Blömke will es wieder wissen

Lesedauer: 5 Min
Schwäbische Zeitung

Gestern hat bei den „Überlingen Open“ die Hauptrunde begonnen. Vorjahressieger Dennis Blömke kam erwartungsgemäß eine Runde weiter, schlug in zwei Sätzen den Deutschen Qualifikanten Julian Omken mit 6:1 und 6:2. Der 21-jährige Ismaninger zählt bei dem Herren-Weltranglistenturnier am Bodensee auch dieses Jahr wieder zu den Favoriten. Auch wenn er das selbst ein wenig anders sieht.

Von unserem Redakteur   Oliver Kothmann

Sie kommen aus Australien, Irland, Italien und vielen anderen Nationen der Welt und in Überlingen vereint sie das Streben nach einem einzigen Ziel: Weltranglistenpunkte sammeln, um nach oben zu klettern im internationalen World-Ranking, der ATP-Liste. Auf Platz eins steht da derzeit Rafael Nadal mit 10745 Punkten vor Roger Federer (7215). Gut 300 Plätze dahinter rangiert der Ismaninger Dennis Blömke. Mühsam „ernähren“ sich die Punktesammler wie Blömke bei, tennisglobal betrachtet, relativ kleinen Turnieren wie dem „Future“ in Überlingen. In Zahlen ausgedrückt: Während Nadal und der Rest der Weltspitze bei einem Grand Slam-Sieg 2000 Punkte auf einen Schlag gut geschrieben bekommt, kann Blömke im Fall der erfolgreichen Titelverteidigung am Bodensee gerade mal 17 Punkte verbuchen. Turniere der Future-Serie sind nämlich die kleinste Kategorie von Weltranglistenturnieren. Challenger-, World-Tour- und Grand-Slam-Turniere sind, in dieser Reihenfolge, darüber einzustufen. Aber nahezu alle heutigen Größen der Tenniswelt mussten da durch: Von den Top 100 der ATP-Rangliste haben 98 zu Beginn ihrer Laufbahn Futures gespielt, die quasi die erste Sprosse der Profi-Karriereleiter darstellen.

Blömke kam im vergangenen Jahr als Nummer 940 der Welt nach Überlingen. Der Sieg am Bodensee war der Beginn eines nachhaltigen Aufschwungs, der ihn mittlerweile bis auf Rang 339 trug. Ein erneuter Erfolg in Überlingen könnte ihn nun sogar in den Kreis der besten 300 Tennisprofis der Erde befördern. Doch der Titelverteidiger ist skeptisch: „Meine Form ist derzeit nicht so gut. Ich komme gerade aus Usbekistan, wo ich zwei Challenger-Turniere gespielt habe und jeweils in Runde eins ausgeschieden bin.“

Doch das Publikum in Überlingen hat Blömke in bester Erinnerung. Unvergessen sind seine Auftritte auf der Anlage am Strandweg aus dem Vorjahr, vor allem das Halbfinale gegen den Australier James Lemke. Beim Stand von 3:5 im dritten und entscheidenden Satz sah Blömke schon aus wie der sichere Verlierer. Doch er drehte das Match und riss dabei die 500 Zuschauer mit spektakulären Bällen von den Tribünensitzen.

Knappes Budget

Ein Platz unter den ersten 300 im Welttennis - das ist sportlich bereits eine Erfolgsstory, wirtschaftlich allerdings noch nicht. Gestern Usbekistan, heute Überlingen, nächste Woche Italien - Preisgelder wie in Überlingen (1700 US-Dollar für den Sieger) decken gerade mal Blömkes Reisekosten. Kaum einer der Jungstars hat schon Sponsorenverträge in der Tasche. Auch Blömke nicht. „Am Jahresende komme ich so plus minus Null raus“, sagt der Bayer.

Nach Überlingen kommt er dennoch besonders gerne: „Ich habe bislang etwa 30 bis 40 Futures gespielt. Dieses hier gehört organisatorisch und vom Ambiente her zu den Besten.“ Aber letztlich zählt für ihn, mehr noch vielleicht als für andere Turnierteilnehmer, nur der Erfolg. Denn Blömke hat voll auf die „Karte“ Tennisprofi gesetzt. „Ich habe Mittlere Reife gemacht, bin dann von der Schule ab, um Tennisprofi zu werden.“ Überlingen ist der nächste Schritt. Als Favorit sieht er sich nicht: „Hier kann jeder jeden schlagen.“ Die erste Hürde hat er genommen. Heute wartet schon die nächste. „Open“ in Zahlen

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen