Bereiten die Ausstellung in den Pfahlbauten vor (von links): Museumsdirektor Gunter Schöbel, Walter Effler vom Druckhaus Zanker (Foto: dre)
Schwäbische Zeitung

Für Museumsdirektor Gunter Schöbel und sein Team war es eine ganz andere Forschungsarbeit als sonst: Wenn morgen in den Pfahlbauten die Ausstellung „Die Zähringen – ein Dampfschiff verändert ein Dorf“ startet, liegen aufwändige Recherchen hinter den Mitarbeitern. Diesmal war etwas möglich, was bei Steinzeitfunden eher schwierig ist: Man könnte mit Zeitzeugen sprechen, Filmaufnahmen verwerten, Fotos und Materialien aus der jüngeren Vergangenheit verwenden.

Angefangen hat alles damit, dass der Uhldinger Werner Hirler dem Pfahlbaumseum ein Modell des Dampfschiffs übergeben hat. „Wir wussten erst gar nicht so recht, ws wir damit anfangen sollten“, sagt Schöbel. Einfach nur ein Modell ausstellen – das ging nicht. „Wir wollen eine Geschichte drumherum erzählen.“ Doch da es der Verein für Pfahlbau und Heimatkunde ist, zögerten die Mitglieder nicht lange. Sie gingen in die Recherche, suchten Menschen, die etwas über den badischen Salondampfer erzählen konnten. Manchmal sah es nicht nach Erfolg aus. „Oft war es so, dass die Leute anfangs nicht dachten, etwas beisteuern zu können. Dann haben sie aber tiefer gegraben und doch noch viel entdeckt.“ So sind unter anderem Originalschilder aus der Zeit aufgetaucht, Rettungsringe, Schwimmweste und mehr zum Beispiel.

Für Schöbel ist die Geschichte des Dampfschiffs eine faszinierende, die untrennbar mit dem Wandel verbunden ist. Außer Dienst gestellt wurde das Schiff, weil es von Dieselschiffen verdrängt wurde, die weniger Personal benötigten. 1888 bis 1960 war das Schiff in Dienst. In der Zeit des NS-Regimes wurde es als „Kraft durch Freude“-Schiff genutzt. Besonders Informationen aus dieser Epoche sind nicht immer ganz einfach zu bekommen. Schiff ist auch im Film zu sehen

Faszinierend findet Schöbel auch, dass Pendler das Schiff rege nutzten – und dabei genauso schnell unterwegs waren wie mancher Autofahrer heute. „Man sollte sich ernsthaft Gedanken machen, ob ein Ausbau der Schiffsverbindungen hier am See nicht sinnvoll wäre, vor allem vor dem Hintergrund der fehlenden Finanzmittel für den Straßenbau.“

Das Modell des Schiffs ist zeigt ein beeindruckend stolzen Dampfer. Auch in einem Film, den jeder am Bodensee kennt, spielte das Schiff eine Rolle: „Die Zähringen ist in einer Endszene von Die Fischerin vom Bodensee zu sehen“, erzählt Schöbel. Auch dieser Filmausschnitt taucht in der Ausstellung auf. Neben Filmaufnahmen, die Privatleute zur Verfügung gestellt haben.

Die Die Winterausstellung ist am morgigen Sonntag von 13 bis 17 Uhr im Rahmen eines Tags der offenen Tür zu sehen. Dann läuft sie bis März 2013. Die Besucher werden mit Eintrittskarten im Stil alter Bootsfahrkarten begrüßt. Zudem gibt es Kinderführungen, Motto „Weltkulturerbe Pfahlbauten – Was haben wir eigentlich geerbt?“ Beginn ist jeweils um 14.30, 15.30, und um 16.30 Uhr.

Mehr Infos unter www.pfahlbauten.de

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