Wie Agnes ihren Möchtegern-Weiberhelden Alfons kuriert

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Die Herren sind verwirrt, als plötzlich drei Damen zum Casting antreten: von links Heinz (Egon Simmendinger), Alfons (Martin Poh
Die Herren sind verwirrt, als plötzlich drei Damen zum Casting antreten: von links Heinz (Egon Simmendinger), Alfons (Martin Pohl), Hans (Horst Braun), Agnes (Inge Körner), Eva (Marina Ströbele), Hilde (Assunta Saravo). (Foto: Sonja Niederer)
Sonja Niederer

Höchstleistungen haben die Theaterspieler des Sportclubs Stetten bei den Aufführungen des Dreiakters „Alles Bauerntheater“ von Erich Koch gezeigt. Sie sorgten mit ihrer Interpretation der im Stück vorkommenden Personen von Anfang an für grenzenlose Heiterkeit beim Publikum.

Jede Rolle war von Regisseurin Conni Simmendinger bestens besetzt worden. Die Schauspieler gingen voll darin auf und brannten regelrecht darauf, nach einem Jahr Pause ihren Zuschauern wieder viel Vergnügen zu bereiten. Die bedankten sich mit kräftigem Applaus.

Schauplatz des Geschehens rund um ein Theaterstück, das der Landwirt und Bürgermeister-Stellvertreter Alfons gemeinsam mit seinem Freund Heinz plant, ist das Wohnzimmer der Familie, vom Bühnenbauteam mit viel Liebe zum Detail ausstaffiert. Viel zu tun hatte auch Anna Kneer in der Maske, um aus den vormals biederen Damen wahre Dorfschönheiten zu machen. Das ist ihr bestens gelungen.

Dicke Luft in der guten Stube

In der guten Stube herrscht dicke Luft. Alfons, gespielt von Martin Pohl, hat den Abend nach der Ortschaftsratssitzung mal wieder im Gasthaus verbracht und quält sich erst zum Mittagessen aus dem Bett. Sehr zum Missfallen seiner resoluten Gattin Agnes (Inge Körner) und seiner altledigen Schwägerin Hilde (Assunta Saravo), an denen mal wieder die ganze Arbeit im Stall und im Haus hängengeblieben ist. Entsprechend giftig sind die Dialoge untereinander. Auch Eva (Marina Ströbele), die bunthaarige ausgeflippte Tochter, ist nicht auf den Mund gefallen und steuert so manchen Kommentar bei.

Bauer Alfons hat sich in der Wirtschaft in die neue hübsche Kellnerin verguckt. Um ihr unauffällig näher kommen zu können, plant er ein Theaterstück, in dem sie beide die Hauptrollen spielen sollen. Sein Freund Heinz soll ihm bei der Inszenierung und beim Casting helfen. Heinz, alias Egon Simmendinger, genießt sein Witwerdasein und ernährt sich vorwiegend flüssig. Sein Hobby ist das Schreiben von Gedichten, die er auch gern zum Besten gibt.

Neben der Organisation des Theaterstücks ist es Alfons auch ein Anliegen, dass er endlich seine ungeliebte Schwägerin Hilde los wird. So wird eine Heiratsanzeige formuliert, in die gleich noch die zum Verkauf stehende Kuh integriert wird. Das sorgt für witzige Dialoge, als sich der erste Kandidat, der Altwarenhändler Franz (Michael Braun), um die Hand von Hilde bewirbt, Alfons aber davon ausgeht, dass dieser die Kuh mit ihrem „schönen Gesäuge und glänzenden Fell“ kaufen möchte.

Tochter Eva, die eigentlich nichts vom männlichen Geschlecht hält, ändert ihre Meinung, als Hans auftaucht, ewiger Student und Muttersöhnchen, sehr schüchtern gespielt von Horst Braun. Hans kellnert, um seine Finanzen aufzubessern, im Wirtshaus. Eva verliebt sich in ihr „Zuckerhäsle“ und Hans plaudert aus, was er im Wirtshaus so gehört hat.

Ganz aufgeregt betritt auch noch die Pfarrersköchin, ihres Zeichens Ratschbase und Anwärterin auf den Vorsitz im Frauenverein, die Bühne und berichtet von den Theaterplänen von Alfons und Heinz. Gespielt wurde sie von Angela Bachteler, die mit ihren Satzwiederholungen auch für viele Lacher bei den Zuschauern sorgte.

Die Damen planen, den Herren einen Strich durch die Rechnung zu machen, selber beim Casting für die Theaterhauptrolle teilzunehmen und ihnen dann so richtig einzuheizen. Perfekt verkleidet, gelingt ihnen das auch. Erst als die Schleier fallen, wissen die Männer, mit wem sie es zu tun haben. So kommt es, dass Heinz plötzlich ein Schäferstündchen mit Hilde hat und Eva mit dem nicht mehr ganz so schüchternen Hans.

Alfons muss indes feststellen, dass seine Auserwählte nicht die Kellnerin, sondern seine Gattin Agnes ist. Diese lässt ihn für seine Verfehlungen kräftig büßen, in der Ehe weht nun ein anderer Wind. Alfons mistet früh morgens den Stall und mausert sich vom arbeitsscheuen Möchtegern-Weiberhelden zum beflissenen Hausmann, der seiner Agnes das Frühstück ans Bett bringt und sie mit Rückenmassagen verwöhnt.

Letztendlich findet jeder sein Deckelchen, auch die Pfarrersköchin, die von Heinz gemeinsam mit dem Alteisenhändler Franz in den Schrank gesperrt wird, weil er sie für das gesuchte Einbrecherpärchen hält. So verbringen die zwei die Nacht zusammen und ergeben sich in ihr Schicksal, ihren guten Ruf nur mit einer Heirat retten zu können.

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