Kloster erfährt internationale Aufwertung

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Pfarrer Heinrich-Maria Burkard, Michael Hörrmann (Staatliche Schlösser und Gärten), Diakon Erik Thouet, Pfarrer Markus Hoitz, Bü
Pfarrer Heinrich-Maria Burkard, Michael Hörrmann (Staatliche Schlösser und Gärten), Diakon Erik Thouet, Pfarrer Markus Hoitz, Bürgermeister Martin Rude und Pfarrer Georg Kalckert enthüllen die Charta-Plakette am Kloster Heiligkreuztal. (Foto: Kurt Zieger)
Schwäbische Zeitung
Kurt Zieger

In einem Festakt ist das Kloster Heiligkreuztal offiziell in die Europäische Charta der Zisterzienser-Stätten aufgenommen worden. Am Eingang zum Kloster wurde eine Plakette angebracht, in Reden und Grußworten die Bedeutung Heiligkreuztals hervorgehoben.

Mehr als 180 Mitglieder in elf europäischen Ländern gehören zur Charta der Zisterzienserabteien. In Deutschland sind es 28 Stätten, davon acht in Baden-Württemberg wie Bebenhausen, Maulbronn oder Salem. Sie bilden ein europäisches Netzwerk zur Erhaltung und Inwertsetzung des zisterziensischen Kulturerbes. Mit Freude wurde nun Heiligkreuztal in diesen Kreis aufgenommen.

„Die Tür steht offen, das Herz noch mehr“, betonte Diakon Erik Thouet im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Klosterkonferenz zu Beginn des Festakts. Er stellte die Stefanusgemeinschaft, das Tagungshaus, das Geistliche Zentrum und die Ausbildungsstätte für ständige Diakone vor. Heiligkreuztal sei wohl der am besten erhaltene zentrale Ort der Zisterzienser in Oberschwaben, hier gelte es, Herzblut und Leidenschaft zu investieren für die Gestaltung der Zukunft.

Pfarrer Heinrich-Maria Burkard lenkte für das Geistliche Zentrum und als Pfarrer von Heiligkreuztal den Blick in der Karwoche vor allem auf Verwundungen. Darin bezog er die Schwestern ein, die Folgen der Säkularisierung und vor allem das Ostfenster des Münsters, dem noch immer das Herzstück im oberen Teil des Fensters fehlt. „Doch trotz aller Verwundungen wird die Hoffnung stets stärker sein“, betonte er.

Ein außergewöhnliches Erbe

Pfarrer Markus Hoitz aus der Erzabtei Köln freute sich über ein weiteres Mitglied in der Charta. Frankreich und Deutschland seien am stärksten in der Charta vertreten: „Aus Frankreich heraus ist sie europäisch geworden.“ 1993 von einigen Eigentümern von Abteien gegründet, stehe die europäische Charta der Zisterzienserabteien und -stätten im Dienst eines außergewöhnlichen Erbes in Europa. Dieses Erbe sollte einer möglichst großen Zahl von Menschen zugänglich gemacht werden.

Hoitz ging auf den Orden von Citeaux ein, der seit seiner Gründung 1089 die Rückkehr zu den ursprünglichen Idealen des Mönchtums ins Bewusstsein rief. Unterschiedlichkeit sei eine Stärke, doch diese Vielfalt zu einer Einheit zu bündeln, sei ein wesentliches Ziel der Zisterzienser gewesen. Die Idee des Pfarrers, ein deutsches Regionaltreffen auch in Heiligkreuztal abzuhalten, wurde dankbar begrüßt.

Pfarrer Georg Kalckert stellte das Verhältnis von Vater Abt und Tochter Kloster in den Mittelpunkt seines Vortrags. Es gehe dabei um keine geografische, sondern eher um eine personelle und wirtschaftliche Führung. Klöster der ersten Jahrhunderte böten vielfältige Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten, wobei das Miteinander von Mönchs- und Frauenklöstern nicht immer konfliktfrei verlaufen sei.

Auch die vermehrten Freiheiten für die „adligen Fräulein“ seien nicht immer auf Verständnis gestoßen. Manche Mönchsorden seien auch nicht daran interessiert gewesen, Frauenklöster zu genehmigen. Vater Abt behielt jedoch immer gewisse Aufsichtsrechte, wenngleich Zisterzienserinnen strenger Klausur unterworfen waren. „Die Rolle der Vaterabtei war über die Jahrhunderte in wirtschaftlichem und personellem Bereich sehr stark, bot andererseits jedoch auch Schutz und Hilfe in Problemfällen“, betonte der Redner. Für das Kloster Heiligkreuztal hat früher das Kloster Salem die Rolle des Vaterabts ausgeübt.

Als Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg freute sich Michael Hörrmann über die Aufnahme von Heiligkreuztal: „Zisterzienserklöster waren stets Zentren in der Kulturlandschaft“, unterstrich er. Ihr Potenzial gelte es zu erhalten und gemeinsam zu nutzen. Dazu wollten die Staatlichen Schlösser und Gärten als Vermittler des kulturellen Erbes und im Sinne touristischer Anziehungspunkte ihren Beitrag leisten.

„Schmuckstück der Gemeinde“

„Nicht zuletzt durch den Wagemut der Stefanusgemeinschaft ist die Klosteranlage in Heiligkreuztal zu einem Schmuckstück der Gemeinde Altheim geworden“, betonte Bürgermeister Martin Rude in seinem Grußwort. Die Freude über die Aufnahme in die Europäische Charta verbinde er mit dem stetig wachsenden Verantwortungsbewusstsein, dass man Wege für das Leben in der Gemeinschaft finden müsse. „Wir brauchen Klöster, um zu uns selbst zu finden“, betonte er.

Gemeinsam wurde neben dem Eingang zum Kloster die Plakette enthüllt als Zeichen, dass nun auch Heiligkreuztal in die Europäische Charta der Zisterzienserabteien- und -stätten aufgenommen ist.

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