Camerata Serena spielt eindrucksvolles Passionskonzert in Überlingen und Immenstaad

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Eindrucksvolles Passionskonzert der Camerata Serena unter der Leitung von Nikolaus Henseler in der Aula des Salem College in Überlingen. Vor dem Chor stehend die Solisten Wei-Chen Chen, Eva Irmgard Enders, Xuecheng Zhang und Wooram Lim (von links). (Foto: Christel Voith)
Christel Voith

Zweimal hat die Camerata Serena unter der Leitung von Nikolaus Henseler ihr eindrucksvolles Passionskonzert aufgeführt: am Samstag in der Aula des Salem College in Überlingen und am Palmsonntag in der Immenstaader Konzertreihe in St. Jodok. Ein Konzert, das bei aller Trauer den Trost der Verheißung einschloss.

Bewusst hat Henseler den Eingangschoral „Jesus bleibet meine Freude“ aus der Kantate BWV 147 von Johann Sebastian Bach an den Anfang gesetzt. Leicht und frei lässt das junge Orchester aus Studenten der Musikhochschule Trossingen die Musik schwingen, sanft setzt der Chor ein, ruhig fließen die Worte „Jesus bleibet meine Freude..., Jesus wehret allem Leide“ – ein trostreicher Wegbereiter für die nachfolgende Düsternis.

Bleierne Trauer liegt über der achtstimmig a cappella gesungenen Motette „Wie liegt die Stadt so wüst“, die Rudolf Mauersberger 1945 unter dem Eindruck der Zerstörung Dresdens schrieb. Es ist, als versagte den Sängern angesichts der Zerstörung die Stimme. Ein entsetzter Aufschrei, dramatische Rufe, ein Verfallen in Sprechgesang, dann doch der sanfte Ruf nach Trost, ehe das bohrende „Warum?“ in dramatischer Steigerung wiederholt wird. Tief berührend ist die immer tonlosere Klage: „Herr, siehe an mein Elend!“ Eine Motette, mit der Henseler auch an die Zerstörung Friedrichshafens erinnert.

Kultiviert und durchsichtig war hier der A-cappella-Gesang, doch der rund 40-köpfige Chor behauptet sich auch im folgenden Requiem gegen das Orchester, das Mozart ihm dramatisch entgegensetzt. Flexibel folgt der Chor Henselers Interpretation, sehr bewusst trägt er die Stimmungen weiter.

Stille Schönheit liegt eingangs über dem von den Streichern begleiteten „Requiem aeternam dona eis, Domine“, eine Ahnung des verheißenen Lichtes, und in hellen Koloraturen unterstreicht die Sopranistin Wei-Chen Chen die trostreiche Stimmung. Ebenso eindrucksvoll malt der Chor mit Eindringlichkeit die Schrecken des Gerichts, wild wütet dazu das Orchester mit Pauken, Posaunen und Trompeten. Abrupte Stille folgt dem Aufschrei. Im „Tuba mirum“ ist erstmals das Solistenquartett zu hören. Die jungen Master-Studenten und Absolventen aus der Trossinger Hochschule – die Sopranistin Wei-Chen Chen, die Altistin Eva Irmgard Enders, Tenor Xuecheng Zhang und der Bassist Wooram Lim – bilden eine sehr harmonische Einheit. Furcht bestimmt das atemlos hervorgestoßene „Rex tremendae maiestatis“, das in demütiges „Salva me“ mündet. Noch einmal ist das kunstvoll verflochtene Solistenquartett im „Recordare“ zu hören. Auf das lyrische „Lacrimosa“ folgt mit dynamischer Macht eine letzte Beschwörung der Höllenpein, ehe der Chor um Gnade fleht. Alles strebt auf das Ende zu, das „Lux aeterna luceat eis“ bleibt noch lange im Ohr.

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