28-Jährige ertrinkt: Eltern suchen Zeugen

Lesedauer: 7 Min
Wer hat die 28-jährige Isabelle Kellenberger am 3. Juni gesehen? Hinweise nimmt die Kripo Friedrichshafen entgegen.
Wer hat die 28-jährige Isabelle Kellenberger am 3. Juni gesehen? Hinweise nimmt die Kripo Friedrichshafen entgegen. (Foto: pm)
Schwäbische Zeitung

Isabelle Kellenberger ist Anfang Juni im Bodensee ertrunken. Ob es sich um einen Suizid, einen Unfall oder um ein Gewaltverbrechen handelt – diesen Fragen geht derzeit die Polizei nach, die von einer „unbekannten Todesursache“ spricht. Die Eltern der 28-Jährigen, die in Herdwangen-Schönach leben, können für sich zumindest eine Option ausschließen. Sie glauben nicht an einen Selbstmord ihrer Tochter und haben sich nun an die Öffentlichkeit gewandt. Über die „Schwäbische Zeitung“ und die Sat1-Sendung „Fahndung Deutschland“ suchen sie nach Zeugen, die am 3. Juni etwas beobachtet haben.

Isabelle Kellenberger ist 28 Jahre alt, arbeitet als Fachangestellte für Bäderbetriebe in den Sommermonaten im Strandbad in Nussdorf und wohnt in Überlingen. Ihre Eltern, Claudia Kellenberger und Karl-Heinz Hulin, beschreiben sie als fröhliche, hübsche junge Frau, die viele Freunde hatte und sehr gesellig war. Zwar sei sie vor ein paar Jahren in psychologischer Behandlung gewesen, aber das habe sie überwunden, sagt ihr Stiefvater. Sie habe einen Freund in München gehabt, eine Wohnung, die sie ihr gekauft hätten. Seine Tochter sei mit sich im Reinen gewesen. Und immer für andere da. „Sie hatte ein Helfersyndrom“, sagt Karl-Heinz Hulin.

Am 3. Juni um 4 Uhr morgens gibt es das letzte Lebenszeichen der 28-Jährigen, als sie mit ihrem Freund telefoniert. Einen Streit gibt es nicht. Als der Freund danach tagelang nichts von ihr hört, setzt er sich mit den Eltern in Verbindung. Diese fahren zur Wohnung ihrer Tochter nach Überlingen. Weil sie von außen nichts Ungewöhnliches bemerken, gehen sie auch nicht hinein, obwohl sie einen Schlüssel haben. „Wir respektieren die Privatsphäre unserer Tochter“, sagt Hulin. Doch als es weiterhin kein Lebenszeichen von der jungen Frau gibt, melden die Eltern sie am 11. Juni als vermisst. Doch zu diesem Zeitpunkt ist die junge Frau schon tot. Ihre Leiche wird bereits am 9. Juni am Ufer bei der Silvesterkapelle in Überlingen gefunden, bekleidet mit BH und Slip. Eine Identifikation ist nur mittels eines DNA-Tests möglich.

Die Eltern können sich den Tod ihrer Tochter nicht erklären. An einen Selbstmord glauben sie nicht. Es habe keinen Abschiedsbrief gegeben und auch die Wohnung habe ausgesehen, als habe Isabelle sie nur kurz verlassen wollen, meint Karl-Heinz Hulin. Er und seine Frau glauben, dass Isabelle zuhause abgeholt wurde und dann mit demjenigen auf den See hinausgefahren ist. Ob es dort zu einem Unfall oder einem Gewaltverbrechen gekommen ist – auch darüber können sie nur spekulieren.

Polizei: „Die Akte ist noch nicht geschlossen“

Fest steht nach den bisherigen Ermittlungen nur, dass Isabelle Kellenberger sowohl Alkohol als auch Kokain im Blut hatte. Und dass bei der Obduktion außer inneren Blutungen an Kopf und Hals keine sichtbaren Verletzungen gefunden wurden, wie Fritz Bezikofer von der Polizeipressestelle in Konstanz auf Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“ bestätigt. Doch diese Verletzungen könnten auch postmortal entstanden sein. Die Leiche habe etwa eine Woche im Wasser gelegen und hätte dabei leicht an einen Stein oder Baum schlagen können.

Die Polizei, so Bezikofer, „geht nicht von einem Suizid aus“, sondern ist sich nur dessen sicher, dass Isabelle Kellenberger durch Ertrinken starb. Um die Umstände zu klären, würde derzeit das Umfeld der Toten untersucht. „Die Akte ist noch nicht geschlossen.“

Auch für die Eltern ist der Fall noch lange nicht abgeschlossen. „Es gibt so viele Ungereimtheiten“, sagt Karl-Heinz Hulin. Über ihren Anwalt haben sie eine Liste mit offenen Fragen an Staatsanwaltschaft und Polizei übermittelt. Und sie hoffen auf Hinweise von Zeugen, die ihre Tochter am 3. Juni gesehen haben und sagen können, ob sie alleine unterwegs war oder was sie getan hat. Ebenfalls nach wie vor nicht gefunden wurden ihre olivefarbene Collage-Tasche mit Geldbeutel und Ausweis, ein älteres Samsung Galaxy in einem Leder-Etui und der Schlüsselbund. Wahrscheinlich trug die junge Frau schwarze Jeans und auf jeden Fall braune Turnschuhe der Marke Kangaroo, Größe 37 mit Klettverschluss.

Zeugen, die am 3. Juni etwas beobachtet haben oder Isabelle Kellenberger gesehen haben, werden gebeten, mit der Kriminalpolizei in Friedrichshafen, Telefon 07541/7010, Kontakt aufzunehmen.

Der Beitrag von „Fahndung Deutschland“ ist in der Sat1-Mediathek zu sehen unter

www.sat1.de

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen