Närrischer Viererbund kommt am See zusammen

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Sie sind beim Viererbund-Treffen die Hauptfiguren: Oberndorfer Hansel, Rottweiler Federahannes, Überlinger Hänsele und Elzacher
Sie sind beim Viererbund-Treffen die Hauptfiguren: Oberndorfer Hansel, Rottweiler Federahannes, Überlinger Hänsele und Elzacher Schuttig. (Foto: NZÜ)
Schwäbische Zeitung

Nur alle 14 Jahre ist eine der vier Städte Rottweil, Oberndorf am Neckar, Elzach und Überlingen Austragungsort eines ganz besonderen närrischen Spektakels: der Narrentag des Viererbunds. Zum mittlerweile 20. Mal treffen sich dabei die unterschiedlichsten Narrengestalten mitsamt ihrer überlieferten Bräuche, die weit ins Mittelalter zurückreichen.

Diese historischen Wurzeln sind es auch, die im Jahr 1953 dazu führten, dass sich zunächst nur die Narrenzünfte aus Rottweil, Elzach und Überlingen von der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) lossagten. Ein Einschreibebrief soll damals diesen Austritt eingeleitet haben. Als Grund wurde das ausufernde Fastnachtsreiben genannt, sich in zu kurzen Abständen bei Narrentreffen außerhalb des eigenen Ortes zu sehen. Außerdem hieß man die stetig wachsende Anzahl neu geschaffener Narrenzünfte ohne jegliche historische Grundlage nicht gut, heißt es in der Pressemitteilung der Überlinger Narrenzunft. Schließlich brachten noch Bestrebungen just auch dieser jüngeren Zünfte, sich dem Bund deutscher Karnevalsvereine anzuschließen, das Fass zum Überlaufen, erklärt die Narrenzunft weiter.

Der gemeinsamen Sache der Brauchtumsbewahrung verbunden, schlossen sich diese drei abtrünnigen Zünfte zu einem Bündnis zusammen, der lediglich per Handschlag besiegelt wurde. Im Jahr 1958 kam die Narrenzunft Oberndorf dazu und aus dem anfänglichen Dreier- wurde ein närrischer Viererbund.

Dieser Handschlag von Freunden zählt auch heute noch. So führt er nun am Wochenende 25. und 26. Januar etwa 5500 Narren aus diesen Viererbund-Städten am Bodensee zusammen. Gefeiert wird dieser Narrentag auch eingebettet in die Jubiläumsfeierlichkeiten der Stadt Überlingen.

Bereits am Freitag, 24. Januar, wird um 19 Uhr eine Ausstellung rund um den Viererbund eröffnet, die Geschichte und Besonderheiten dieser närrischen Freundschaft dokumentieren und vermitteln soll. Die Ausstellung mit dem passenden Namen „Fasnet Hoch 4 – Schwäbisch-alemannische Narretei im Viererbund“ ist gleichzeitig auch die Jahresausstellung der Stadt und lockt bis Sonntag, 4. Oktober, in die städtische Galerie „Fauler Pelz“. Während des Narrentags ist der Eintritt zur Ausstellung frei. An diesem Freitag haben dann auch bereits die 44 Besenwirtschaften und weitere Gastronomiebetriebe in der Stadt geöffnet. Zeit auch die Viererbund-Getränkelinie zu probieren, die speziell für diesen Narrentag kreiert und mit dem Partner „Walder-Bräu“ aus dem oberschwäbischen Königseggwald umgesetzt wurde. Diese Getränkelinie mit närrischem Etikett, bestehend aus Bier, Radler und zwei weiteren antialkoholischen Getränken soll auch über den Narrentag hinweg angeboten werden.

Offiziell startet der Narrentag dann am Samstag, 25. Januar, um 11 Uhr mit dem Narrenbaumstellen auf der Hofstatt. Zuvor wird das „edle Holz“, wie man den Baum in Überlingen auch bezeichnet, mit einem Umzug der Überlinger Zimmergilde durch die Stadt gezogen. Im Anschluss proklamieren die Ausscheller aus Rottweil die Eröffnung des Narrentags. Erster Höhepunkt des Narrentags ist dann am Samstagabend, 25. Janurar, ab 19 Uhr der Nachtumzug der vier Narrenzünfte durch die bengalisch beleuchtete Innenstadt. Angeführt von der Narrenzunft Oberndorf mit ihren sehr gebefreudigen Narrenfiguren Hansel, Narro und Schantle geht es vom Hänselebrunnen bis durchs Franziskaner-Tor vorbei am Münster bis zur Hofstatt.

An zweiter Stelle erwartet die Besucher die Narrenzunft Rottweil, die mit zahlreichen Narrentypen aufwartet, wie unter anderem dem Federahannes, dem Gschell oder dem Biss. Es folgen nach der großen Abordnung aus der Neckarstadt die Gastgeber vom Bodensee, die Hänsele. Dieses Häs wirkt nachts besonders dämonisch, wie auch der rote Schuttig aus dem Schwarzwaldstädtchen Elzach, erklärt die Narrenzunft.

Die große Schuttigschar bildet mit brennenden Fackeln ausgestattet den Abschluss des Nachtumzugs, der mit dem großen Schuttigfeuer auf der Hofstatt endet. Hierbei hat der schwarze Teufelsschuttig als Einzelfigur dieser Narrenzunft einen ganz beeindruckenden Auftritt an der Feuerstelle, in die jeder Schuttig seine Fackel wirft. Nach dem Nachtumzug folgt eine Freinacht, die auch auf dem Motorschiff München gefeiert werden kann. Das große Bodenseeschiff liegt während des Narrentags fest vertäut als Partylocation an der Überlinger Seepromenade.

Der Sonntag startet um 9 Uhr mit einer „Messe für Narren“ im Münster. Um 10.30 Uhr folgt die Aufführung des Schwerttanzes durch die Überlinger Schwerttanzkompanie. Eine Besonderheit, wird der Tanz doch sonst immer nur im Sommer in Überlingen aufgeführt und sonst auch bei keinem Narrentag in einem der anderen drei Viererbundorte. Um 11 Uhr folgt ein Frühschoppen mit den Kapellen der vier Städte, ehe sich ab 14 Uhr der große Umzug seinen Weg durch die alte Narrenstadt am Bodensee bahnt. Zum Abschluss spielen die vier Stadtkapellen noch gemeinsam die vier Narrenmärsche auf der Hofstatt. Ein besonderes Erlebnis, weshalb sich auch das SWR-Fernsehen angekündigt hat und erstmals beide Umzüge übertragen wird, zusätzlich auch noch eine „Treffpunkt“-Sendung.

Man rechnet mit 15 000 bis 20 000 Zuschauern. Ein P+R-Parkplatz ist ausgeschildert und ein Bus-Shuttle eingerichtet. Für den Narrentag gibt es auch Sonderfahrten mit Zug, Bus und Schiff. Die Fahrpläne dazu finden sich auf der Homepage www.narrentag2020.de und in der kostenlosen Narrentag-App.

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