die gesammelten Josefsbücher, erst einmal im Stöberstüble. Noch zu haben ist hingegen mit einem originalen Gemälde der Sießener Schwester Sigmunda May ein Höhepunkt der Sammlung, der noch darauf wartet, einem Besucher Freude zu bereiten. Denn das ist schließlich die Hauptsache.

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