Warum diese Jugendlichen üben, auch mal gegen ihre Überzeugung zu argumentieren

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 Foto: (von links hinten) Beatriz Rodrigues Vinhas, Simone Lempert, Luisa Leibensberger, Juliana Treyer, (links unten) Bianca Th
(Foto: Selina Erath)
Selina Erath

Schlagfertige Argumente, stark ausformulierte Sätze und Kritik der Gegenparteien sind bei der Debattier-AG am Montfort-Gymnasium normal. Unter der Leitung von Sebastian Korth diskutieren 14 Schüler der achten bis zwölften Klasse wöchentlich über ernst- oder auch weniger ernstgemeinte Themen.

„Sollen Pflanzenschutzmittel verboten werden? Soll Frankreich mit Käse überbacken werden? Sollen Handys an Schulen verboten werden?“. Zu Letzterem würden bestimmt einigen Schülern Argumente gegen das Verbot einfallen. Doch „manchmal muss man dann eben auch gegen seine eigene Meinung debattieren“, sagt der Elftklässler Michel Schmitt.

Die Schule ist ein Ort zum Lernen, kein Ort zum Handy spielen.

Ein Argument, das bei der Debatte um Handyverbote an Schulen fällt

Das helfe ihm dabei, auch die Gegenseite zu beleuchten und Dinge von einem „anderen Standpunkt“ aus zu betrachten. Bei einer Debatte gibt es vier Debattanten, von denen zwei „Pro“ und zwei „Contra“ das Thema sind.

Beide Seiten bringen gute Argumente

Während die „Contra-Seite“ zum Handy-Verbot Argumente wie: „ Die Digitalisierung soll auch an Schulen zeitgemäß eingesetzt werden“, oder „Der Umgang mit den Medien muss schließlich auch gelernt werden“, nennt, fallen auch der „Pro-Seite“ immer passende Gegenargumente ein: „Die Schule ist ein Ort zum Lernen, kein Ort zum Handy spielen. Das Handy ist einfach ein Ablenkfaktor“ oder „Mobiltelefone wurden schon an Schulen missbraucht“.

Eine Debatte setzt sich aus drei Teilen zusammen: in der Eröffnungsrunde beantwortet jeder Teilnehmer in zwei Minuten die Streitfrage aus seiner Sicht. Danach folgt die freie Aussprache. Diese dauert 12 Minuten und es werden weitere Argumente gebracht und miteinander abgeglichen.

Schlussrunde mit allen Argumenten

In der Schlussrunde hat jeder Teilnehmer noch einmal eine Minute Zeit, die Streitfrage ein zweites Mal zu beantworten: diesmal im Lichte all der Argumente, die er gehört hat.

Nach der Debatte berät sich die Jury, in dem Fall die restlichen AG-Mitglieder, um den vier Schülern eine Rückmeldung zu geben. Sie kritisieren beispielsweise Doppelargumente, ungeschickte Formulierungen oder bestimmte Betonungen.

Auch positive Beobachtungen, wie gute Anknüpfungen, klare Positionierungen oder bildhaft erklärte Argumente werden rückgemeldet. Besonders wird auf Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft geachtet. Das sind auch die Kriterien beim Regionalfinale im Frühjahr, auf das die Schüler hinarbeiten.

Handwerkszeug zum Debattieren

„Ein lustiger Haufen, der Spaß daran hat, sich über Themen zu informieren und gemeinsam darüber zu diskutieren“, nennt Sebastian Korth die Gruppe aus 14 Schülern.

Er bietet die AG seit 2018 an. Der Elftklässler Kalle Holland ist von Anfang an mit dabei. Durch ihn sind auch seine Klassenkameraden Michel Schmitt und Juliana Treyer darauf aufmerksam geworden. Juliana Treyer ist erst seit diesem Schuljahr in der AG. Das „Handwerkszeug zum Debattieren“ haben ihr die anderen Mitglieder im Laufe der Treffen beigebracht.

Die AG bringe die Schüler auch schulisch „eindeutig“ weiter, sagt Michel Schmitt. Außerdem hilft es dabei, sich „Sachwissen“ anzueignen, erklärt Kalle Holland. Die Zehntklässlerin Luisa Leibensberger sagt zudem, dass es ihr dabei helfe, bei Erörterungen schneller Argumente zu finden und diese besser auszuformulieren.

Sie war bereits letztes Jahr Mitglied der AG und konnte sich sogar im Regionalfinale in Sigmaringen gegen ihre Konkurrenten durchsetzen. Bis zu dem Wettbewerb im Frühjahr will Michel Schmitt vor allem noch an seinen „Formulierungen arbeiten“. Kalle Holland will bis dahin ganz nach dem Motto „learning by doing“ noch einige Debatten zur Übung führen.

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