Zehntausende Zigaretten sind weg: Verfahren eingestellt

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Eine Filialleiterin soll Lieferungen im Wert von 25 000 Euro unterschlagen haben
Eine Filialleiterin soll Lieferungen im Wert von 25 000 Euro unterschlagen haben (Foto: Christian Charisius/Archiv / dpa)
Siegfried Großkopf

Wegen des Vorwurfs der Untreue hat sich am Montag eine 31-jährige ehemalige Filialleiterin eines Tabakladens im westlichen Bodenseekreis vor dem Amtsgericht Tettnang verantworten müssen. Sie soll über Monate hinweg Zigarettenlieferungen als „nicht angekommen“ deklariert und in 41 rechtlich selbständigen Fällen für sich als nicht nur vorübergehende Einkommensquelle verwendet haben. Der Schaden: knapp 25 000 Euro.

Je länger am Montag die Verhandlung dauerte, desto fragwürdiger gestalteten sich die Vorwürfe gegen die 31-Jährige aus Friedrichshafen, zumal diese Vorgesetzte über einzelne Fehlbestände informierte und sich keiner Schuld bewusst war.

Fehlerhafte Software

Vor allem: Keiner der sechs Zeugen konnte sie ernsthaft belasten. „Das EDV-System hat seine Macken“, bemerkte ein ehemaliger Mitarbeiter im Zeugenstand. Ein anderer berichtete – zum Staunen des Gerichts – davon, dass in früheren Jahren dort die Differenz zwischen Soll und Haben noch erheblich höher, weil bei rund 50 000 Euro, gelegen habe. Und eine Zeugin, die nach der Probezeit vom Nachfolger der Angeklagten gekündigt worden war, lobte die Zusammenarbeit mit der 31-jährigen Frau.

„Aktives Verkaufen, Abrechnen, Kundenbetreuung und Warenpräsentation“ lauteten die in ihrem Arbeitsvertrag festgelegten Aufgabenfelder. Auch für die Annahme der Waren war die Filialleiterin - die zuvor befördert worden war - zuständig. Doch auch andere konnten in das Warenwirtschaftssystem eingreifen und hätten sich beispielweise ihres Namens bedienen können. Fest steht: Nach der Lieferung kam Ware weg. Und wer die Diebstähle begangen hat ist weiter offen. Die Angeklagte hatte die vermeintlich fehlende Ware beim Lieferanten reklamiert, der aber beteuerte, wie bestellt geliefert zu haben.

Nach drei Stunden und einem halben Dutzend angehörter Zeugen tat sich die Vertreterin der Anklagebehörde schwer, an den Vorwürfen festzuhalten und neigte dazu, einer Einstellung des Verfahrens zuzustimmen.

Verfahren wird eingestellt

Um die Vorkommnisse in dem Kiosk aufzuklären müssten noch erhebliche Ermittlungen geführt werden, argumentierte sie. Irritiert zeigte sie sich davon, dass es nach den bekannt gewordenen horrenden Warenfehlbeständen kein Gespräch mit den Mitarbeitern gegeben haben soll. „Offenbar war das gesamte System fehleranfällig“, resümierte Vorsitzender Christian Pfuhl und stellte mit Zustimmung von Verteidigung (die auf Freispruch plädiert hätte) und Staatsanwaltschaft das Verfahren ein.

Wie Rechtsanwalt Gerd Pokrop sagte, kommt auf seine Mandantin jetzt in einem Zivilprozess noch eine Forderung des Zigarettenlieferanten in Höhe von 27 000 Euro zu.

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