Vortrag beleuchtet harten Alltag in Peru

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Der Alltag der peruanischen Frauen in Porcón ist lang: wenn sie den Haushalt und die Kinder versorgt haben, fertigen sie oft noc
Der Alltag der peruanischen Frauen in Porcón ist lang: wenn sie den Haushalt und die Kinder versorgt haben, fertigen sie oft noch Handarbeitern zum Verkauf an. (Foto: Kajo Aicher)
Annette Rösler

Anlässlich der Veranstaltungsreihe zur Fastenzeit des „Arbeitskreis Peru“ hat sich am Samstagabend ein überschaubares Publikum zu einem bebilderten Vortrag im St. Gallus-Gemeindezentrum in Tettnang eingefunden. Passend zum „Internationalen Frauentag“ erzählte Eva Aicher vom Alltag der Frauen aus Porcón (Peru), von ihren Lebensbedingungen, Problemen und Wünschen.

Die Gemeindepartnerschaft St. Gallus mit Christo Ramos Porcón besteht schon seit 27 Jahren und Eva Aicher hat Porcón schon mehrmals besucht. „In dieser Zeit ist eine Nähe zu den Frauen entstanden und trotz aller Verschiedenheit der Kulturen habe ich viel Ähnlichkeit festgestellt“, sagte sie. Die Menschen in Porcón sind tief mit der Natur verwurzelt, eine wichtige Rolle spielt der Familienzusammenhalt. Für den Eigenbedarf werden ein paar Nutztiere gehalten und Gemüse angebaut. Die Natur wird geachtet und man geht behutsam mit ihr um. Leider befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinde eine große Goldmine. Deshalb sind Knappheit und die Verunreinigung des Wassers durch den Goldabbau zu einem großen Problem geworden.

Der Frauenalltag in Porcón ist hart. Morgens um 4.30 Uhr beginnt der Tag und endet gegen 21 Uhr. Frauen bestreiten den Haushalt, versorgen die Kinder, arbeiten mit den Männern auf dem Feld, versorgen die Nutztiere, waschen, spülen, fertigen Handarbeiten zum Verkauf – alles unter den einfachsten Bedingungen. Strom ist teuer, gespült und gewaschen wird mit kaltem Wasser. Unterstützung von den Männern gibt es wenig.

Zum Einkaufen am Markttag fahren die Frauen mit einem Kleinbustaxi in das etwa 30 Kilometer entfernte Cajamarca. Manche verdienen sich dort mit kleinen Aushilfsarbeiten ein wenig Geld dazu. Alte Frauen, die keine Familie haben, sind gezwungen zu betteln und am Straßenrand stehen Händlerinnen mit einem Handkarren und bieten ihre Weberzeugnisse feil. Viele von ihnen haben den ganzen Tag ihre Kinder mit dabei.

Ab dem fünften Lebensjahr besteht Schulpflicht, kontrolliert wird aber nicht, berichtete Eva Aicher. Die Kinder haben beschwerliche Schulwege von oft bis zu zwei Stunden zurückzulegen und sind dann zu müde zum Lernen und außerdem gibt es niemand, der bei den Hausaufgaben helfen kann. In „Refectorios“, die von der St. Gallus Kirchengemeinde Tettnang und den Sternsingern unterstützt werden, können die Kinder gemeinsam lernen. An diesem Ort finden Frauen Hilfe und können sich austauschen. Viele von ihnen erlernen dort die Gesundheitspflege und können die dürftige Gesundheitsversorgung etwas verbessern.

Tettnanger unterstützen Schule

Auch ein Schulzentrum mit mittlerweile 400 Schülern und einem hohen Anteil an Mädchen hat die St. Gallus Kirchengemeinde Tettnang unterstützt. Leider sei die Zukunftsperspektive für Mädchen trotzdem nicht gut, bedauert Eva Aicher. Aber das Selbstbewusstsein habe zugenommen und die gebildeten jungen Frauen gingen mit ihrer Situation anders um. Familienplanung sei ein wichtiges Thema, man rate den Mädchen, sich nicht zu früh zu binden und eine Familie zu gründen. Der größte Wunsch der Frauen in Porcón sei allerdings, dass die Gewalt der Männer, der „Machismo“ und der übermäßige Alkoholkonsum endlich aufhöre, sagte Eva Aicher.

Im Anschluss an den Vortrag gab es die Möglichkeit, fair gehandelte Produkte und farbenfrohes Kunsthandwerk aus Porcón zu betrachten und zu erwerben.

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