Das ist mehr als bloß ein Appetithappen

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Schwäbische Zeitung
Karin Walz

Die „Kinder + Jugendbuchtage“ Überlingen gehen nach dem großen Erfolg 2011 in die zweite Runde. Die jungen Buchfans – und solche, denen die sieben Tage „Appetit“ auf Literatur machen wollen – dürfen sich auf ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Programm freuen. Auch für Erwachsene hat der Veranstalter, der Überlinger Verein Lesezeichen, einige interessante Angebote.

Der „Lesetempel“ ist in diesem Jahr ein original marokkanisches Beduinenzelt. Als zentraler Veranstaltungsort auf der grünen Wiese passt er gut zum Motto: „Bücher ohne Grenzen“. „Ein Hingucker in Promenadennähe“, so Christina Walz. Gemeinsam mit Vorstandskollegin Sibylla Kleffner und Hedi Rothkegel stellte sie gestern der Presse das vom 18. bis 24. Juni dauernde Programm vor. Bei dessen Vorbereitung bekam das achtköpfige Überlinger Organisationsteam erstmals Verstärkung von acht Studentinnen einer Projektgruppe der Universität Konstanz.

Die Veranstaltungsorte sind zentral gelegen. Zu ihnen zählen – mit innerschulischen Aktionen – wieder Schulen und Kindergärten sowie das Jugendcafé. Weitere Anlaufstellen sind der Gallerturm, das Torhaus, die Stadtbücherei, ein Schiff und die Volksbank Überlingen. Dort widmet sich die Ausstellung „Pop-Up“ Büchern mit 3D-Effekt. Erstmals gibt es dank einer Kooperation mit der BSB ein „Bücherschiff“. Am 23. Juni startet dieses am Landungssteg zu einer vierstündigen Tour mit zehn „Geschichten rund um die Welt“. Mitfahrgelegenheit besteht auch auf Teilstrecken. „Wir wollen das Lesefest mehr in die Stadt holen“, erklärt Walz die erweiterte Zahl der Aktionsorte.

Unter der Rubrik „Lokale Autoren lesen“ sind dieses Mal dabei: Barbara Schmuker, Thomas Kuphal, Fiona Stöber, Julius Traupe, Luise Blumenstein und Lilly Heuer. Eine „zauberhafte Lesung“ im doppelten Wortsinn. Das „Mitspinn-Theater“ für Kinder mit Tinka Kleffner und Michael Dietrich fordert und fördert die Fantasie. Doreen Schade bietet „Tierisches“ an: Eine (Vor)Lesestunde mit Hund als Publikum.

2012 ist auch das Jubiläumsjahr der Brüder Grimm: Vor 200 Jahren erschienen ihre Kinder- und Hausmärchen. Aus diesem Grund widmet sich der „Märchentag“ im Lesezelt ganz diesem Thema. Speziell an Erwachsene wendet sich der Vortrag der Diplompädagogin Helga Zitzlsperger. Sie gibt Antworten auf die Frage: Sind Märchen für Kinder noch zeitgemäß und dies trotz der immer wieder kritisierten Grausamkeiten?

Ein Anliegen verbinden der Familientreff Kunkelhaus und der Verein Lesezeichen mit ihrer Aktion für Teilnehmerinnen des „Treffs für Integration und interkulturelle Vielfalt – wir sprechen Deutsch“. Im Beduinenzelt erhalten Eltern und Kinder Zugang zu Büchern und sprachfördernden Angeboten. Die Erwachsenen erhalten zu diesem Anlass einen Jutesack mit gut gefülltem Inhalt von der Stiftung Lesen.

Deren Referentin, Christine Kranz, gibt zusätzlich in einem Vortrag Tipps zur Auswahl geeigneter Kinderlektüre. 25 Erwachsene können sich darüber hinaus für ein von der Stiftung angebotenes Praxisseminar für Vorleserinnen und Vorleser anmelden. Das Thema „Literatur in Bildern“ greift Walz auf und stellt Erzählweisen grafischer Literatur für Kinder- und Jugendliche inklusive aktueller Trends vor. Zwei halbtägige Stimm- und Sprechcoachings bietet Tinka Kleffner für jeweils zwölf Personen an.

Gästebuch für Kommentare

Auf 50 ausgewählten Bücherbänken warten im Überlinger Stadtgebiet an einer Leine befestigte Kinder- und Jugendbücher auf Leseratten. Ein Gästebuch ist offen für poetische Kommentare großer und kleiner Autoren, und an der Poststelle der Stadtbücherei können Kinder und Erwachsene selbst verfasste Kurzgeschichten und Gedichte in einem Umschlag anonym abgeben und gegen einen anderen Umschlag eintauschen – Überraschungen sind eingeplant.

Auf rege Teilnahme hoffen die Organisatorinnen beim Poetry Slam-Workshop für Kinder und Jugendliche, dem sich daran anschließenden Poetry Slam sowie beim erstmals durchgeführten Schreibwettbewerb. Teilnahmeberechtigt sind Zehn- bis 18-Jährige, die nicht weiter als 50 Kilometer vom Bodensee entfernt wohnen.

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