Zwei anspruchsvolle Werke

Lesedauer: 4 Min
 Die Chorprobe in St. Gallus für das Konzert am Sonntag, 20. Oktober, um 18 Uhr.
Die Chorprobe in St. Gallus für das Konzert am Sonntag, 20. Oktober, um 18 Uhr. (Foto: Christian Lewang)
Gerd Kurat

Mit der C-Dur-Messe op. 86 von Ludwig van Beethoven und dem 42. Psalm von Felix Mendelssohn-Bartholdy hat Georg Grass zwei anspruchsvolle, aber sehr publikumswirksame Werke für den konzertanten Höhepunkt des Kirchenchors St. Gallus in diesem Jahr herausgesucht. Zwischen den beiden Chorwerken mit Solisten und der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben wird am Sonntag, 20. Oktober, um 18 Uhr, das berühmte Orgelkonzert von Francis Poulenc zur Aufführung kommen.

Grass schwärmte bei einem Gespräch vor der Probe von seinem Lieblingskomponisten Felix Mendelssohn Bartholdy. In Tettnang hat er nach seinem Dienstantritt seit 2003 mit dem Lobgesang, Elias und Paulus bereits drei herausragende Werke dieses Komponisten aufgeführt. „Ich habe das Gefühl, dass Mendelssohn mit seiner melodiösen Tonsprache dem St. Gallus-Chor besonders liegt.“ Dies war beim Chorsatz „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott zu dir“ aus dem 42. Psalm zu Beginn der Probe deutlich zu spüren. Geduldig, immer mit einem Lächeln verbunden, begann Grass die Feinarbeit nach einem ersten, flüssigen Durchlauf. An der gemeinsamen Absprache wurde gefeilt, die Intonation in den A-cappella-Abschnitten verbessert, das Wort „Gott“ sollte nicht hineinplatzen, ein schlankes Crescendo wurde ausprobiert. Insgesamt sollte etwas mehr Niedergeschlagenheit zum Ausdruck kommen. Sehr diszipliniert reagierte der Chor und bekam dann, nach vielen Wiederholungen, sogar ein Lob für „die allerschönste Fassung jemals“. So werden die Besucher, zusammen mit der Sopranistin Maria Hegele, die Entwicklung von der bangenden Suche nach Gott über „Harre auf Gott!“, der zentralen Textaussage, bis zur strahlenden Fuge „Preis sei dem Herrn“ mit Trompeten und Pauken erleben können.

Die „kleine“ Beethoven-Messe war im Rahmen des Festgottesdienstes an Weihnachten 2018 bereits in St. Gallus zu hören. Für Grass liegt nun der Reiz einer konzertanten Aufführung darin, die innere Geschlossenheit der 50 Minuten dauernden Messe noch besser aufzeigen zu können. Als Kirchenmusiker bewundert er die damals völlig neue Textbehandlung durch Rücksicht auf alle Inhaltsnuancen mit harmonischen Überraschungen und ausdrucksstarker Melodik.

Die Probe gelingt

Das Solistenquartett mit Maria Hegele, Sopran, Martina Gmeinder, Alt, Marcus Elsässer, Tenor und Hermann Locher, Bass, ist kunstvoll mit dem Chor verbunden, hat außer kleinen Soloabschnitten keine eigenständigen Arien. Das bedeutet für Chor und Solisten ein präzises, hellwaches Reagieren aufeinander. Wie man in der Probe hören konnte, wird dies unter der stützenden Leitung von Georg Grass sicher gut gelingen.

In eine ganz andere Welt wird Patrick Brugger als Solist mit dem Konzert für Orgel, Streicher und Pauke von Francis Poulenc führen. Das 1938 entstandene Werk, von keinem geringeren als dem französischen Organisten Maurice Duruflé mit Registrieranweisungen versehen und uraufgeführt, wandert in sieben Abschnitten vom barocken Ausgangspunkt über die Zirkusorgel bis zum würdigen Choral für die Königin der Instrumente mit vierfachem Fortissimo.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen