2019 wird das Pfahlbaumuseum wieder mit 95 000 Euro im Rahmen des europäischen Kulturerbejahres gefördert. Thomas Bareiß (links
2019 wird das Pfahlbaumuseum wieder mit 95 000 Euro im Rahmen des europäischen Kulturerbejahres gefördert. Thomas Bareiß (links), Tourismusbeauftragter der Bundesregierung, und der Bundestagsabgeordnete Lothar Riebsamen (Dritter von links) überbrachten die Zusage dem Museumschef Gunter Schöbel (Zweiter von links), im Bild mit den lettischen Archäologen Sanda Salmina (Vierte von links) und Andris Roze (vorne) sowie den Wissenschaftlern Michelle Rossa und Frank Wiesenberg aus Köln. (Foto: Alexander Tutschner)

„Europa erleben am Bodensee“ – das wird auch 2019 im Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen möglich sein. Denn das älteste archäologische Freilichtmuseum am Bodensee erhält wie in diesem Jahr auch für 2019 eine Förderung von 95 000 Euro im Rahmen des „Europäischen Kulturerbejahres“ vom Staatsministerium für Kultur und Medien. Die frohe Kunde überbrachten der parlamentarische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Thomas Bareiß, auch Tourismusbeauftragter der Bundesregierung, sowie der Bundestagsabgeordnete Lothar Riebsamen bei einem Besuch im Pfahlbaumuseum.

„Für uns am Bodensee ist es eine sehr schöne Möglichkeit, zu zeigen, dass wir in Europa interregional gut vernetzt sind und von Griechenland bis Norwegen Kollegen haben, die europäische Themen vorstellen können“, sagte Gunter Schöbel, der Direktor des Pfahlbaumuseums, der SZ. Unter dem Motto „Experimentelle Archäologie in Europa: Wissen erlebbar gemacht“ präsentiert das Pfahlbaumuseum seit Ende Mai und noch bis zum 30. September acht verschiedene Veranstaltungen. Von Lettland bis Zypern kommen dabei Archäologen an den Bodensee und stellen verschiedene Themen dar. Bei der experimentellen Archäologie werden die handwerklichen Fähigkeiten erforscht, die für die Gewinnung und Verarbeitung von verschiedenen Rohstoffen wie Feuerstein, Kupfer, Bernstein, Zinn, Glas, Eisen und Textilien nötig waren. Vorführungen sollen dabei besonders anschaulich die Forschungsergebnisse vermitteln, das Mitmachen ist dabei erwünscht.

Das Thema „Bernstein, Glas und Stoffe“ ging eben zu Ende, seit Montag lautet das Motto „Geweih und Knochen“ (siehe Kasten). Laut Schöbel haben bereits 47 000 Gäste die Ausstellungsreihe besucht. Innovative Vermittlungsformen für Kinder und Jugendliche spielten eine besondere Rolle. Sozusagen ein „Best-of“ aller Ausstellungen der Reihe kann man am 30. September im Pfahlbaumuseum bestaunen: „Dann werden alle acht Themen nochmal zusammengeführt, vom Kupferproduktionsprozess auf Zypern bis zur Herstellung der lettischen Bernsteinperlen“, sagt Schöbel.

Schöbel freut sich, dass es die Serie auch 2019 geben wird: „Es ist eine große Ehre, dass uns die Berliner Kollegen nochmal vorgeschlagen haben“. Es sei außergewöhnlich, da das Pfahlbaumuseum als nichtstaatliche Einrichtung nicht in der Förderschiene der Staatsmuseen sei. „Wir überlegen uns schon ein Programm, es wird sicher wieder spannend“, sagt Schöbel mit Blick auf 2019. „Wir werden wieder die Güterbewegung in Europa thematisieren.“ Es werde insbesondere wieder für Familien und Jugendliche interessant werden.

„Das ist eine Auszeichnung für das Konzept des Pfahlbaumuseums“, sagte Lothar Riebsamen, „für ein besonderes europäisches, pädagogisches Projekt.“ Man habe ja eine Vielzahl von Museen in der Region, aber die Pfahlbauten seien dabei „ein Leuchtturm“. Gerade das interaktive Konzept zeichne das Museum aus. „Hier wird europäische Geschichte erlebbar gemacht“, sagte Thomas Bareiß, gerade für junge Leute und Kinder sei die Botschaft wichtig, „dass Europa nicht irgend etwas abstraktes ist.“ Über 300 000 Besucher im Jahr zeigten, dass das Pfahlbaumuseum angenommen werde. „Das ist beeindruckend, davon profitiert auch das Umfeld, der Bodensee braucht solche Attraktionen.“ Die Gäste wollten heute mehr als nur den See.

„Geweih und Knochen“ in den Pfahlbauten vom 6. bis 12. August

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Experimentelle Archäologie in Europa“ hat Steinzeitmann Blumammu im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen am Bodensee vom 6. bis 12. August seine Werkstatt aufgeschlagen. Als Experimentalarchäologe vermittelt Blumammu laut einer Pressemitteilung des Museums das Leben unserer Vorfahren und kann mit seinen interaktiven Vorführungen die Vergangenheit in die Gegenwart holten. An einem lebensgroßen Hirsch erklärt er, wie Knochen- und Geweihschnitzer in früheren Epochen Angelhaken, Nähnadel und sogar Schmuckgegenstände hergestellt und verhandelt haben. In seiner Steinzeit-Werkstatt können Museumsgäste unter Anleitung Knochen und Geweih selbst bearbeiten und dabei alte Arbeitstechniken ausprobieren. Anhand der Abfälle und der Bearbeitungsspuren können Archäologen erkennen, wie Beile oder verzierte Haarnadeln vor Jahrtausenden produziert worden sind. Die speziellen Angebote zur Themenwoche finden von 10 bis 18 Uhr statt und sind im Eintrittspreis des Museums enthalten. Das Freilichtmuseum mit den fünf rekonstruierten Pfahlbaudörfern ist täglich von 9 bis 18.30 Uhr geöffnet, die letzte Führung beginnt um 18 Uhr. (sz)

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