Drei Jahre Haft für Betrüger

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Drei Jahre Haft für Betrüger.
Drei Jahre Haft für Betrüger. (Foto: dpa)

Das Amtsgericht Konstanz hat einen 54-jährigen Geschäftsmann aus dem Raum Überlingen wegen Betrugs in zwei Fällen zu drei Jahren Haft verurteilt. Der mehrfach vorbestrafte Familienvater stand zum Zeitpunkt der neuen Straftaten noch unter Bewährung.

Eine 79-jährige Bekannte erstattete Strafanzeige. Sie behauptete, dass ihr der Mann im November 2016 eine Summe von 77 000 Euro, die er in 100-Euro-Scheine wechseln sollte, nicht mehr zurückgegeben habe. Vor Gericht berichtete die Zeugin zunächst, sie habe diese Summe in 500-Euro-Scheinen in ihrem Safe aufbewahrt. Als sie erfahren habe, dass die Banknoten demnächst aus dem Verkehr gezogen würden, habe der Bekannte sich angeboten, das Geld zu wechseln. Sie habe ihm vertraut, weil eine Freundin ihn als sehr fleißigen und seriösen Geschäftsmann beschrieben habe. Der Verlust der 77 000 Euro sei für sie sehr schmerzhaft, denn es habe sich um die gesamten Ersparnisse eines langen Arbeitslebens gehandelt.

Als die Vorsitzende Richterin wissen wollte, warum sie das Geld nicht einfach auf einer Bank wechseln ließ, wusste die äußerlich wesentlich jünger wirkende Zeugin keine Antwort. Als einer der Verteidiger des Angeklagten ihr vorhielt, dass es tatsächlich 150 000 Euro waren, die sie dem 54-Jährigen übergeben hatte, von denen er inzwischen 73 000 Euro zurückgezahlt habe, gab die Zeugin sich verwirrt. Schließlich gab sie zu: „Ich schwöre, dass ich das einfach vergessen habe.“ Es sei richtig, dass der Angeklagte ihr bereits 73 000 Euro zurückgegeben habe. Dann musste sie auch noch zugeben, dass sie im etwa gleichen Zeitraum Ende 2016 eine Immobilie im Wert von 277 000 Euro gekauft und bezahlt hatte. Damit stellte sich die Behauptung, es habe sich bei den übergebenen 77 000 Euro um ihre gesamten Ersparnisse gehandelt, endgültig als Lüge heraus. Später erfuhr man, dass der Angeklagte ihr die Immobilie vermittelt hatte. Hintergründe blieben im Dunkeln, aber dass der Angeklagte die Restsumme von 77 000 Euro einbehalten hat, stand fest.

Der 54-Jährige berichtete, er habe sein ganzes Vermögen in die Entwicklung von medizintechnologischen Produkten gesteckt. Zweimal musste er den Offenbarungseid leisten und eine hochwertige Immobilie, die einmal sein Zuhause war, veräußern. Der Schuldenberg wurde so nicht kleiner. Im März 2017 gelang es ihm, einen neuen Bekannten dazu zu bringen, ihm 200 000 Euro zu leihen. Innerhalb eines Jahres sollte das Geld zurückgezahlt werden. Außerdem sollte der Geldgeber pro Halbjahr 35 000 Euro Tantiemen erhalten.

Der 54-Jährige erklärte, mit dem Geld habe er die Entwicklungskosten für ein medizinisches Gerät und den Vertrieb eines von ihm selbst entwickelten Nahrungsergänzungsmittels finanzieren wollen. Dass er mit einer Million Euro verschuldet, und das von ihm Produkt noch gar nicht auf dem Markt war, verschwieg er dem Darlehensgeber. Vor Gericht rechtfertigte er den zweiten Betrug damit, dass er das Zustandekommen eines kurz vor dem Abschluss stehenden Vertrags gefährdet hätte, wenn er bei der Wahrheit geblieben wäre. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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