Wie brummt ein böser Sultan?

Lesedauer: 4 Min
Wie brummt ein böser Sultan?
Wie brummt ein böser Sultan? (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

Zum immer beliebteren Kinderkonzert der „Sinfonie im Innenhof“ sind diesmal knapp über 200 Besucher in den sonnigen Innenhof des Neuen Schlosses gekommen. Die Bandbreite der Besucher reichte von den Kleinsten, die im Sportwagen gefahren wurden, bis zu grauhaarigen Senioren. Es hat sich herumgesprochen, dass die Abendkarte den kostenlosen Besuch des Kinderkonzerts beinhaltet. Und da gab es eine Menge an interessanten Details zum Programm und natürlich Kostproben zur Musik.

Markus Schweizer, der im Namen von Spectrum Kultur und Bodenseefestival begrüßte, versprach den vielen Kindern und ihren Begleitern einen spannenden Nachmittag, und er sollte Recht behalten. Nur ganz wenige Kleine rissen kurzfristig aus, die allermeisten hörten aufmerksam zu, was Dirigent Sebastian Tewinkel vorne ihnen alles erzählte und die Musiker der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben vorspielten. Die kurz angespielte Ouvertüre zur „Entführung aus dem Serail“ ließ erste ungewohnte orientalische Klänge hören. Dann erzählte Tewinkel von einem dicken, grausamen Mann, einem Sultan, den „seine Frau ein bisschen hintergangen hat“. Er räche sich, indem er jede Nacht eine andere Frau nehme und sie am Morgen wieder „wegschicke“ – auf für Kinder ungeeignete Details verzichtet er in seiner Einführung in Rimski-Korsakows sinfonische Suite „Scheherazade“, die wunderbar ins Festivalthema passte.

Gebannt lauschen die Kinder

Dafür ließ er spielen, wie die tiefen Streicher den Sultan und die Geige in süßen Tönen die Märchenerzählerin charakterisieren, wie sich das Motiv für den Prinzen Kalender immer neu verwandelt. „Hört einmal, wie die Wellen hin und her rauschen, achtet auf die Celli“, sagte er – und gebannt lauschten die Kinder der Musik, die jeweils in kurzen Sequenzen etwas heraushob, bevor sie im Zusammenhang gespielt wurde. Kräftig laut wurde es, als im vierten Satz ein Schiff zerschellte. Friedliche Töne verkündeten zuletzt das Happyend, die Stimmen des versöhnten Sultans und der Scheherazade vereinten sich.

„Wer von euch spielt ein Instrument?“, fragte Tewinkel und viele Hände schnellten hoch. Bei der Frage nach der Geige waren es weniger. Da trat Berfin Aksu, die 16-jährige türkische Solistin des Konzerts, auf und ließ mit ihrer natürlichen Art und ihrem virtuosen Spiel nur noch staunen. Ihre englischen Antworten übersetzte Tewinkel in einfachen Worten. Sie entlockte ihrer Geige nicht nur Flageolett-Töne oder den Klang einer Panflöte, sie faszinierte auch mit turbulenten und verträumten Passagen aus Fazil Says Violinkonzert bis hin zum improvisierten Vogelkonzert.

Nach einer guten Stunde war ein spannendes, unterhaltsames Konzert zu Ende.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen