Zu probieren gibt es „Heiße Ernte“

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Lukas Locher und Natascha Bruns vermischen Kunst mit Bier.
Lukas Locher und Natascha Bruns vermischen Kunst mit Bier. (Foto: anrö)
Anette Rösler

In der Städtischen Galerie am Schlosspark ließ sich am Dienstagabend eine kleine Gruppe von Gästen gerne davon überzeugen, dass Kunst und Bier harmonieren können. Natascha Bruns, Leiterin von Spectrum und Kultur, gemeinsam mit Hopfenbrauer und Biersommelier Lukas Locher vom Hopfengut No20, wagten etwas Neues und vermischten auf abwechslungsreiche Weise die beiden Themen.

Im Rahmen der Ausstellung „Bin im Garten“, die Kunstwerke aus Malerei, Grafik und Land-Art präsentiert, sei das für ihn eine Herausforderung, sagte Lukas Locher. Aber man könnte ja durchaus auch sagen „Bin im Hopfen-Garten.“ Ausgeheckt hätten das Ganze Natascha Bruns und Lukas Lochers Schwester, Charlotte Müller. „Es ärgert mich ein bisschen, dass zu einem besonderen Essen immer Wein empfohlen wird. Unsere speziellen Biere passen genauso gut“, meinte Lukas Locher.

Ölbilder der jungen Künstlerin Anselma Murswiek aus München mit satt grünen Blättern seien das passende Stichwort für den ersten „Bier-Gang“. Zu probieren gab es „Heiße Ernte“, ein grün gehopftes Bier, das aus den Aromen des frischen, ungetrockneten Hopfens besteht. Schaue man ins Glas, erkenne man einen leichten Grünton, der allerdings auch von den Bildern stammen könne. Seerosenblätter in verschiedenen Perspektiven auf großer Leinwand, dazwischen erkennbar das Dunkel des Wassers, faszinierten durch ihre starke Ausdruckskraft. Anselma Murswiek, die Kunst und Kunstgeschichte studiert und sich intensiv mit alten Meistern der Malerei beschäftigt hat, verfügt über ein fundiertes Wissen, informierte Natascha Bruns.

Beim zweiten „Bier-Gang“ schenkte Lukas Locher IPA (Indian Pale Ale) ein, ein kräftiges Bier mit einer großen Menge Hopfendolden, das im 19. Jahrhundert in England gebraut wurde. Da es auf Schiffen nach Indien transportiert wurde, erhöhte man wegen der Haltbarkeit den Alkoholgehalt. Durch das Schaukeln der Schiffe hätten sich die Inhaltsstoffe gut vermischen können, jetzt muss von Hand geschaukelt werden, erzählte Lukas Locher schmunzelnd. Die Werke von Esther Rollbühler bestehen aus Reihen, die weiterwachsen können, erläuterte Natascha Bruns. Die vielen, kleinen Kunstwerke sind zum Teil aus Rolldraht geknüpft, enthalten Pappe, Papier, Graphit, Sand oder Leim. Der Künstlerin, die unter Multipler Sklerose leidet und im Rollstuhl sitzt, gelingen filigrane Kunstwerke, bei denen es viel zu entdecken gibt. Esther Rollbühlers pilzähnliche „Sperben“ waren die Überleitung zu Informationen über obergärige und untergärige Biere.

Ein kleiner Spaziergang mit dem Glas in der Hand führte durch den Schlosspark zur Orangerie, davor konnte man im Treppenhaus einen Blick auf die Lichtkunst „Cloud“ von Jenny Winter-Stojanovic werfen, die eher einem Wurzelwerk ähnelt, meinte Natascha Bruns. In der Orangerie hatte der Bergsteiger und Künstler Hama Lohrmann aus Naturmaterialien ein Mandala gelegt sowie einen Miniaturhopfengarten gebaut. Lohrmann reise viel und überlasse seine Kunstwerke der Natur, die sie sich mit der Zeit wieder einverleibt.

„Art Bier-Gang“ Nummer drei an der Orangerie war recht frostig. „Hopfensau“ sei das Bier mit der letzten Hopfenranke der Ernte, „ein extremes Bier, fast ein Likör“ schwärmte Lukas Locher, der für seine lebhafte Präsentation der Bierkunst viel Applaus erhielt.

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