Resonanz auf jüdische Kulturtage ist sehr positiv

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Zwei Leben in Musik und Bildern: "Ein Chanson für Edith Piaf" beleuchtet das Leben der Sängerin und ihres Pianisten, eines Juden
Zwei Leben in Musik und Bildern: "Ein Chanson für Edith Piaf" beleuchtet das Leben der Sängerin und ihres Pianisten, eines Juden (Foto: sz)

Am Sonntag sind die dritten Jüdischen Kulturtage in Überlingen zu Ende gegangen. Die Veranstalter ziehen ein positives Fazit. Dr. Thomas Hirte: „Ich habe nur gute Resonanz von den Besuchern bekommen, auch und vor allem hinsichtlich des sehr interessanten Programms und den guten Künstlern.“ Einzig bedauerlich sei der etwas verhaltene Zuspruch beim Konzert mit Gitarre und Streichquartett am Samstagabend gewesen. Hirthe kennt die Erklärung: Zwei andere Kulturveranstaltungen in Überlingen und Salem hätten für Konkurrenz gesorgt.

Anders als in den beiden Jahren zuvor sind die Kulturtage dieses Mal nicht nur ebenso vielfältig gewesen, sondern haben unter dem besonderen Akzent der Jugend gestanden, sagt Lothar Fritz. Er hat den Deutsch-Israelischen Jugendaustausch begleitet. Zehn Jugendliche aus Baden-Württemberg und zehn Jugendliche aus Israel sind zu Beginn der Jüdischen Kulturtage am 1. September in Überlingen eingetroffen. Sie bleiben noch bis Donnerstag. Zu ihrem Programm zählte unter anderen das Spurensuchen jüdischen Lebens in Konstanz und Überlingen, aber auch einen Besuch der Schabatt-Feier der jüdischen Gemeinde in Freiburg, bei der erstmals der neue Rabbi Avraham Yitzhak Radbil gepredigt hat.

Ein weiterer Aspekt war die Ausstellung über jüdische Spuren in Überlingen, die Zehntklässler der Realschule gestaltet haben. Sie war in der Sparkasse zu sehen. Im Vorprogramm der Cinegreth lief der Film „Jugend in Überlingen“, den Überlinger Gymnasiasten gedreht haben und extra für die Kulturtage noch mit englischen Untertiteln versehen haben, so Karin Walz, Mitinitiatorin.

Zu den Höhepunkten der Veranstaltungsreihe gehörte der Sonntag. Unter der Leitung des Überlingers Oswald Burger diskutierten Dr. Joel Berger, Ex-Landesrabbiner, und Professor Dr. Wolfgang Benz vom Zentrum Antisemitismusforschung in Berlin. „Die Menschen haben viel mitgenommen an Bildern, was Antisemitismus heute bedeutet und wo er auftaucht“, sagt Thomas Hirthe.

„Ein Chanson für Edith Piaf“ erzählte am Sonntagabend in Texten und Musik das Leben von Edith Piaf und ihres Pianisten Norbert Glanzberg, eines Juden. 1936 begegnet er der Sängerin zum ersten Mal, die nach einer Gesangseinlage ihr Trinkgeld einsammelt. Er ahnt in jener Nacht nicht, dass sein Leben einmal von ihr abhängig sein sollte. 1941 ist er während einer Tournee durch Südfrankreich der Pianist der Piaf. Mit ihrer Hilfe überlebt er von 1942 bis 1944 Verfolgung, Verhaftung und Deportation. Illustriert durch Originalfotos, eindringliche Texte, Lieder und Chansons haben es die drei Künstler Maegie Koreen (Sängerin und künstlerische Leiterin), Pascal Vallée (Sänger) und am Piano Niclas Floer verstanden, auf der Bühne der Kapuzinerkirche zwei Schicksale miteinander zu verknüpfen. Und damit eine der dunkelsten Kapitel europäischer Geschichte menschlich greifbar, wenn auch nicht begreifbar zu machen.

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