Raubüberfall auf Rentnerin bleibt rätselhaft

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Ein rätselhafter Raubüberfall wurde vor dem Landgericht Konstanz verhandelt.
Ein rätselhafter Raubüberfall wurde vor dem Landgericht Konstanz verhandelt. (Foto: Archiv)
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Vor dem Landgericht Konstanz sollte in der vergangenen Woche ein rätselhafter Raubüberfall auf eine 77-jährige Frau in einem Vorort von Überlingen aufgeklärt werden. Nach zwei Verhandlungstagen stellte sich heraus, dass ein weiterer wichtiger Zeuge befragt werden muss.

Ein als mutmaßlicher Täter angeklagter 41-jähriger Mann aus dem Bodenseekreis streitet ab, etwas mit der Sache zu tun zu haben: In der Abenddämmerung eines Novembertages 2017 klingelten drei vermummte Personen an der Haustür der 77-Jährigen. Die Seniorin dachte, es sei ihr Enkel, der sich einen Halloweenscherz mit ihr erlaubte, und öffnete. Sogleich wurde sie in den Hausflur gedrängt und der Wortführer des Trios herrschte sie an: „Wo ist Geld von Bruder?“

Er musste gewusst haben, dass sich im Anwesen der Rentnerin ein Gelddepot befand, was sie für ihren Bruder angelegt hatte. Warum der Geschäftsmann unbedingt bei ihr Geld verstecken wollte, blieb vor Gericht bislang ungeklärt. Die 77-Jährige, die bei dem Überfall zweimal gewürgt und zu Boden gestoßen wurde, gab sich hierzu vor Gericht bedeckt. Ihr Bruder habe damals einen großen Streit mit seinem Sohn über finanzielle Dinge gehabt, erklärte sie zögernd.

Er habe in ihrem Haus einen Tresor für sein Geld einbauen wollen, was sie allerdings abgelehnt habe. Sie selbst habe später eine Dose mit dem Geld in ihrem Garten vergraben. Nachdem sie die Täter aus Todesangst zu dem Versteck geführt habe, hätten diese es an sich genommen und seien verschwunden. Danach rief die Frau ihren Bruder an, nicht die Polizei.

Vor Gericht gab sie an, sie wisse nicht, um welche Summe es sich handelte. Auch könne sie sich nicht vorstellen, dass ihr Bruder einem flüchtigen Bekannten von dem Geldversteck in ihrem Garten erzählt habe. Eine der drei maskierten Personen soll der 41-jährige Angeklagte sein. Die anderen beiden sind immer noch unbekannt. Einziges Indiz für die Täterschaft des 41-Jährigen sind einzelne Hautschüppchen von ihm, die am Tatort gefunden wurden. Laut einer DNA-Analyse stammen sie mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:5,7 Billionen von ihm. Wie sie dorthin gelangt sind, kann sich der Angeklagte nicht erklären. Er habe zwar früher, und zuletzt Anfang des Jahres 2017 kurzen Kontakt mit dem Bruder der 77-Jährigen gehabt, erklärte er. Die Frau selbst kenne er nicht, und er sei auch noch nie in deren Haus gewesen.

Geldbesitzer als Zeuge hören

Der Verteidiger des Angeklagten äußerte große Zweifel an der Beweiskraft der aufgefundenen Spur. Sie müsse nicht unbedingt bedeuten, dass deren Träger sich am Tatort aufgehalten habe, monierte er unter Verweis auf eine wissenschaftliche Studie. Das Gericht will nun den Besitzer des geraubten Geldes unbedingt als Zeugen hören. Er hatte sich zunächst wegen gesundheitlicher Probleme entschuldigen lassen. Am Freitag soll der Prozess fortgesetzt werden, diesmal aber nicht in Konstanz, sondern im Amtsgericht Überlingen.

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