15-Jähriger stirbt nach Deo-Schnüffeln

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Seine Neugier musste Fabian mit dem Leben bezahlen.
Seine Neugier musste Fabian mit dem Leben bezahlen.
Schwäbische Zeitung

Er war ein guter Schüler, lebenslustig und sympathisch – aber eine sinnlose Tat setzte seinem jungen Leben ein Ende: Der 15-jährige Fabian starb am Freitag nachdem er Deo schnüffelte. Sein Vater wendet sich nun an die Medien, um andere Eltern für das Thema zu sensibilisieren.

Von unserem Mitarbeiter Matthias Schopf 

„Mein Sohn war ein guter Schüler. Ich habe 15 Jahre gesehen wie er aufwächst, versucht, alles von ihm abzuhalten und dann passiert soetwas“ – der Vater kann das Erlebte nur schwer in Worte fassen. Der Schicksalsschlag traf ihn völlig unerwartet, nun wendet er sich an die Medien. Wenn er nun andere Eltern für das Thema sensibilisiert, hofft er, dass der Tod seines Sohnes nicht komplett sinnlos gewesen ist. „Fabian wollte sich nicht umbringen, es ist ein Unglück“, so der Vater gegenüber der Schwäbischen Zeitung.

Ein guter Schüler in der Pubertät – der Vater rechnete mit Vielem. „Dass er mal eine Zigarette raucht“, beispielsweise. Nie wäre er auf die Idee gekommen, dass sein Sohn zur Deo-Dose greifen würde. „Wir hatten noch kurz davor Kontakt. Er hat mir am Telefon von seinen super Noten erzählt, ich habe mit ihm verabredet, dass ich ihn zum Essen abhole.“ Dazu kam es aber nicht mehr – als der Vater nach Hause kommt, findet er den Sohn tot neben dem Bett. Die Plastiktüte ist noch über den Kopf gezogen. Butangas – ein Bestandteil des Deosprays – war letztendlich die Todesursache für den Jugendlichen. Er wollte sich wohl berauschen, die Neugier bezahlte er mit dem Leben.

Der plötzliche Unfalltod bewegt den Vater – denn es geschah für ihn ohne jede Vorwarnung. „Ich habe keine Veränderungen an ihm festgestellt. Der Deo-Verbrauch ist vielleicht etwas angestiegen, aber da denkt man ja nichts Schlimmes.“ Deswegen sucht der Vater nun die Öffentlichkeit, er will anderen Eltern dieses Schicksal ersparen. „Ich werde Deo-Sprays nun aus dem Haus verbannen – das sind Mordwerkzeuge“, ist er überzeugt. FCKW habe man vor Jahren verbannt, aber dass noch viele weitere gefährliche Gase im Haushalt seien erfahre man nicht. „Stellen Sie sich mal vor, ein Kleinkind bekommt eine Spraydose in die Hände und sprüht sich versehentlich in den Mund – das ist unglaublich“.

Wie Fabian auf die Idee kam sich mit Deo zu berauschen ist für den Vater „nur sehr schwer“ zu sagen. Wahrscheinlich habe er von Mitschülern vom Schnüffeln erfahren. Die wiederum hätten das wohl aus dem Internet. „Im Netz ist doch nur noch Müll“, ärgert er sich.

Kriminalhauptkommissar Peter Köstlinger ist in der polizeilichen Prävention tätig, informiert ständig im gesamten Kreisgebiet Eltern und Schüler über die Gefahren von Drogen. Köstlinger war zwar gestern nicht für eine Stellungnahme gegenüber dieser Zeitung zu erreichen, aber bei den Sucht- und Gewaltpräventionswochen, die im Dezember am Bildungszentrum Markdorf stattfanden, hatte Köstlinger auch das Thema Schnüffeln angesprochen. „Wir machen seit Jahren die Drogenprävention, um die Kinder zu schützen und die Eltern aufzuklären“, so Köstlinger damals gegenüber der Schwäbischen Zeitung. Damals gab es noch kein konkretes Beispiel aus dem Kreis, heute haben die Warnungen des Polizei-Experten traurige Aktualität: Viele leere Spraydosen sind ebenso ein Alarmsignal für die Eltern wie beispielsweise ein Fläschchen Nagellackentferner im Zimmer eines Jungen. Aufmerksam sollten die Erwachsenen auch werden wenn ein Nichtraucher Nachfüllflaschen für Benzin- und Gasfeuerzeuge besitzt. „Man kann die Kinder nur schützen, wenn man Bescheid weiß“, appellierte Köstlinger für die Beratungsangebote der Polizeidirektion Friedrichshafen.

Während das Thema Schnüffeln nun an Fabians Schule, dem Überlinger Gymnasium, aufgearbeitet wird, will sein Vater möglichst viele Eltern mit seiner Warnung erreichen. Aber neben der Aufklärungsarbeit hat der Vater noch eine schwere Aufgabe: Er muss seinen Sohn zu Grabe tragen. Viel zu früh. Viel zu unverständlich.

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