Wann und wo fängt Mobbing an?

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Wann und wo fängt Mobbing an?
Wann und wo fängt Mobbing an? (Foto: Helmut Voith)
Christel Voith

Eigentlich hatte Dagmar Dietrich, die Leiterin der Theater-AG der Realschule Tettnang, wieder an etwas Lustiges gedacht, doch ihre Spieler wollten mal etwas ganz anderes, etwas Ernstes machen. Daraus ist das Stück „Mobbing – ich doch nicht“ geworden. Bei der Premiere am Montagabend in der Aula des Gymnasiums durften sich die dreizehn Schauspieler und ihre Leiterin über langen, intensiven Applaus freuen.

Mobbing – keiner will es wahrhaben und doch ist das Thema vielfach präsent, auch in Tettnang bleibt es nicht aufs Theater beschränkt. Dagmar Dietrich, Diplom-Theaterpädagogin und Lehrerin an der Realschule, hatte auch mit ihrer Klasse über Mobbing gesprochen: Wie kommt es dazu? Wo fängt es an? So wanderte das Thema in die Theater-AG, wie immer erst mit Improvisationen. Erst dann, als sich typische Szenen herauskristallisierten, als abzulesen war, zu wem eine bestimmte Rolle passte, hat Dagmar Dietrich das Stück verfasst, das ganz authentisch samt „O-Ton“ in die Lebenswelt der Jugendlichen blickt. Kein „Stück zum Zurücklehnen“, wie eingangs suggeriert wird, aber ein Stück, das packt und sicher auch in den Klassen, die es am Dienstag und Mittwoch besuchen werden, noch intensiv diskutiert wird. Angemeldet sind neben Klassen der Realschule auch welche von der Gemeinschaftsschule und vom Gymnasium.

Gift schleicht sich ein

Zwei Ebenen sind raffiniert miteinander verflochten: Da ist eine Theatergruppe, die ein Stück über Mobbing erarbeitet und sich Gedanken dazu macht, und da sind die Spieler im realen Leben als Schüler, die unmerklich selbst in das gefährliche Fahrwasser geraten und eine von ihnen immer mehr ablehnen, verleumden, ausgrenzen. Eben noch waren Carla und Jana „beste Freundinnen“, da schleicht sich das Gift ein, bis am Ende keine mehr recht weiß, wann es angefangen hat.

Mauer wird aufgebaut

Neben den lebendig gespielten Szenen erleben die Zuschauer auf zwei Projektionswänden, was im Hintergrund im Chatroom passiert, wie die Whats-App-Nachrichten innerhalb der Gruppe hin und her gehen, wie sich Behauptungen und Lügen aufschaukeln, wie das Opfer keine Chance mehr sieht, sich zu wehren. Der ganze Alltag fließt mit ein: das Wählen einer Mannschaft im Sport, bei dem immer die Gleichen stehen bleiben, die Verabredung zum gemeinsamen Essen, bei dem die „Bio-Tante“ draußen bleibt, die Einladung zur Party, die Fragen zum „Dress-Code“... Karton um Karton wird derweil im Hintergrund eine Mauer aufgebaut, die glücklicherweise zuletzt wieder eingerissen wird.

Ein starkes Stück von einem starken Team, das am Ende auch vom stellvertretenden Schulleiter Albrecht Elser großes Lob erhielt: die beteiligten Schüler von Klasse 6 bis 9, die ihre Rollen bestens gelernt und herübergebracht hatten, die Leiterin Dagmar Dietrich und die Lehramtsanwärterin Stefanie Hamm, die sie bestens unterstützt hatte, Matthias Johler, der die passende Musik zu den Szenen beitrug, und die Ton- und Technikkünstler.

Die letzte Aufführung findet am Mittwochmorgen von 9.30 bis 10.30 in der Aula des Gymnasiums statt.

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