Dr. Stephan Fuchs ( Bildmitte ) mit einigen der Betrachter des Visionenwegs an der Klostermauer Heiligkreuztal
Dr. Stephan Fuchs ( Bildmitte ) mit einigen der Betrachter des Visionenwegs an der Klostermauer Heiligkreuztal (Foto: Foto Kurt Zieger)
Kurt Zieger

Während die erste Führung durch das Kloster Heiligkreuztal im Rahmen der Aktion des offenen Denkmals sich großer Resonnanz erfreute, war es nur eine kleine Gruppe, die sich bei Dauerregen von den Visionen des Klaus von Flüe an der Klostermauer inspirieren ließ. Umso intensiver und direkter waren die Begegnungen mit den einzelnen Themen und deren künstlerischer Umsetzung.

In der Kerzenkapelle ( „Hier sind wir noch im Trockenen und können sitzen") führte Dr. Stephan Fuchs als Theologe und Historiker in den weiten Spannungsbogen des Visionenwegs von Klaus von Flüe ein. In dessen Entstehung band er auch die finanzielle Unterstützung durch die Denkmalstiftung mit ein, was sich bei den Renovierungsarbeiten im Kreuzgang äußerst positiv auswirkt.

Auf die Frage, wie Niklaus von Flüe ( 1417 – 1487 ) zum Heiligkreuztaler Visionenweg kam, verwies Fuchs auf zwei charakteristische Seiten des später „Bruder Klaus" genannten Fürsprechers und Ratgebers. Als Bauer, Vater, Richter und Mystiker sei er zwar Analphabet gewesen, habe jedoch über eine wortgewandte Redegabe verfügt. Da die Pflege der Redekunst eine der Schwerpunkte in der Arbeit der Stefanusgemeinschaft darstellt, empfahl ihr früherer geistlicher Betreuer Pfarrer Bruno Zieger, den Bruder Klaus als zweiten Patron der Stefanusgemeinschaft mit ins Boot zu nehmen. Bei einer Wallfahrt nach Sachseln und Flüeli reifte in Pfarrer Peter Schmid als späterem geistlichen Betreuer der Gemeinschaft der Entschluss, den Visionär Klaus von Flüeli mehr „aus seiner Versenkung ans Tageslicht zu holen.“ Aussagekräftige Glasreliefs haben es Pfarrer Schmid angetan. So etwas könne er sich auch in Heiligkreuztal vorstellen.

Damit reifte der Entschluss, die früher wohl mit Spalierobst versehenen Nischen in der Klostermauer für einen Visionenweg zu nutzen. Alois Spichtig, ein bereits betagter Schweizer Künstler, machte sich ans Werk, die Visionen des Klaus von Flüe in bleibende Kunstwerke umzusetzen. Als Spichtigs Nachfolger fertigte Toni Halter die insgesamt 16 Visionen, die inzwischen vielerorts als wahrer Schatz auf dem Heiligkreuztaler Klostergelände bezeichnet werden. Als derzeitiger geistlicher Betreuer der Stefanusgemeinschaft hat Pfarrer Heinrich-Maria Burkard den Werdegang des Visionenswegs in vielerlei Weise gefördert und unterstützt.

Die Darstellungen der einzelnen Visionen laden ein, sich mit den zentralen Grundfragen des Lebens auseinanderzusetzen. Jede der Mauernischen wird von einem bestimmten Thema beherrscht. Von der vorgeburtlichen Vision geht es zum Turm in der Ranftschlucht als Fingerzeig, wie viele Menschen auch bei Gott einen Rat suchen. Über die bedrohte Lilie und die Siegesfahne mit der Bärenklaue führt die Betrachtung zum dreifachen Alleluia und dem bedrängten Herz als Aussage, dass mit einer offenen Herzenstür auch andere Menschen berührt werden können.

Nach anderen Erscheinungen fragt der Visionär im „Radlbild": „Was verbindet die Welt in ihrer Tiefe?" Hier gehen drei Speichen nach innen und drei nach außen, im Zentrum befindet sich ein roter Punkt, was in Klaus von Flüe die Erkenntnis reifen ließ, dass Gottes Liebe in der Mitte alles zusammenhält. Als Abschluss der 16 Visionen fließt das Wasser einer Quelle in dreifachem Strahl nach außen, um die Besucher zu fragen: „Aus welcher Quelle schöpfe ich?" Zum 600sten Geburtstag von Klaus von Flüe sollte der Visionenweg fertiggestellt sein. Nachdem die Finanzierung rein aus Spenden auch in trockenen Tüchern war, machte sich Toni Halter mit der restlichen Arbeiten in Heiligkreuztal ans Werk, um die von Alois Spichtig gelieferten Themenvorschläge in künstlerische Produkte umzusetzen. Der gesamte Visionenweg wurde im Sommer 2016 rechtzeitig fertiggestellt. Inzwischen sind auch zwei Publikationen erschienen, um das vor Ort Gesehene zu Hause nachwirken zu lassen.

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