Warum Frack und Bier zusammenpassen

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 Die „Männer und Tenöre“ bei ihrem Auftritt im Hopfengut No. 20.
Die „Männer und Tenöre“ bei ihrem Auftritt im Hopfengut No. 20. (Foto: Thomas Steinberger)
Thomas Steinberger

Frack und Bier – geht das zusammen? Die Gruppe „Männer und Tenöre“ trat jüngst im Hopfengut in Siggenweiler den Beweis dafür an. Dabei ist die Veranstaltung „Bier und Klavier“ eingereiht in die Kulturreihe, „Kunst, Musik und Genuss“, die sich auch im neuen Jahr in der Gaststätte fortsetzen wird.

Gleich zu Beginn setzten die sechs im Frack gewandeten Männer durch ihr äußeres Erscheinungsbild einen interessanten Kontrapunkt zum rustikalen Ambiente des Hopfengutes.

Passend zum Feierabend stimmten die Männer den bekannten Evergreen „Wochenend und Sonnenschein“ der Comedian Harmonists an. Dabei konnten sie das Publikum schnell von ihrem kunstvollen und mehrstimmig arrangierten Gesang überzeugen. Im Laufe des Abends folgten zahlreiche Coverversionen der Comedian Harmonists. Dabei ließen sie es sich nicht nehmen, den einen oder anderen Song durch eine tänzerische Einlage zu veredeln. Scherzhaft nannten sie sich selbst auch immer wieder „die Chippendales vom Bodensee“.

Neben den zahlreichen Coverversionen von 20er-Jahre-Schlagern brillierte die ungewöhnliche Boygroup, ganz im Stil des Vorbilds Comedian Harmonists, auch in anderen Musikgenres. So wanderten sie von der Titelmusik des Zeichentrickfilms „Tom und Jerry“ (komponiert von Udo Jürgens) mühelos zu Mozarts Zauberflöte. Stets mit einem ironischen Zwinkern und wundervollen kleinen Geschichten unterhielten sie das Publikum, sodass so mancher sich die Brille von der Nase schieben musste, um eine Lachträne wegzuwischen.

Die musikalische Reise wurde immer wieder von kulinarischen Zwischenspielen abgelöst. Den Gästen wurde dabei jedesmal ein besonderes in Siggenweiler gebrautes Bier kredenzt. Lukas Locher, der das Hopfengut zusammen mit seiner Familie leitet, war für die, wie er es nannte, „pädagogische Aufklärung“ über den „Entstehungsprozess von besonderen Bieren“ zuständig. Locher gelang es, Wissenswertes über die Braukunst zu vermitteln: „Hopfen ist wie ein Gewürz für das Bier, also nicht zu vergleichen mit der Traube beim Wein“, erklärte er und verknüpfte die Theorie mit amüsanten Heimatgeschichten, in denen man erfuhr, dass die modernen Hopfenerntemaschinen so manchem das Flirten verdorben hatten, da zu Zeiten der manuellen Hopfenernte noch viele schöne junge Erntehelferinnen nach Tettnang gekommen waren, was den heiratsfähigen Männern der Region einige Möglichkeiten bot.

Die bei der Bierverkostung angebotenen Biere steigerten sich in ihrem Alkoholgehalt. Das letzte Bier mit fast zehn Prozent Alkohol, ein Imperial Stout, erinnerte dann geschmacklich mehr an einen starken Kaffee als an ein Bier. Der Abend verdeutlichte, wie stark die Region durch den Hopfen geprägt ist und wie vielseitig Braukunst sein kann. Lukas Locher stichelte scherzhaft: „Den Satz ‚Ich mag kein Bier‘ kann ich nicht gelten lassen. Es gibt nicht ‚das Bier‘“. Die Braukunst biete eine Vielzahl von Möglichkeiten, unterschiedlichste Arten von Bieren herzustellen. Die Mischung Frack und Bier ging im Hopfengut auf, das Publikum war sowohl von der Musik als auch von Lochers wunderbar erzählten Brauereinachtkästchen-Geschichten begeistert. Man darf gespannt sein, denn die Reihe „Kunst, Musik und Genuss“ geht im kommenden Jahr weiter. Im März soll die soulige Stimme der Tettnangerin Agathe Paglia erklingen. Diesmal in Kombination mit einer spannenden Ginverkostung.

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