Schnelle Hilfe: Dieses Codewort soll im Bodenseekreis Frauen retten

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Drei Männer und zwei Frauen stehen auf Treppen und halten Plakate in der Hand
Werben für "Luisa": (von links hinten) Landrat Lothar Wölfle, die beiden Betreiber des „Galgenhölzle" in Überlingen, Uwe Kleinhans und Michael Jeckel sowie Veronika Wäscher-Göggerle (vorne links, Familien- und Frauenbeauftragte Bodenseekreis), und Katrin Stumpf (AWO). (Foto: Lydia Schäfer)
Lydia Schäfer

„Ist Luisa hier?“, mit dieser Frage können Frauen auf eine Notsituation hinweisen. Die erste Kneipe im Bodenseekreis, die sich an der Aktion „Luisa ist hier“ beteiligt, ist das „Galgenhölzle“ in Überlingen.

Sollte eine Frau in einer Bar, einer Disco oder in einer Kneipe das Personal am Einlass, am Tresen oder im Service nach „Luisa“ fragen, ist das ein Hilferuf, mit dem sie ausdrücken kann, dass sie sich belästigt fühlt.

Wegschauen ist heute leider eine generelle Entwicklung.

Michael Jeckel, Gastwirt

Die Luisa-Kampagne ist ein niederschwelliges Angebot, das seine Ursprünge in Großbritannien hat. Dort heißt es „Ask for Angela“, hier ist es der Codename Luisa, der geschultes Personal darauf hinweist, dass sich eine Frau sexuell belästigt fühlt und Hilfe benötigt. Mit dem „Galgenhölzle“ gibt es im Bodenseekreis jetzt die erste Kneipe, die sich an der Kampagne beteiligt.

„Wegschauen ist heute leider eine generelle Entwicklung“, sagt Michael Jeckel. Er will mit seinem Team dem entgegenwirken. Auf den Damentoiletten hängen die „Luisa ist hier“-Plakate, damit die Besucherinnen direkt wissen, dass sie sich an das Personal wenden können, wenn sie sich bedroht, bedrängt, durch Belästigungen verunsichert oder gar sexuell belästigt fühlen.

Die Hilfestellungen können hier ganz unterschiedlich sein, vielleicht reicht es, jemanden zu benachrichtigen, der die Besucherin abholt oder sie nach draußen begleitet, um beispielsweise ein Taxi zu rufen, damit sie sich wieder sicher fühlt.

„Ob sich eine Frau belästigt fühlt, hängt ganz allein von ihrer persönlichen Wahrnehmung ab“, sagt Stefanie Erker, Mitarbeiterin im Bereich beschützende Einrichtung. Wenn es eine Frau in Ordnung findet, dass ihr beispielsweise ein Mann an den Po fasst, dann sei es ja in Ordnung.

Kampagne soll im Bodenseekreis etabliert werden

Aber es gebe auch Frauen, die nicht den Mut hätten oder nicht wissen, wie sie sich dagegen wehren sollen - und hier sei „Luisa“ eine Möglichkeit, direkt vor Ort Hilfe zu holen. „Die Frauen sollen sich ernst genommen fühlen, es geht nicht darum, dass sie sich erklären oder für ihre Gefühle rechtfertigen müssen, sondern dass sie Hilfe erfahren, wenn sie sich bedrängt oder bedroht fühlen“, fügt Katrin Stumpf von der Arbeiterwohlfahrt an. Gemeinsam mit der Familien- und Frauenbeauftragten des Bodenseekreises, Veronika Wäscher-Göggerle, möchten sie die Kampagne im Bodenseekreis etablieren.

„Wir haben gut 30 Kneipen, Discos oder für junge Leute angesagte Lokale im Bodenseekreis angeschrieben“, sagt die Frauenbeauftragte. Jetzt hoffen sie, dass dem „Galgenhölzle“ noch mehr Nachahmer folgen. „Man muss nur zwei Stunden für eine Schulung am Landratsamt investieren und das Plakat aufhängen“, erklären die Initiatorinnen. Die Schulungen sind kostenlos und inhaltlich werden die Mitarbeiter aufgeklärt, was genau ein Übergriff ist und wie man helfen kann.

Hilfe vor Ort

„Es geht darum, konkret Hilfe anzubieten, aber auch das Bewusstsein zu schaffen, dass beispielsweise ein Griff an den Po eben kein Kavaliersdelikt ist“, sagt Landrat Lothar Wölfle und erhofft sich so auch eine Wirkung bei Männern, die eine solche Handlung als normal empfinden. Mit der „Luisa“-Kampagne wird schnell und vor Ort Hilfestellung geleistet.

Sollte eine Frau darüber hinaus aber noch Hilfe benötigen, kann sich die Betroffene an das Notruftelefon der AWO und der beschützenden Einrichtung wenden. Die Telefonummer ist auch auf dem Luisa-Plakat zu finden.

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