Wie man falschen Enkeln und unechten Polizisten keine Chance gibt

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Hans Hunger hält vor Senioren einen Vortrag zur Betrugsprävention
Er will, dass Senioren Tätern keine Chance geben: Polizeioberkommissar Hans Hunger. (Foto: Nina Hilgers)
Nina Hilgers

Über die sogenannten Enkeltricks und falsche Polizisten hat am Dienstag Polizeioberkommissar Hans Hunger mit Tettnanger Senioren gesprochen. Er arbeitet als Fachberater bei der polizeilichen Kriminalprävention. Fast 20 Senioren trafen sich im Martin-Luther-Gemeindehaus, um sich um sich von ihm Tipps und Tricks geben zu lassen.

„Man liest es ja immer wieder in der Zeitung, dass sich Personen als falsche Enkel oder Polizisten ausgeben“, begrüßt Jost Wünsche, Leiter des Seniorenkreises die Runde. Wie das aussehen kann, zeigt Hans Hunger in einem vorbereitetem Video: Ein Mann ruft eine ältere Dame an und gibt sich als Polizist aus. Er sagt, er habe den Hinweis erhalten, sie werde nächstes Einbruchsopfer. Auf seine Bitte hin legt sie Wertsachen und Geld bereit, die der vermeintliche Polizist abholt.

„Viele Senioren bewahren Goldbarren oder höhere Geldbeträge im Haus auf“, so Oberkommissar Hunger. Die Täter, die sich als falsche Polizisten ausgeben, stammten meist aus der Türkei, seien in Deutschland aufgewachsen und sprächen oft auch Dialekte. Die professionellen Telefonzentralen, von denen aus die Anrufe aus der Türkei ausgehen, werden „Callcenter“ genannt.

In der Bodenseeregion gebe es Gegenden, in denen allein am Wochenende 250 Meldungen von vermeintlichen Polizisten bei der Kriminalpolizei eingegangen seien. Sicherheitstipp: Sich auf kein Telefongespräch mit einem Polizisten einlassen. Auf die Nachfrage „Sind sie wirklich Polizist?“ verzichten. Der Tipp: Man sollte das Gespräch sofort beenden.

„Es sind schon Millionenbeträge von der Bank abgehoben worden“, berichtet der Polizeioberkommissar über das mögliche Ausmaß dieser Betrügereien. Das habe nichts mit Dummheit zu tun, sagt Hunger: „Schließlich mussten die Millionen erst einmal verdient worden sein.“ Mittlerweile sind Bankmitarbeiter geschult, hohe Geldbeträge bei Senioren in Frage zu stellen und nach dem Verwendungszweck zu fragen.

Die Täter wählen bewusst Senioren als Zielgruppe und durchsuchen Telefonbücher nach alleinstehenden Frauen. Ein einzelner Vorname oder Anfangsbuchstabe wie „Annamarie“ oder „A.“ weise auf eine mögliche Witwe hin. Hungers Sicherheitstipp: Stirbt der Ehepartner, sollte man den Namen im Telefonbuch nicht ändern. Der Täter soll weiterhin glauben, es handle sich um zwei Personen.

„Der sogenannte Enkeltrick ist nicht so gut organisiert wie das Callcenter der falschen Polizisten, funktioniert aber trotzdem“, so Hunger. Vermeintliche Enkel melden sich sich mit „Hallo Oma, ich bin’s“, nennen den Namen aber nicht. Mit „Noah, bist du es?“ wird der vermeintliche Enkel von seiner Oma begrüßt und schlüpft so in die Identität des geglaubten Enkel Noahs.

Die Täter spielen eine finanzielle Notlage vor und bitten um Geld, etwa für ein Auto. Hungers Sicherheitstipp: Den Hörer sofort auflegen, wenn sich der Anrufer nicht selbst beim Namen nennt. Den geglaubten Enkel unter der bekannten Telefonnummer zurückrufen.

„Manchmal ist das Misstrauen abgeschaltet“, versucht Seniorin Anita Czuday die Situation aus ihrer Sicht zu erklären. „Im hohen Alter wird man leichtgläubiger, leidet womöglich an einer Demenz oder hat einen hohen Blutdruck, deshalb reagiert man in einer solchen Situation manchmal ohne Misstrauen“, erklärt Oberkommissar Hunger.

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