Welternährung: Ein schwieriges, aber lösbares Problem

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Pfarrer Thomas Wagner (links) stellt den Referenten Bernhard Walter vor.
Pfarrer Thomas Wagner (links) stellt den Referenten Bernhard Walter vor. (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

Trotz vieler konkurrierender Veranstaltungen haben sich am Freitagabend zahlreiche Besucher im evangelischen Gemeindehaus eingefunden, um sich im Zuge der traditionellen Reihe der „Tettnanger Tischreden“ mit dem Thema „Handel, Handel, die Welt im Wandel – Ernährungssicherheit für alle Menschen in einer globalisierten Welt“ auseinanderzusetzen.

Auf der Bühne saß eingangs Doktor Martinus Luther (Markus Stein) vor dem offenen Tintenglas und nagte angestrengt am „Federkiel“. Dass er seiner um Hilfe rufenden Frau Käthe (Ursula Tonhauser), die einen schweren Korb mit Gartenfrüchten hereintrug, nicht zu Hilfe eilte, sorgte für Schmunzeln. „Herr, gib mir Geduld“, sagte er, die Augen nach oben gerichtet. Er arbeitete an einer Predigt über die Vaterunser-Bitte. Käthe bohrte weiter, brachte ihn schließlich auf den richtigen Weg: „Brot steht für alles, was wir Menschen täglich brauchen.“ Anerkennend klopfte sie ihm auf die Schulter: „Gib uns... Er hat gelehrt zu teilen, wir alle müssen teilen lernen.“ Eine kleine Szene, von Ursula Tonhauser geschrieben, die wie immer direkt zum Thema des Abends hinführte.

Pfarrer Thomas Wagner stellte den Referenten Bernhard Walter vor: Er hat in Hohenheim promoviert, war jahrelang in der Entwicklungshilfe „im Süden“, das heißt in Afrika, tätig und arbeitet heute als Referent für „Brot für die Welt“, das Hilfswerk der evangelischen Landeskirchen und Freikirchen in Deutschland, in Berlin. Mitveranstalterin war Renate Wittlinger, Bildungsreferentin des Evangelischen Bauernwerks in Waldenburg-Hohebuch.

„Haben wir vor Ort überhaupt eine Einflussmöglichkeit?“, stellte Pfarrer Wagner als Frage in den Raum. Nüchtern kamen im einstündigen Referat die Fakten auf die Leinwand. Gut 250 Millionen Euro hat „Brot für die Welt“ zur Verfügung, Geld von Spenden, von der Landeskirche, vom Staat. Neben der Landwirtschaft direkt werde auch der Aufbau von Bauernverbänden gefördert – Hilfe zur Selbsthilfe. Eine gefährliche Arbeit, da es auch einflussreiche Kreise gebe, die keine Veränderung wollen, weil sie ihre privilegierte Stellung behalten wollen. Auch sonst laufe vieles falsch.

Wenn beispielsweise Überschüsse aus der EU in den Süden gebracht würden, sinke die Konkurrenzfähigkeit der einheimischen Erzeuger. „Brot für die Welt“ arbeite auf anderen Schienen als der Staat und kontrolliere vor Ort, was mit dem Geld geschieht. 821 Millionen Menschen seien unterernährt. Wenn man das, was an Nahrungsmüll in Europa und Nordamerika anfällt, rechtzeitig an die richtigen Stellen bringen könnte, wäre die Hungersnot beseitigt. Der Referent propagierte auch das Lernen von Bauer zu Bauer. Ein anderes Problem sei, dass die Solidarität mit den Bauern des Südens und mit den Bauern im eigenen Land verschiedene Ziele verfolge.

Klar wurde an diesem Abend, dass ein fast unentwirrbares Geflecht von Problemen gelöst werden muss. Junge Menschen gingen auch in Afrika in die Städte, das schade der heimischen Produktion: „Wir müssen die Anliegen der Menschen des Südens zu uns transportieren. Die Probleme sind groß, sie sind vielschichtig, aber sie sind lösbar“, stellte Bernhard Walter klar heraus. Neun Milliarden Menschen muss die Erde in nicht allzu ferner Zeit ernähren, das erfordere ein Umdenken und große Anstrengungen. Wenn beispielsweise immer noch Bio-Sprit erzeugt werde und wir ihn importieren, sei das sicher im globalen Geflecht nicht der richtige Weg. Nach einer Fragerunde lautete das Fazit: ein ziemlich anstrengender, aber notwendiger Abend.

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