Der Koffer ist gepackt für neun Monate Arbeit in Afrika

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 Neun Monate lang arbeitet Luisa Hansen in einer Vorschule in Kapstadt.
Neun Monate lang arbeitet Luisa Hansen in einer Vorschule in Kapstadt. (Foto: Eva Winkhart)
Eva Winkhart

Zwei junge Frauen sind gerade dabei, ihr Leben für eine gewisse Zeit komplett umzustellen: Luisa Hansen aus Altheim geht für neun Monate nach Südafrika, Pauline Rieth aus Unlingen für ein Jahr nach Tansania (SZ berichtete). Sie haben sich über den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „Weltwärts“ zur Arbeit in Afrika entschlossen.

Für Luisa Hansen stellte sich „Experiment“ als die passende Entsendeorganisation heraus. Zwar hätte die sich am längsten Zeit gelassen für eine Zusage; die Stellenausschreibung sei jedoch am ansprechendsten gewesen. „Und ich hatte bei ihnen das beste Bauchgefühl.“ Luisa ergänzt: Beim Auswahlgespräch habe sie sich wohl gefühlt, am besten „aufgehoben“; die Stellenausschreibung habe gepasst. Auch wenn diese „nur“ neun Monate und keine zwölf umfasst: Unterstützung der festangestellten Mitarbeiter in der Vorschule „Happy Tots Pre-School“ für Drei- bis Fünfjährige in Grassy Park, Kapstadt/Südafrika.

Mitten in der Abiturszeit

„Und dann begann die Organisation von allem“, sagt sie, nachdem der Vertrag mit „Experiment“ unterschrieben war – mitten in der Abiturszeit. Größere und kleinere Vorarbeiten waren notwendig: Ein polizeiliches Führungszeugnis und Passbilder mussten beschafft werden; eine Untersuchung auf Tropentauglichkeit im Tropeninstitut in Tübingen mit Gesundheitscheck war Pflicht. Dazu gehörten verschiedene Impfungen, beispielsweise gegen Typhus, Hepatitis, Tollwut. Aufklärung über Aids, Malaria und das Verhalten bei Reisen außerhalb Kapstadts und beim Umgang mit Kindern war obligatorisch. „Mit das Aufwendigste und Stressigste“, so Luisa Hansen, sei der Antrag des Visums für Südafrika gewesen. Neben einem weiteren Gesundheitscheck und dem Ausfüllen eines 30-seitigen Fragenkataloges – „Wo die wirklich alles wissen wollten!“, so Luisa – musste sie einen Nachweis vorlegen, dass auf ihrem eigenen Bankkonto mindestens 200 Euro zur Verfügung stehen. „Und jetzt hab ich das Visum immer noch nicht erhalten – was mich gerade etwas stresst“, sagt sie. Am 18. August soll der Flug in München starten.

Interkultureller Austausch

Auch ein Seminar hat sie hinter sich, nach dem Abschluss der Schule. In sieben Tagen wurde ihre Gruppe, etwa 30 jungen Frauen und Männer, in Bad Neuenahr auf ihren Auslandseinsatz vorbereitet. Dabei habe der Fokus auf Themen wie Sicherheit gelegen, auf Rassismus, Heimweh und dem Umgang mit verschiedenen Problemen. Als „sehr interessant“ beschreibt Luisa Hansen diese Woche: „Es wurde viel diskutiert und wir wurden angeregt, unseren Standpunkt zu hinterfragen.“ So seien auch die Schwierigkeiten angesprochen worden, die junge Weiße häufig hätten im Umgang mit Menschen „in Ländern des globalen Südens“. Der Fokus liege auf dem interkulturellen Austausch, auf gegenseitigem Lernen.

Die eigene Familie im Hintergrund sei ihr wichtig. Ihre Familie, die Eltern und der jüngere Bruder, unterstützen sie; in täglichen Gesprächen kämen aber auch die Sorgen und Bedenken zur Sprache: „Ich habe das Gefühl, meine Eltern sind aufgeregter als ich!“ Die Verhältnisse in Südafrika machten auch ihr einige Sorgen, gibt Luisa zu. Schwierigkeiten des Landes und des Lebens dort seien in ihrem Hinterkopf. Aber: „Da war das Vorbereitungsseminar sehr hilfreich.“ Im Koffer liegen bereits zahlreiche Fotos, Lieblingsschokolade und „ihr“ Shampoo neben zwei Romanen und Notizbüchern: Alle drei Monate muss sie einen Bericht an die Organisation abliefern.

Und jetzt werden die Tage gezählt, die letzten Dinge besorgt, Verabschiedungsbesuche erledigt. Mit elf weiteren Freiwilligen aus Deutschland trifft sie sich am 18. August in Dubai, dann fliegen sie gemeinsam weiter. Mit zwei Frauen und einem Mann – sie sind ebenfalls Freiwillige – und einer Betreuung, einem Ansprechpartner ihrer Entsendeorganisation wird Luisa dann in einer WG in Kapstadt wohnen.

Seit etwa einem Jahr, sagt Luisa Hansen, sei sie mit der Planung beschäftigt gewesen. Online habe sie sich bei mehreren Organisationen beworben, auf Englisch, mit Lebenslauf und Motivationsschreiben, habe zahlreiche individuelle Fragen beantwortet. Auch die darauf folgenden Auswahlgespräche seien interessant gewesen; mit anderen Bewerbern mit ähnlichen Interessen und Zielen habe sich ein reger Austausch entwickelt.

Hintergrund

„Weltwärts“ ist eine Organisation – 2008 ins Leben gerufen vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) –, in der sich junge Menschen zwischen 18 und 28 Jahren in Entwicklungsprojekten engagieren. Etwa 34 000 Freiwillige arbeiteten bisher in Osteuropa, in Südamerika, Afrika, Asien oder Ozeanien. Sie sollen und wollen andere Kulturen, andere Sichtweisen kennenlernen, die eigenen Denkmuster und Handlungsweisen hinterfragen, zu global solidarischem Handeln befähigt werden. Weltwärts arbeitet mit zahlreichen Entsende- und Aufnahmeorganisationen zusammen. Bei Luisa Hansen ist das „Experiment e. V. Weltweit“. Diese Organisation bietet seit 85 Jahren Auslandsaufenthalte an im Schüleraustausch oder Freiwilligendienst, als Praktikant oder als Au Pair mit Sprachkurs, als Organisator von Work and Travel Aufenthalten.

75 Prozent der Finanzierung übernimmt das BMZ; für die restlichen 25 Prozent der Entsendeorganisation wird von den Teilnehmern erwartet, sie durch eigene Spendenaktionen zu unterstützen.

Für Spenden: Kontoverbindung Luisa Hansen, IBAN DE77 6549 1510 0048 1290 03, Verwendungszweck: Name und Adresse des Spenders zur Übersendung einer Spendenbescheinigung

Informationen gibt Luisa Hansen über ihre E-Mail-Adresse: luisainsuedafrika@web.de

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