Ein kunstsinniges Dorf: Brunnen, Tiere und Heilige

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Die Überraschung am Ende des Rundganges: Der Künstler Josef Alexander Henselmann ergänzt die Ausführungen von Waltraud Wolf. Im
Die Überraschung am Ende des Rundganges: Der Künstler Josef Alexander Henselmann ergänzt die Ausführungen von Waltraud Wolf. Im Hintergrund sein Christophorus. (Foto: Eva Winkhart)
Eva Winkhart

Einen Kunstspaziergang durch Altheim mit vielen Informationen, gewürzt durch zahlreiche Anekdoten, haben etwa 20 Interessierte am Samstagnachmittag erlebt. Im Heft der Volkshochschule Donau-Bussen hatte die Außenstelle Altheim die Veranstaltung „Brunnen und andere Kunstwerke“ ausgeschrieben. Waltraud Wolf – als Ehefrau des langjährigen Altheimer Bürgermeisters Karl Wolf mit viel Insiderwissen ausgestattet – führte und erklärte, erzählte und machte aufmerksam. Als Überraschungsgast erschien gegen Ende der zweistündigen Veranstaltung der in München lebende Künstler Josef Alexander „Seppi“ Henselmann. Er und sein Großvater Josef Henselmann haben in der Gemeinde Altheim ihre Spuren hinterlassen und sind mit zusammen zehn Kunstwerken präsent.

An „seinem“ Christophorus fahre er öfter vorbei, erzählt Seppi Henselmann. Seit er sein Sommeratelier im Marstall in Krauchenwies eingerichtet habe, passiere er ihn auf dem Weg von und nach München. „Da freu ich mich jedes Mal – besonders, wenn die blauen Blumen blühen“, sagt er, der direkt vom Aufstellen einer Arbeit aus München in kurzer Hose und Arbeitsschuhen angereist war. Vollkommen unkompliziert und ohne Allüren. Und die blauen – in diesem Jahr eher lilafarbenen – Blumen blühen zurzeit üppig zu Füßen des Christophorus. Auf der Suche nach dem passenden Standort vor ziemlich genau 18 Jahren, erinnert sich der Künstler, war der Platz an der Ortsausfahrt Richtung Andelfingen gewählt worden – obwohl er für einen Christophorus relativ weit vom Wasser entfernt ist. Als Ersatz, so wurde zwischen Gemeinde und Künstler damals vereinbart, werden blau blühende Blumen gepflanzt.

Seine Künstlerkarriere, erzählt Waltraud Wolf zum Beginn des Spazierganges vor der Grundschule, habe eigentlich hier begonnen. Mit Schmunzeln und Nicken wird die dazugehörende Anekdote quittiert. Beide Eltern des „inzwischen renommierten Künstlers, der in Indien als Professor lehrte“, so Waltraud Wolf, seien Mediziner. Sie wünschten für ihren Sohn Josef Alexander einen bürgerlichen, ihn ernährenden Beruf. So habe er Medizin und Bildhauerei studiert. Glücklich sei der junge Mann darüber nicht gewesen: „Nach Ende seines Studiums 1990 kam er zu meinem Mann … und fragte, ob er nicht einen Auftrag für ihn habe, sonst müsse er als Arzt im Krankenhaus arbeiten. Eine furchtbare Vorstellung für ihn.“ Als Kunst am Bau der 1991 fertig gewordenen Grundschule schuf er dann die Bremer Stadtmusikanten, die im äußeren Eingangsbereich stehen. Seine Großmutter, die Malerin Marianne Henselmann, habe Bürgermeister Wolf daraufhin geschrieben: „Er ist sehr glücklich, dass er jetzt in seiner Welt arbeiten kann.“ Auch mit dem Goldesel am Kirchplatz – beziehungsreich vor der Bank stehend – hat sich Seppi Henselmann in Altheim in Erinnerung gehalten; sein Friedensengel steht auf dem Friedhof in Heiligkreuztal.

Und mit dem Namen Henselmann sind noch weitere Kunstwerke in Altheim verbunden, mit Josef Alexander (geboren 1963) und Josef Henselmann (1898 in Laiz geboren, gestorben 1987 in München) seinem Großvater. Der gestaltete den Wappenbiber vor dem Rathaus, den Storchenbrunnen am Rathauseingang, die Maria auf der Säule im Bürgergarten, den Martin mit den Gänsen am Kirchplatz, im Ortsteil Heiligkreuztal den Anna-Selbdritt-Brunnen und in Waldhausen den Wendelinus-Brunnen. Mit dem Storchenbrunnen, so Waltraud Wolf in ihren Ausführungen, wurde „der Ruf Altheims als kunstsinniges Dorf“ begründet.

„Das ist das erste Kunstwerk, das hier von Josef Henselmann gestaltet worden ist“, beginnt Waltraud Wolf – und der erste Brunnen auf dem Rundgang. Die Geschichte dazu gehe zurück auf das Jahr 1978. Bürgermeister Wolf wollte damals den historischen, denkmalgeschützten ehemaligen Gasthof „Adler“ für die Gemeinde erwerben und zum Rathaus umbauen. Eine große finanzielle Belastung für die Gemeinde. Der damalige Landrat Dr. Wilfried Steuer unterstützte den Bürgermeister und versprach – beim Gelingen des Vorhabens – ein „schönes Geschenk“. Es wurde der Storchenbrunnen, 1982 aufgestellt. Der Brunnentrog, die Säule und das Nest aus Gauinger Marmor, die beiden Störche aus Bronze. Um sie naturgetreu darzustellen, weiß Waltraud Wolf zu berichten, habe der Künstler seine Studien in vielen Stunden im Tierpark vervollständigt.

Ein weiterer mehrfach in Altheim vertretener Künstler ist Pater Ivo Schaible (geboren 1912 in Baustetten bei Laupheim, gestorben 1990). Als vorwiegend für Kirchen tätiger Künstler und Geistlicher machte er für Altheim die Kirchentür, die Säule des Johannesbrunnens vor dem Pfarrhaus und den Auferstehungschristus in der Leichenhalle. Neben diesen drei mehrfach vertretenen Künstlern haben noch weitere ihre Spuren in Altheim hinterlassen. Die Besucher des Rundgangs waren erstaunt über die tatsächliche Vielzahl der Kunstwerke, von den alamannischen Schwertern am Friedhof, dem spätgotischen Ölberg und dem von Gabriel Lämmle geschaffenen Heiligen Martin über dem Kirchenportal bis zu Sonnenuhr und Windfahne an der Schule, Rathausschild und Dachreiter. Zwei prall gefüllte Stunden, informativ und amüsant.

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