Kennzeichen: Überlingen will wieder „ÜB“ am Auto

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Schwäbische Zeitung
Redakteur Südfinder

„Sie mussten bei diesem Tagesordnungspunkt sicher schmunzeln“, scherzt Überlingens Oberbürgermeisterin Sabine Becker: Kurios mutet es auch an, dass man die alten Kennzeichen mit dem „ÜB“ statt „FN“ wieder am Auto haben möchte. Wirklich entscheiden kann dies der Gemeinderat auch gar nicht, dennoch entwickelt sich eine lebhafte Diskussion. Am Schluss stimmtder Gemeinderat mit 15 zu acht Stimmen für eine mögliche Wiedereinführung.

Die Hochschule Heilbronn hatte in einer Studie herausgefunden, dass sich ein Großteil der Bevölkerung, vor allem die jüngeren, die alten Kennzeichen als Wahlmöglichkeit zurück wünschen. Deswegen haben die Oberbürgermeister Richard Arnold von Schwabisch Gmünd und Rudolf Michl von Crailsheim die Initiative gestartet, der sich nun weitere Städte anschließen können.

Oberbürgermeisterin Becker wollte die Entscheidung für Überlingen nicht alleine treffen und lässt deswegen den Gemeinderat beraten. „Ich fände es gut, wenn die zweite große Kreisstadt ihre Kennzeichen behält, auch wenn wir auch sicherlich wichtigere Themen hätten“, steigt Becker in die Diskussion ein.

Selten wurde wohl ein Thema am Ratstisch mit so viel Emotionen diskutiert, ohne dass das Gremium überhaupt wirklich eine Entscheidung fällen kann. Michael Jeckel (CDU) bezeichnet sich selbst als Lokalpatrioten, kann einem ÜB-Kennzeichen aber nichts abgewinnen. Seit 40 Jahren würde man mit den „Schwoba“ in einem Kreis „wurschteln“ und versuchen eine Einheit zu werden, die alten Kennzeichen würden diesen Bestrebungen zuwider laufen. „Seit damals versuchen wir den Spätzlegraben in Immenstaad zuzuwerfen, jetzt machen wir wieder ein Fass auf bei dem wir nur Hähme ernten können“, ärgert sich Jeckel.

Ein klares Nein kommt auch von Michael Wilkendorf (SPD). Seit 1972 arbeite man daran ein Kreisbewusstsein zu entwickeln, die Rückkehr zu alten Kennzeichen würde diese Bemühungen konterkarieren. Auf den Einwand von Astrid Eilers (LBU), dass die Einheit nicht an den Kennzeichen liege, entgegnet Wilkendorf, dass die Einheit von Symbolik lebe, bei den Kennzeichen ginge es ausschließlich um Symbolik.

Reinhardt A. Weigelt (FDP) kann der Sache durchaus etwas positives abgewinnen: „Touristisch kann das ein Markenzeichen werden, warum also nicht?". Jeckel hingegen sieht in der Wiedereinführung gar eine „verheerende Außenwirkung“, denn die alten Kennzeichen würden ja weit über die Stadtgrenzen hinaus diskutiert werden. „Dann sind wir wieder die großgoschigen Reichstädter", gibt er zu bedenken.

„Wenn die Kennzeichen die Einheit im Kreis ausdrücken sollen, dann hätte man auch etwas nehmen können was den Bodensee abkürzt wie beispielsweise BOD“, meldet sich Astrid Eilers nochmals zu Wort. Zwischenzeitlich kann Udo Pursche (SPD) sich kaum noch beherrschen und ruft immer wieder „So ein Mist“ und „Blödsinn“ in die Runde und fordert mehrfach seine Ratskollegen zur Abstimmung auf. „Die Diskussion ist peinlich, wir können doch das gar nicht selbst entscheiden, warum diskutieren wir denn dann hier rum“, echauffiert sich der Sozialdemokrat.

Schließlich gibt es doch eine Mehrheit für die Wiedervergabe der alten Kennzeichen, Sabine Becker kann ihre Unterschrift unter die Initiative setzen. Ob es nun aber wirklich dazu kommen wird, dass sich der Bürger wieder ein ÜB oder TT für Tettnang ans Auto heften kann bleibt abzuwarten, da die Entscheidung darüber in Berlin gefällt werden muss.

Die Initiatoren rechnen sich gute Chancen aus, da die betreffende Bundesverordnung demnächst ohnehin geändert werden muss, da insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen einer Gebietsreform die Zulassung mehrerer Kennzeichen pro Kreis beabsichtigt ist.

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