Die Redner wählen mahnende Worte

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 Blickten beim Neujahrsempfang nicht nur positiv auf das vergangene Jahr zurück: Thomas Dörflinger (CDU), Katharina Gräfin Reutt
Blickten beim Neujahrsempfang nicht nur positiv auf das vergangene Jahr zurück: Thomas Dörflinger (CDU), Katharina Gräfin Reuttner von Weyl, Marianne Gräfin Reuttner von Weyl, Philipp Graf Reuttner von Weyl, Bürgermeister Kai Feneberg, Pfarrer Stefan Ziellenbach, Ortsvorstherin Rita Stetter und Karin Meyer-Barthold (von links). (Foto: son)
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Zahlreiche Gäste sind am Sonntag der Einladung der gräflichen Familie Reuttner von Weyl zu ihrem traditionellen Neujahrsempfang ins Achstetter Schloss gefolgt. „Wir sind stolz darauf, unser Haus als Begegnungsstätte zur Verfügung stellen zu können“, sagte Philip Graf Reuttner von Weyl in seinem Grußwort.

Zum Jahreswechsel habe die Welt gebrannt, große Teile von Australien stehen in Flammen und im Nahen Osten gibt es einige Brandherde. Auch der Klimawandel sei überall zu spüren, er persönlich sehe dies an vielen vertrockneten Fichten in den Wäldern, sagte Graf Reuttner. Bei allen Krisen sei es umso wichtiger, sich zu treffen, sich miteinander auszutauschen und Zuversicht und Hoffnung zu teilen. „In dem Glauben, dass 2020 ein gutes Jahr werden kann, begrüße ich Sie heute alle und wünsche Ihnen ein gutes neues Jahr.“

Reise nach Frankreich

Graf Philip Reuttner von Weyl berichtete von einer Reise, die seine Familie anlässlich des Geburtstages seines Vorfahren Beat Konrad Freiherr von Reuttner von Weyl, der sich im letzten Jahr zum 300. Mal gejährt hätte, unternommen hat. Diese hätte auch in das kleine elsässische Dorf Durmenach geführt, wo die Familie früher ein Anwesen hatte. Der sehr herzliche Empfang der Einwohner habe sie alle überwältigt, und das, obwohl Frankreich und Deutschland früher Erzfeinde gewesen seien. Dieses Erlebnis habe ihm gezeigt: „Auch kleine Sachen sind Grund genug, an eine gute Zukunft zu glauben. Ich jedenfalls lasse mir von Krisen die Stimmung nicht verderben. Es gibt noch viel zu tun und zu bewirken.“

Für die Gemeinde sei das vergangene Jahr sehr bewegt gewesen, sagte Bürgermeister Kai Feneberg. Er erwähnte dabei einige Sanierungen und Baumaßnahmen, die Kommunalwahlen und die Veranstaltungen der Vereine. Im anstehenden Jahr stünden Themen wie die Beschaffung von neuem Bauland, die Bereitstellung von Kinderbetreuungsplätzen und der dazu benötigten Infrastruktur an.

Im Grunde höre sich das alles sehr positiv an, sagte Feneberg. „Dennoch gibt es Entwicklungen, auf die ich mit Sorge blicke. Eine größere Bevölkerung bedeutet auch eine größere Vielfalt. Ich stelle dabei zunehmend deutliche Werteverschiebungen in unserer Gesellschaft fest.“ Der Umgangston werde rauer, im Kleinen, aber auch im Großen. Eine gewisse Unruhe verspüre er auch, sagte Feneberg, wenn er über Deutschland und Europa hinausblicke. Als Beispiele nannte er gewalttätige Demonstrationen und das bewusste Abbrennen von Regenwäldern. Achstetten sei noch überschaubar und er spüre den Zusammenhalt. „Wenn dieser zunehmend woanders nicht mehr vorhanden ist, dann bitte noch bei uns.“ Er wünsche sich für die Zukunft den respektvollen Umgang und die gegenseitige Achtung untereinander, dass wie bisher Verantwortung übernommen, gegenseitige Unterstützung gewährt und Verständnis gezeigt werde. „Schätzen wir auch weiterhin die Dinge, die wir bereits haben.“

Grundstein fürs Miteinander

Das kommende Jahrzehnt stelle alle vor große Herausforderungen, sagte Pfarrer Stefan Ziellenbach. „Wir sind alle gefragt, Verantwortung zu übernehmen. Im Kleinen und auch im Großen.“ Die Menschen sollten sich danach ausrichten, was ihr Beitrag sein kann, um den Grundstein für ein menschliches Miteinander zu legen.

Die Stadt Laupheim sei stolz darauf, dass sie von den Umlandgemeinden anerkannt werde, sagte Karin Meyer-Barthold. „Wir sind froh über das gute Miteinander, und dass wir Nachbarn haben, die aufeinander zugehen.“

Auch ihn belaste die Art, wie die Menschen heutzutage miteinander umgehen, betonte der Landtagsabgeordnete Thomas Dörflinger. Menschen würden allzu schnell in Schubladen gesteckt, es gäbe nur die Guten oder die Bösen – und kaum mehr etwas dazwischen. Aber die meisten Zusammenhänge seien viel komplexer. Das erlebe er in der Politik, aber auch aktuell in der Landwirtschaft. „Früher, als die Teller leer waren, war man froh, dass die Bauern die Teller füllen, und die Landwirte wurden geschätzt. Heute sind die Teller voll, die Auswahl ist groß und der Landwirt gerät immer mehr unter Beschuss.“

Wünschen würde er sich auch, dass der älteren Generation mehr Wertschätzung entgegengebracht werde. Diese und die Nachfolgegenerationen hätten das Land nach dem Weltkrieg wieder aufgerichtet und die Grundlage für den heutigen Wohlstand geschaffen. „Lassen Sie uns das Jahr 2020 zum Jahr des Zusammenhalts und nicht zum Jahr der Spaltung machen.“

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