Warum das Quartett „Was Neues“ seinem Namen alle Ehre macht

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Albrecht Streicher, Berthold Kiechle, Udo Schäfer und Thomas Ruffing präsentieren sich unter dem Namen „Was Neues“, der sich aus
Albrecht Streicher, Berthold Kiechle, Udo Schäfer und Thomas Ruffing präsentieren sich unter dem Namen „Was Neues“, der sich aus den Anfangsbuchstaben der Gründungsmitgliedern zusammensetzt. (Foto: anrö)
Annette Rösler

Hiltensweiler - In der Pfarrkirche St. Dionysius in Hiltensweiler gab es im Rahmen der Erwachsenenbildung der Seelsorgeeinheit Argental festliche und geistliche Musik aus mehreren Jahrhunderten zu genießen. Die vier erfahrenen Musiker des Blechbläserquartetts „Was Neues“ boten in der noch feierlich und weihnachtlich geschmückten Kirche den zahlreichen Zuhörern ein abwechslungsreiches Repertoire von Bach bis Lambart. Das Quartett spielte in der Besetzung Albrecht Streicher und Berthold Kiechle (Trompeten), Thomas Ruffing (Posaune) und Udo Schäfer (Euphonium).

Gertraude Walser, die „Was Neues“ schon seit vielen Jahren begleitet, begrüßte die Konzertbesucher und kündigte die einzelnen Werke mit einer kleinen Geschichte an. „Sogar Johann Sebastian Bach wollte bei dem großen Meister lernen“, erzählte sie. „Wer sein Nachfolger werden wollte, musste seine schon etwas ältere Tochter heiraten, das veranlasste manchen Interessenten zum Rückzug“, schilderte sie weiter. Die Rede war von Dietrich Buxtehude, aus dessen Feder im 17. Jahrhundert „Fanfare und Chorus“ entstand, welches von den vier Musikern zu Beginn fast in Orchesterstärke gespielt wurde. Nach „Sonata“ von einem anonymen Komponisten folgte das Spiritual „Little David play on the Harp“ gefolgt von „Canzon per sonare No. 2“ aus der Spätrenaissance von Giovanni Gabrieli.

„Sie dürfen gerne klatschen, wenn Ihnen danach ist“, ermunterte Gertraude Walser die anfangs etwas zaghaften Zuhörer. Bei Georg Friedrich Händels „Hallelujah Chorus“ jubilierten das Euphonium und die Trompeten abwechselnd. Kontrastreich danach das Spiritual „When the Saints“ und so nachklingend, dass der Applaus später einsetzte. Dann das „Agnus Dei“ von Wolfgang Amadeus Mozart: Diese innige Sopranarie habe Mozart in Salzburg geschrieben, obwohl er dort mit seiner Anstellung beim Erzbischof nicht zufrieden war und entlassen wurde, erzählte Gertraude Walser.

Spirituals wie „Joshua fit the battle of Jericho“, „Kum Ba Yah“, bei dem die Posaune wunderbar zur Geltung kam, und „Swing low, sweet Chariot“, wurden mit viel Applaus belohnt. Toll gespielt war ebenso Johann Sebastian Bachs „My heart ever faithful“, bei dessen Aufführung 1735 ein Trompeter vor Anstrengung einen tödlichen Herzinfarkt erlitten haben soll. „Alles mit euch in Ordnung?“ fragte Gertraud Walser zwischendurch die Musiker, was diese beruhigender Weise bejahten.

Auf Bachs Choral „Jesus bleibet meine Freude“ folgte ein gedanklicher Ausflug ins schneebedeckte „Winter Wonderland“. Ragtime, ein Vorläufer des amerikanischen Jazz, brachte die Fußspitzen zum Wippen. Bestens zur Geltung kam Thomas Ruffing mit seiner Posaune beim „T-Bone-Rag“ von Tom Lambart aus dem Jahr 1964. „T-Bone“ hat in diesem Fall nichts mit einem Steak zu tun, sondern bedeutet Posaune, klärte Gertraude Walser die Unwissenderen auf. „That’s a plenty“ von Lew Pollack und zum Abschluss das Spiritual „Down Home“ sowie „Fantasie“ von Dieter Wendel als Zugabe, beendete eine tolle musikalische Stunde, bei der sich die Freude der Musiker am Spielen auf die Zuhörer übertragen hatte. Zum Dank wurde das Quartett mit einem üppigen Beifall durch das Publikum belohnt.

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