„Ohne deutliches finanzielles Engagement der Region wird nichts gehen“

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Ulrich Bauer (2. v. l.) und Wolfgang Schreier (r.), Co-Präsidenten der Initiative, hatten Bernd Klingel, und die Schweizer Patri (Foto: ia)
Isabelle Arndt

Zwar wurde am Freitagabend eine Resolution für eine attraktive Bodenseegürtelbahn verabschiedet – „in der Hoffnung, es bewirkt was“ –, doch konkrete Pläne und damit Anlass zu Hoffnung gab es nicht. Im Gegenteil: Einige Anwesende der Veranstaltung der Initiative Bodensee-S-Bahn befürchteten gar eine Verschlechterung der aktuellen Situation, wenn die umliegenden Bahnstrecken elektrifiziert würden und die Strecke Radolfzell-Friedrichshafen nicht. Da halfen auch Erfolgs-Beispiele von Experten aus der Schweiz wenig. Werner Fritschi von der Thurbo AG, einem der Schweizer Erfolgsmodelle, empfahl das zu schätzen, was man habe.

Dass es nicht um ein aktuelles Thema gehen würde, hatte Wolfgang Schreier, Co-Präsident der Initiative, gleich zu Beginn deutlich gemacht. Die Initiative kämpft seit bald zehn Jahren für eine Gürtelbahn, an diesem Abend sollten neue Impulse entstehen. Die Frage des Abends: „Wie kommen wir zu einer attraktiven Bodenseegürtelbahn?“ konnte nicht zur vollständigen Zufriedenheit der Anwesenden im Überlinger Kursaal-Foyer beantwortet werden.

Die Hauptziele für das deutsche Ufer: ein Halbstundentakt für Regional- und ein Stundentakt für Interregionalbahnen, dazu grenzübergreifende und aufeinander abgestimmte Angebote, am besten von 6 bis 24 Uhr. Diese wurden auch in der Resolution festgehalten, „in der Hoffnung, es bewirkt was“, sagte Schreier. Und mit der Absicht, die Planungen zu beschleunigen und finanziell abzusichern.

Zukunftsmusik für Bahnreisende am nördlichen Bodenseeufer, bereits realisiert am südlichen in der Schweiz. „In der Schweiz war der Ausbau des bestehenden Bahnnetzes am wirksamsten“, sagte Schreier und hatte daher Experten aus der Schweiz eingeladen. Patrick Altenbruger, Leiter der Koordinationsstelle für Schaffhausen, war einer dieser Experten und kennt das Problem der Finanzierung: „Ohne Moss nichts los“. In seinem Fall waren 75 Prozent der Schaffhausener für das 75 Millionen Franken teure Projekt und ermöglichten so eine S-Bahn.

Solche Erfolgsmeldungen sorgten für weiteren Unmut bei den Anwesenden, die nicht nur über fehlende Planung verärgert waren. Auch die vielen Verkehrsverbünde, mit denen eine Reise umständlich und teuer werden könne, verärgerten so sehr, dass die Forderung, diese abzuschaffen mit viel Applaus belohnt wurde. Auch an Qualität und Ansprechpartnern fehle es.

Bernd Klingel hatte die undankbare Aufgabe, Träume auf den Boden der Tatsachen zu bringen: „Ohne deutliches finanzielles Engagement der Region wird nichts gehen“. Im Rahmen der Frage „Wo fange ich an zu optimieren?“ hätten andere früher geplant. „Dass es nicht ideal ist, ist glaub ich den ganzen Abend deutlich geworden“, sagte er. Trotzdem sah er die Regionalisierung als Erfolg, es sei in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren Beachtliches passiert.

Grünen-Politiker Martin Hahn zog das Fazit, dass man Potenziale erschließen und Einseitigkeit in der Mobilitätsplanung hinter sich bringen müsse. Doch auch für ihn ist keine Finanzierung ersichtlich, obwohl es eine gute Geschichte sei. Auch für die geplante Landesgartenschau, über die Überlingens Oberbürgermeisterin Sabine Becker sprechen wollte. Krankheitsbedingt musste ihr Grußwort jedoch ausfallen.

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