Zwölf Mal ohne Führerschein unterwegs: Gericht urteilt Autofahrer ab

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 Zwölf mal ist der Angeklagte ohne Führerschein unterwegs gewesen, weshalb er vom Tettnanger Amtsgericht am Dienstag zu zehn Mon
Zwölf mal ist der Angeklagte ohne Führerschein unterwegs gewesen, weshalb er vom Tettnanger Amtsgericht am Dienstag zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt wurde. Es war nicht das erste Mal: Seit 2004 musste sich der Häfler in insgesamt knapp 80 Fällen wegen des gleichen Vergehens vor Gericht verantworten. (Foto: Archiv: Hannah Metzger)

„Seit 2004 kreuzt mein Mandant unerlaubt auf deutschen Straßen umeinander“ - mit diesen Worten hat der Verteidiger eines Angeklagten am Dienstagmorgen vor dem Tettnanger Amtsgericht die vorgeworfenen Taten wohl treffend zusammengefasst.

Zwölf Mal war der junge Mann ohne Führerschein in Friedrichshafen unterwegs, aus „Bequemlichkeit“, wie dieser sagte. Wohl eher „aus Faulheit“ befand schließlich der Richter, der ihn zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilte.

„Das stimmt alles so“, räumte der Angeklagte, der 1984 in Friedrichshafen geboren ist, gleich zu Beginn ein. Zwischen Februar und November vergangenen Jahres war er an elf verschiedenen Tagen ohne Führerschein in Friedrichshafen unterwegs, bis ihn schließlich am 25. November eine Polizeistreife kontrollierte.

Fahren ohne Fahrerlaubnis in zwölf Fällen vor Gericht

„Vorsätzliches Fahren ohne Fahrerlaubnis in zwölf Fällen“ lautete deshalb die Anklage. Doch der Auszug aus dem Bundeszentralregister verriet, dass es sich hierbei nicht um Einzelfälle handelte: Rund 90 Mal ist der Vater dreier Kinder seit 2004 insgesamt bei Fahrten ohne „Lappen“ aufgefallen.

„Ich habe mir gedacht, da sind so viele Autos unterwegs, wieso sollte ausgerechnet ich kontrolliert werden.“ Deshalb habe er gar nicht an andere Möglichkeiten wie Taxi oder Bus gedacht. „Was für Fahrten waren das denn?“, wollte Richter Max Märkle wissen. Er habe Windeln oder Milch benötigt - oder sei zum Arzt gefahren. Alle Fahrten seien Kurzstrecken innerhalb des Häfler Stadtgebiets gewesen.

Weshalb der Mann keinen Führerschein hat blieb ebenso unklar wie der Umstand, wie die Polizei auf die übrigen Fahrten - außer eben der kontrollierten - gekommen ist. „Ich habe die Schuld bisher immer bei anderen gesucht, weshalb ich keinen Führerschein habe“, berichtete der Angeklagte vor Gericht. Doch das sei nun vorbei - seit einem Jahr besucht er die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) einer Fahrschule, die ihm für die Verhandlung am Dienstag ein hervorragendes Zeugnis ausstellte.

Ich habe mir gedacht, da sind so viele Autos unterwegs, wieso sollte ausgerechnet ich kontrolliert werden.

So sei der Angeklagte „zuverlässig, sehr offen, engagiert, selbstkritisch und einsichtig“ bei der Sache. Auch die Polizeibeamtin, die ihn im November kontrollierte, bezeichnete den jungen Mann als „friedlich und kooperativ“.

Zwar lebt der Angeklagte derzeit getrennt von seiner Ehefrau und den drei kleinen Kindern - das jüngste ist sechs Monate alt - doch sein Ziel sei, wieder als Familie zusammenzuleben. So habe er inzwischen einen Arbeitsvertrag in der Tasche, auch sein Alkoholproblem habe er aufgrund einer Suchtberatung seit geraumer Zeit im Griff und der Kontakt zur Familie sei sehr regelmäßig.

„Ihre Sozialprognose war sicher nie besser als jetzt“, sagte Richter Märkle bei der Urteilsbegründung, weshalb er den Angeklagten zwar zu zehn Monaten auf Bewährung, aber nur zu 600 Euro Geldstrafe verurteilte. Er wolle dem Angeklagten die Chance geben, seinen Führerschein zu machen - und damit strafrechtlich nicht mehr in Erscheinung zu treten. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor neun Monate auf Bewährung, drei Nettoeinkommen sowie eine isolierte Sperrfrist von 18 Monaten gefordert.

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