Klangakademie Aulos versprüht vielfältige Klangpracht

Lesedauer: 7 Min

Auch der gemischte Chor der Klangakademie „Aulos“ gestaltete mit vielen anderen Mitwirkenden einen herausragenden Kammermusikab
Auch der gemischte Chor der Klangakademie „Aulos“ gestaltete mit vielen anderen Mitwirkenden einen herausragenden Kammermusikabend im Münster Heiligkreuztal. (Foto: Kurt Zieger)
Kurt Zieger

Aus ganz Deutschland kamen Sänger und Instrumentalisten zu einer Werkwoche ins Kloster Heiligkreuztal, um musikalische Freundschaften, die oft vor mehr als 30 Jahren geschlossen wurden, zu beleben und zu intensivieren. Zusammen mit fünf Referenten erarbeiteten sie das Programm eines zweistündigen Kammermusikabends, der in ganz verschiedenen Formationen ihnen selbst und den Zuhörern Freude machte und stets mit viel Beifall gewürdigt wurde.

Auf einem Musikfestival in Ellwangen vor gut 30 Jahren begannen Freundschaften auf den verschiedensten Gebieten der Musik. Auf ganz Deutschland verteilt verlor man sich dennoch nicht aus den Augen. Gemeinsam zu singen und zu musizieren galt als generationenübergeifendes Band, aus dem heraus man den gemeinnützigen Verein „Aulos“ als Klangakademie mit Sitz in München gründete. Nun trafen sich die Familien auch mit kleinen Kindern zu einer musikalischen Werkwoche im Kloster Heiligkreuztal.

Die Gesamtleitung und der Chor lag in Händen von Balthasar Baumgartner, die Streicher wurden von Joachim Gutermann und Cornelius Meyer betreut, um die Blechbläser kümmerte sich Jan Böhme und Alexander Ott war für die Holzbläser zuständig. Die Referenten leiteten in dem zweistüdigen Kammermusikkonzert auch ihre Gruppen, die mit durchweg hörenswerten, oft faszinierenden Beiträgen die Zuhörer durch viele Sparten der Musikliteratur aus verschiedenen Jahrhunderten führten.

Melodienfreundlich austariert, in heiterem Tempo, stetig sich fordernd begann das Bläserensemble das Konzert mit der Ouvertüre zu Rossinis Oper „Il barbiere di Seviglia“. Daran schloss sich ein Streichertrio, das einen Satz in zügigem Allegro con brio aus Beethovens opus 3 als seiner frühen Schaffenperiode vorstellte. Als erste Sängergruppe nützte der Frauenchor mit klaren Stimmen die herrliche Akustik des Münsters mit ihren sauber strukturierten „Jubilate Deo“ von Colin Mawby, um danach den Altarraum freizugeben für ein Streichquartett mit vier Violinen. Weiche Melodien lagen dabei im Verbund mit tonlich engen Passagen bei einem Andante tranquillo von Grazyna Bacewicz.

Sommerlich heitere Tonfolgen in instrumentaler Klarheit von der Querflöte bis zum Fagott prägten danach das Minuet aus „Le tombeau de couperin“ von Maurice Ravel. Ein von einem Cello flink vorgegebenes Motiv wanderte alsdann im Allegro con Spirito durch die anderen Instrumente eines Streichquartetts von Joseph Haydn, wobei locker fließende Läufe durch sinnvolle Fermaten aufgewertet wurden. Daran knüpfte sich, von einem Streichquartett in anderer Besetzung vorgestellt, ein tänzerisch interpretiertes Mozart-Menuett mit herrlichen Pizzikato-Passagen im Cello.

In qualitativ hochstehender Wiedergabe ersang sich der gemischte Chor mit der bekannten Weise „Wach auf, meins Herzens Schöne“ von Johannes Brahms und einem Lerchengesang von Felix Mendelssohn-Bartholdy viel Beifall vor allem für die mühelos in die Höhe steigenden Abschnitte der Chorsätze als Abrundung des ersten Konzertteils.

Auch im zweiten Teil des Abends merkte man deutlich, dass Referenten und Interpreten sich in vielen Ländern, Zeiten und Sparten der Musik zu Hause fühlen. Mit Stereo-Effekten der Trompeten und Flügelhörner unter der Empore als Kontrapunkt zu Hörnern, Posaunen und Tuba im Altarraum erklang als toller Auftakt „La Negron“ von Pietro Lappi als herrlich raumfüllendes Klangerlebnis. Durch die Präsenz des Kontrabasses belebten klare Eckpunkte das Scherzo in einem Streichquintett von Antonin Dvorak, worauf der gemischte Chor nun von der Orgelempore aus Bob Chilcotts „The Lord’s Prayer“ anstimmte. Sauber herausgearbeitete Männerstimmen passten zum demütig anbetenden Gesamteindruck der ganzen Sängerschar bis zum verklingenden Amen. Freudvolles Musizieren prägte ein Allegretto für Bläserquintett von Franz Danzi als Wechsel in heiterer Korrespondenz toller Läufe, als Seltenheit danach ein Terzett für drei Fagotts als „Trio for three Bassons“ von Allan Stephenson, ein Klangphänomen voll Wärme und Ausdruckskraft in tonlicher Dichte. Auf ein lyrisches Andante für Streichquintett von Max Reger, Ruhe ausstrahlend mit transparent melodischer Thematik im Cello, folgte mit „Syncopated Clock“ von Leroy Anderson ein weiteres Streichquintett in anderer Besetzung: heiter, tänzerisch, burschikos und klanglich bezaubernd variierend. Den Abschluss gestaltete ein Bläserensemble mit Six Dances from „The Danserye“ von Tilman Susato als raffiniert leuchtendes Klangerlebnis. Musikalische Heiterkeit, lineare angenehme Passagen, hüpfende Elemente auf dunkler Tonbasis, tänzerische Beschwingtheit und auch zum Nachdenken anregende warme Tonfolgen leiteten über zu elegant ausgefeilten Finale mit jubilierender Klangpracht.

Auf den allseits verdienten Beifall antwortete der Chor von der Empore herab, aufs neue die Akustik des Kirchenraums genießend, mit einem dezent ausschwingenden Abendsegen, um damit sich, alle anderen Mitwirkenden mit ihren Familien und die Gäste in den sommerlichen Abend zu entlassen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen